Gedenken in Eimelrod an die bis November 1938 vernichtete jüdische Gemeinde im Dorf

„Feier gegen das Vergessen“

Willingen-Eimelrod - Einen Tag nach der reichsweiten Pogromnacht wurde auch die Eimelroder Synagoge zerstört: am 10. November 1938. Gestern wurde der ausgelöschten jüdischen Gemeinde gedacht.

Nur 14 Jahre wurde Lieselotte Cossen alt. Die Tochter von Paula und Max Cossen kam 1929 in Eimelrod zur Welt. Vier Jahre war sie alt, als sich ihr Leben änderte: Die Nationalsozialisten kamen an die Macht. Ihr Hass richtete sich gegen alle Juden. Und damit auch gegen das Mädchen Lieselotte Cossen. Die Familie floh zwar 1935 vor dem „braunen Terror“ nach Amsterdam. Doch 1940 eroberte die deutsche Wehrmacht die Niederlande, die Juden im Land wurden in Konzentrationslager deportiert. Lieselotte Cossen wurde 1943 in Auschwitz ermordet. Ihr tragisches Schicksal ist nur eines von vielen: Die gesamte jüdische Gemeinde des Dorfes wurde im „Dritten Reich“ ausgelöscht - wer nicht ins Ausland fliehen konnte, wurde in Vernichtungslager gesteckt. Nur wenige überlebten, keiner kehrte nach Eimelrod zurück. Die kleine, um 1780 erbaute Fachwerk-Synagoge wurde am 10. November 1938 niedergebrannt. Doch der jüdische Friedhof am Rande des Dorfes blieb erhalten - dort fand gestern zum dritten Mal eine Gedenkfeier statt.

An die Schicksale der ausgewanderten oder ermordeten Juden Eimelrods erinnerten Gymnasiasten des Abi-Jahrgangs an der Willinger Uplandschule, die mit ihrer neuen Direktorin Barbara Pavlu gekommen waren. Die verlesenen Daten hat der pensionierte Pfarrer Alf Seipel zusammengetragen.

Der Willinger Bürgermeister Thomas Trachte verwies darauf, dass Dr. Dirk Bender und Pfarrerin Gisela Grundmann aus Usseln die Initiative zu der Gedenkfeier ergriffen hätten. „Gott sei dank“ habe die heutige Generation nicht die damaligen Zeiten erleben müssen. An den Juden sei „böses Unrecht geschehen“. Umso wichtiger sei es, „an dieses Unrecht immer wieder zu erinnern“. Das gelte es von Generation zu Generation weiterzugeben. Dabei gehe es weniger um die Betonung der deutschen Schuld: Es dürfe nie wieder geschehen, dass Andersgläubige verfolgt würden.

Das Morden geht weiter

Doch Trachte ging auch auf den gegenwärtigen Terror etwa im Nahen Osten ein, wo wieder Menschen „aus religiösen Gründen“ mordeten. Er hoffe auf Frieden in der ganzen Welt.

Die Versammelten sangen das Lied „Freunde, dass der Mandelzweig wieder blüht und treibt“ aus dem evangelischen Gesangbuch - geschrieben hat das Lied der jüdische Deutsche Fritz Rosenthal. Pfarrerin Grundmann verlas Psalm 130.

Sie berichtete, dass in der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem die Namen der Ermordeten verzeichnet seien. Die Nationalsozialisten hätten versucht, die Juden Europas und ihre Kultur auszulöschen. Mit der „Feier gegen das Vergessen“ machten die Versammelten einen Teil dieser Politik „kaputt“, sagte die Pfarrerin. Indem die Willinger Schüler an die jüdischen Eimelroder erinnerten, riefen sie ihre Namen der Upländer Bevölkerung wieder ins Gedächtnis. Dieses Erinnern sei wichtig für die Gegenwart und für eine „gute Zukunft“.

Im Eingangsgebet gelobte sie: „Wir werden nicht vergessen“. Sie bat Gott: „Gib uns Mut aufzuschreien und einzuschreiten.“ In der biblischen Lesung zitierte sie vier Verse aus Psalm 73. Dem ließ sie das zentrale jüdische Gebet „Kaddisch“ in deutscher Übersetzung folgen.

Trachte und Ortsvorsteherin Henrike Habermann legten einen Kranz am Gedenkstein des Friedhofes nieder. Zum Abschluss sprach Pfarrerin Grundmann den Segen. (-sg-)

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