Auf dem Neerdarer Opferknochen glüht der Kohlenmeiler · Hobby-Köhler im Einsatz

Das Feuer in die Zukunft tragen

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Die Hobby-Köhler der „Alten Kameraden“ und der Freiwilligen Feuerwehr Neerdar. Fotos: Ulrike Schiefner

Willingen-Neerdar - Etliche Unternehmen müssen in diesen Tagen auf ihre Neerdarer Mitarbeiter verzichten, denn die Männer haben sich Urlaub genommen. Sie verbringen die Tage und Nächte auf dem Opferknochen.

Eine Rauchwolke steigt vom Berg hoch in den Himmel. Doch es besteht kein Grund zur Sorge: Die Neerdarer pflegen auf dem Platz dort oben über dem Dorf keine okkulten heidnischen Bräuche. Sie bewachen vielmehr ihren Kohlenmeiler.

Viel Arbeit im Vorfeld

Wie bereits berichtet, haben die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr und die „Alten Kameraden“ - dabei handelt es sich um den Jugendclub des Ortes - vor einigen Monaten 30 Raummeter Buchenholz unter fachkundiger Anleitung geschlagen, geschnitten und gespalten. In der vergangenen Woche ging‘s dann erneut richtig zur Sache: Die mittlerweile getrockneten Scheite wurden Stück für Stück ordentlich um den sogenannten Quandelschacht herum aufgestellt und mit Grasfrasen und einer Erdschicht bedeckt. In bewährter Weise bauten die Akteure auch wieder eine Köhlerhütte, die zumindest von der Form her an ein indianisches Tipi erinnert. Auch sie ist mit Grasfrasen bedeckt und bietet Gelegenheit zum Unterschlupf - ebenso wie der Bauwagen, der zwar vielleicht nicht ganz so originell ist, derzeit in den nasskalten Nächten jedoch etwas mehr Komfort verspricht.

Glut aus dem Lagerfeuer

Bei einem ersten kleinen Fest wurde der Kohlenmeiler am Samstag angezündet. Die Vorsitzenden der beiden beteiligten Vereine - Achim Schuppe (Feuerwehr) und Dennis Kasper („Alte Kameraden“) - kletterten mitsamt Metallwanne hoch auf den Meiler und schütteten mehrere Ladungen Lagerfeuer-Glut in den Quandelschacht. Die Bläsergruppe der waldeckischen Jägerschaft sorgte für musikalische Unterhaltung der zahlreichen Schaulustigen, die selbstverständlich auch keinen Hunger und Durst zu lei-den brauchten.

Dr. Christoph Weltecke, der die Besucher willkommen hieß, ging auf die frühere Bedeutung des Köhlerhandwerks in der Region ein (siehe auch nebenstehenden Text). Die Neerdarer lernten das „schwarze Handwerk“ im Jahr 1994, als der hauptberufliche und mittlerweile verstorbene Köhler Günter Birkelbach anlässlich der örtlichen 750-Jahr-Feier einen Meiler aufbaute. Sie haben gut aufgepasst. In diesem Jahr veranstalten sie bereits das fünfte Kohlenmeilerfest und hoffen, dass sie wieder genau so eine gute Ausbeute erzielen wie 2008. Sie ernteten damals 2,8 Tonnen feinste Holzkohle - „für ehrenamtliche Köhler eine gute Leistung“, so Dr. Weltecke, der darauf verwies, dass aus 30 Raummetern Buchenholz im bestmöglichen Fall drei Tonnen Kohle gewonnen werden können. Die Neerdarer möchten im übertragenen Sinn das Feuer weitertragen und die alte Handwerkstradition bewahren.

Donnerstag Meilerfest

Zum Auftakt des Meilerfests findet am Donnerstag, 7. Juni (Fronleichnam), um 10 Uhr ein Gottesdienst auf dem Op-ferknochen mit Pfarrer Karl-Heinz Bäcker und dem Eimel-roder Posaunenchor statt. Um 11 Uhr beginnt das Fest mit Köhlerspezialitäten und vielen interessanten Informationen rund um die Köhlerei.

Hintergrund

Wie im gesamten Upland gab es in früheren Jahrhunderten auch rund um Neerdar zahlreiche Meilerplätze. Die Holzkohle wurde zur Verhüttung des Eisenerzes, das unter anderem im Raum Adorf abgebaut wurde, benötigt. Ursprünglich wurde zur Eisengewinnung ganz normales Holz verwendet, mit dem allerdings längst nicht so hohe Temperaturen erzielt wurden wie mit der Holzkohle, mit der Werte von weit über 1000 Grad erreicht werden.

Die vielen Köhler in der Region brannten früher aufgrund des großen Bedarfs ?einen Meiler nach dem anderen ab. Entsprechend groß war der Holzverbrauch, und die Wälder litten sehr.

Heute demonstrieren die Neerdarer nur alle vier Jahre einmal das „schwarze Handwerk“, das im 18. Jahrhundert durch die Nutzung der Steinkohle an Bedeutung verlor. Sie haben auch diesmal wieder einen Köhlerlehrpfad mit sieben Stationen aufgebaut. Zu den kostenlosen Führungen, die in den nächsten Tagen angeboten werden, haben sich bereits etliche Schulklassen und Kindergartengruppen angemeldet.

Weitere Anmeldungen sind bei Dr. Christoph Weltecke möglich (0160/97872529). Vorbestellungen für die Kohle, die am 16. Juni eingesackt wird, nimmt Jürgen Bangert entgegen (0173/5324455).(bk)

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