Flechtdorf

Flechtdorfer gegen Riesen-Mühlen

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- Diemelsee-Flechtdorf (nv). Für Turbulenzen sorgen Windräder derzeit nicht nur in Bad Arolsen, sondern auch in Flechtdorf. Die Diemelseer wollen den Plan der Hessen-Energie GmbH, sechs bestehende Anlagen durch drei Riesen-Mühlen zu ersetzen, verhindern.

Wenn Gerhard Bujack aus den Fenstern seines Hauses im Mühlhäuser Weg schaut, kann er sich am Blick auf Wälder und Wiesen kaum mehr erfreuen. „Seitdem ich im Vorruhestand und damit mehr Zuhause bin, bin ich zunehmend genervt“, berichtet er und zeigt auf die zahlreichen Windkraftanlagen, von denen er umzingelt sei. Bei diesigem Wetter heben sich die weißen Mühlen zwischen Flechtdorf und Helmscheid zwar kaum vom Himmel ab, aber für Gerhard Bujack sind sie stets gegenwärtig. „Je nach Wetterlage hören wir den Schall und sind auch vom Schattenwurf beeinträchtigt“, erläutert der Flechtdorfer. Die größte Beeinträchtigung empfindet er jedoch durch die blinkenden Warnleuchten, die sich selbst im Fernseher und den Fenstern des Nachbarhauses widerspiegelten.

„Bisher habe ich all das akzeptiert“, räumt er ein. Da er um die Bedeutung alternativer Energien wisse, habe er auch eine Solaranlage auf dem Dach. Die neuen Pläne der Hessen-Energie GmbH will Bujack aber nicht hinnehmen. Laut Diemelsees Bürgermeister Volker Becker planen die Betreiber sechs bestehende Anlagen abzubauen und auf der Windvorrangfläche drei leistungsfähigere Mühlen (je zwei Megawatt Leistung) zu errichten. „Drei Anlagen mit einer Nabenhöhe von rund 130 Metern und einer Gesamthöhe von 170 Metern sind beantragt“, führt Bauamtsleiter Rainer Fischer aus. Zwei von ihnen würden für die Anwohner am Mühlhäuser Weg und am Rothbusch in Flechtdorf laut Becker sichtbar, weil sie den Wald am Bocksberg künftig überragen würden. Die höchsten Türme in Diemelsee messen rund 100 Meter Nabenhöhe.

„Jetzt ist Schluss“, betont Bujack verärgert und kündigt an, mit allen Mitteln gegen das Repowering der Anlagen (siehe Stichwort) vorzugehen. Nach einem Informationsschreiben seines Nachbarn Hartmut Döring, Mitglied des Flechtdorfer Ortsbeirats, hat Bujack bereits im August Widerspruch bei der Gemeinde eingelegt. „Ich bin bereit zu einer Klage, denn ich sehe mein Leben durch diese Windkrafträder zerstört“, heißt es in einem erneuten Schreiben Bujacks vom 7. Dezember. Auch den Wert seines Grundstücks und die Attraktivität seiner Mietwohnung sieht der Diemelseer gemindert. Geschlossen haben die Anwohner ihren Unmut durch eine Unterschriftenaktion kund getan. Laut Becker hat die Gemeindeverwaltung alle Unterlagen an das Regierungspräsidium in Kassel weitergegeben. „Der Ortsbeirat und der Gemeindevorstand haben sich auch gegen das Vorhaben ausgesprochen“, hebt er hervor.

Mehr lesen Sie in der WLZ vom Freitag, 10. Dezember.

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