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Formationen der Korbacher Schützengilde: Pioniere machen den Weg frei

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Die Pioniere der Schützengilde 1377 Korbach laufen in einem Festzug immer vorne, denn Pioniere sind im Allgemeinen dafür da, den Weg frei zu räumen.
Die Pioniere der Schützengilde 1377 Korbach laufen in einem Festzug immer vorne, denn Pioniere sind im Allgemeinen dafür da, den Weg frei zu räumen. © Schützengilde

Die Korbacher Schützengilde feiert in diesem Jahr ihr 240. Freischießen. In unserer Serie stellen wir alle Formationen vor. Heute: Die Pioniere.

Korbach – Die Pioniere der Schützengilde 1377 Korbach laufen in einem Festzug immer vorne, denn Pioniere sind im Allgemeinen dafür da, den Weg frei zu räumen. Nun ist das in einem Festzug nicht allzu häufig notwendig. Was sind also die Tätigkeiten, die diese Formation ausmacht? Die Antworten gibt der Vorstand im Interview.

Wie viele Mitglieder haben die Pioniere?

Die Pioniere haben 37 aktive, 45 passive und zehn Ehrenmitglieder. Wobei die aktiven Mitglieder diejenigen sind, die in den Festzügen mitlaufen und eine entsprechende Uniform besitzen. Das heißt nicht, dass unsere passiven Mitglieder sich nicht auch anderweitig in die Formation einbringen.

Welche Aktivitäten unternehmen die Pioniere?

Natürlich unterstützen wir die befreundeten Schützenvereine, indem wir bei den Umzügen auf ihren Schützenfesten mitmarschieren, aber das ist nur ein kleiner Teil unserer Aktivitäten. Bei einem Wettkampf unter allen Pionieren küren wir jährlich den Pionier des Jahres mit einer Feierlichkeit. Bei dem neu geschaffenen Hansefestival in der Fußgängerzone sorgen wir mit einem Getränkestand dafür, dass die Gäste nicht dursten müssen. Packen an und organisieren mit den anderen Formationen der Schützengilde unsere Feste, wie das Freischießen und das Vogelkönigschießen, stehen freitags beim Altstadt-Kultur-Fest hinter der Theke am Gildehaus und nehmen Aufgaben mit der Jugendkompanie wahr.

Eine der wichtigsten Aufgaben für uns Pioniere ist der Schnadezug. Für diesen Begang der alten Hutegrenze um Korbach sorgen wir für begehbare Wege, die oft durch unwegsames Gelände führen. Suchen verschollene Grenzsteine und messen sie neu ein. Außerdem setzen wir neue Steine, wenn jemand einen Stein stiften möchte. Das kommt annähernd zu jedem Schnadezug vor, der im Allgemeinen alle drei Jahre stattfindet.

Was ist das Besondere an den Pionieren?

Rein äußerlich schon mal unsere Kampfuniform. Wir laufen in den Festzügen nicht mit der üblichen Galauniform, sondern tragen Lederhose, kurzärmliges weißes Hemd und eine schwarze Weste. Ansonsten ist es die Kameradschaft und das breit gefächerte Fertigkeitsspektrum der Mitglieder, das bei vielen Gelegenheiten ein „Hand in Hand“ arbeiten und „sich ergänzen“ möglich macht. Zudem sind nicht nur wir Pioniere eine eingeschworene Gemeinschaft, sondern unsere Frauen untereinander auch, das macht Feste und Arbeitseinsätze zu einem echten Vergnügen.

Seit wann gibt es die Pioniere?

Die Pioniere in der Schützengilde wurden unter dem Namen „Sappeurkompanie“ 1879 erstmals erwähnt. Damals noch mit Bärenfellmütze und Schurzfellen. 1991 haben einige Mitglieder der Burschenkompanie die Pioniere wieder zu neuem Leben erweckt und mit Veranstaltungen wie dem „Tanz in den Mai“ viele Jahre lang für Stimmung am Obermarkt gesorgt.

Muss man als Mitglied überall dabei sein?

Wie in jedem Verein gibt es Einsätze, für die man Leute suchen muss. Da ist es schon wichtig, einen harten Kern zu haben, der mit Enthusiasmus dabei ist. Normalerweise haben wir bei allem, was wir tun, sehr viel Spaß. Wer nicht teilnimmt, ist also selbst schuld. Nicht jeder kann immer überall sein, das ist bei jedem von uns so, dafür haben wir natürlich auch Verständnis.

Dürfen Kinder an den Veranstaltungen teilnehmen?

Bei den Schnadezügen der Schützengilde ist es gang und gäbe, dass die Kinder mit dabei sind. Auch zu den Festlichkeiten oder Arbeitseinsätzen sind die Mädchen und Jungen oft dabei und haben viel Spaß.

Wie hoch ist der Altersdurchschnitt der Pioniere?

Der liegt bei den Aktiven wohl etwa bei 45 bis 50 Jahren. Allerdings haben wir gerade in den letzten fünf Jahren einige junge Mitglieder zwischen 19 und 35 Jahren dazugewonnen. Es könnte also sein, dass der Durchschnitt etwas nach unten gerutscht ist.

Wie kann man Mitglied werden?

Indem man einen von uns anspricht, sich an dem Infostand auf den Festen der Schützengilde anmeldet oder auf die Website der Schützengilde „schuetzengilde-korbach.de“ geht und „Mitglied werden“ ausfüllt.

Der Schnadezug ist eine der wichtigsten Aufgaben für die Pioniere: Alle drei Jahre wird die alte Hutegrenze um Korbach abgegangen.
Der Schnadezug ist eine der wichtigsten Aufgaben für die Pioniere: Alle drei Jahre wird die alte Hutegrenze um Korbach abgegangen. © pr

Welche Kosten kommen auf Mitglieder zu?

Der Jahresbeitrag der Pioniere beträgt 40 Euro für aktive Mitglieder. Hinzu kommt der Jahresbeitrag der Schützengilde mit 24 Euro. Für die Uniform muss man schon mit 300 Euro rechnen. Allerdings können wir da oft mit zu klein oder zu groß gewordener Kleidung aushelfen. In den seltensten Fällen muss alles auf einmal besorgt werden.

Wie ist die Formation organisatorisch aufgestellt?

Geleitet werden die Pioniere vom Vorstand, der aus einem Hauptmann, dem 2. Hauptmann, einem Schriftführer, Kassenwart, 2. Kassenwart und dem Beauftragten für die Öffentlichkeitsarbeit besteht. Das meiste jedoch wird demokratisch bei den Hauptversammlungen beschlossen.

Was hat die Formation für die Zukunft geplant?

Zuerst einmal wollen wir unser Freischießen im Frühsommer gestalten. Auf längere Sicht werden wir uns auf die Suche nach einer Alternative für den „Tanz in den Mai“ machen. Leider ist das Fest unter anderem durch Auflagen wie Absperrungen und Security für uns zu einem gewissen finanziellen Risiko geworden. Aber wir wären keine Pioniere, wenn uns da nicht etwas einfallen würde.  red

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