Besondere Fossilien erstmals in Korbach nachgewiesen

Forscher machen ungewöhnliche Funde in der Korbacher Spalte

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Mit einer Auswahl Fossilien aus der Korbacher Spalte: (von links) Dr. Wilhelm Völcker-Janssen, Dr. Cornelia Kurz, der Berliner Wirbeltier-Paläontologe Professor Jörg Fröbisch und Norbert Panek.

Korbach. Der Fund aus der Korbacher Spalte ist für die Forscher spektakulär: Erstmals haben sie in der Hansestadt ein Fossil eines besonderen Landwirbeltiers nachgewiesen.

Mehrere Hundert Fundstücke aus der „Korbacher Spalte“sind bereits untersucht. Nach Aussagen des Paläontologen Professor Dr. Jörg Fröbisch vom Naturkundemuseum Berlin werden die ersten Ergebnisse voraussichtlich im Frühjahr 2019 veröffentlicht. Bis das gesamte präparierte Material ausgewertet ist, werden aber mindestens noch drei Jahre vergehen.

Von 2011 bis 2015 wurde ein Großteil des Fundmaterials, das in der „Korbacher Spalte“ geborgen wurde, aufgearbeitet und präpariert. Bereits 2010 hatten die Stadt Korbach und das Projektbüro des Geoparks GrenzWelten eine Pilot-Präparation in Auftrag gegeben.

Die Präparationsarbeiten wurden federführend am Staatlichen Museum für Naturkunde Karlsruhe sowie am Naturkundemuseum in Kassel durchgeführt und sind mittlerweile beendet. Finanziert wurden diese Arbeiten anteilig vom Land Hessen, der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, von der Hansestadt Korbach und dem Geopark GrenzWelten (Landkreis Waldeck-Frankenberg).

Nach den Abschlussberichten der Museen in Karlsruhe und Kassel umfasst der Sammlungsbestand rund 3000 Stücke. Davon wurden rund 1230 präpariert. Seit September 2015 bearbeitet Fröbisch einen Großteil der präparierten Objekte wissenschaftlich. Nach seinen Aussagen können bisher rund zehn Prozent des untersuchten Materials einer bestimmten Tierform zugeordnet werden.

"Korbacher Dackel" ist die häufigste Art

Die Forschungen von Fröbisch haben bestätigt, dass Procynosuchus, der bekannte „Korbacher Dackel“, die im Fundmaterial am häufigsten vorkommende Tierart ist. Von großem Interesse für die weitere Forschung ist hierbei die Fragestellung, ob Procynosuchus in Korbach eine eigene Art bildet oder mit den aus dem südlichen Afrika stammenden Funden gleichzusetzen ist. 

Außer Procynosuchus birgt das Korbacher Fundmaterial die Reste weiterer säugetierähnlicher Reptilien – neben den bereits bekannten Dicynodontiern können erstmals Fossilien den so genannten Therocephaliern und Gorgonopsiern zugeordnet werden, zwei weiteren Therapsiden-Großgruppen neben dem „Urzeitdackel“, die im Oberperm vor 270 bis 251 Millionen Jahren vor allem in höheren Breiten vorgekommen sind.

Spektakulärer Fund in der Korbacher Spalte

Im Fundmaterial wurden außerdem Zahnreihen von Captorhiniden, frühen pflanzenfressenden Reptilien, freigelegt, die mit ähnlichen Funden aus China übereinstimmen. In Korbach können bereits jetzt mindestens drei Formen dieser Familie nachgewiesen werden. Zu den Neufunden gehören zudem weitere Nachweise von Protorosauriern und Pareiasauriern.

Ein besonders spektakuläres Fundstück aus der „Spalte“ ist eine Hautknochenplatte (Osteoderm), die einem Chroniosuchier zugeordnet werden kann. Damit wäre erstmals ein Fossil aus der Gruppe der reptiliomorphen Amphibien in Korbach nachgewiesen – also Landwirbeltieren, die mit den Säugetieren näher verwandt sind als mit den heutigen Amphibien. Zudem gibt es auch ungewöhnliche Zahn- und Kieferfunde, zu denen bisher weltweit keine Vergleichsfunde identifiziert werden konnten. Möglicherweise handelt es sich um bisher unbekannte Vertreter bereits existierender Großgruppen.

Fernziel: Korbacher Spalte soll Weltnaturerbe werden

Die Vertreter der Stadt Korbach sowie des Geoparks hoffen, die Forschungsergebnisse einem breiteren Publikum in Ausstellungen und Publikationen zugänglich machen zu können. Wilhelm Völcker-Janssen, Marc Müllenhoff und Norbert Panek sind zuversichtlich, dass irgendwann eine Bewerbung der „Spalte“ um das UNESCO-Prädikat „Weltnaturerbestätte“ gelingen könnte. Dazu seien allerdings noch einige „hohe Hürden“ zu bewältigen. (r)

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