Korbach

Frau beleidigt? - Freispruch für Mann

- Korbach (mak). Ein 36 Jahre alter Mann musste sich am Dienstag vor dem Korbacher Amtsgericht verantworten. Er soll eine 79 Jahre alte Rentnerin während eines Telefonats im Dezember massiv beschimpft haben.

„Blöde Kuh und alte Hexe“ sind zwei der harmloseren Ausdrücke, die dabei gefallen sein sollen. Die Rentnerin war 31 Jahre lang die Vermieterin der verstorbenen Tante des Angeklagten. In dem Testament der Verstorbenen stand, dass die 79-Jährige für die Aufteilung des Nachlasses unter den Erben zuständig sein sollte. Zu denen gehörten der Angeklagte und seine Schwester, die als Zeugin zu der Gerichtsverhandlung geladen war. Wegen der plötzlichen Erkrankung ihres Kindes sagte die Schwester einen vereinbarten Termin mit der Rentnerin kurzfristig ab. Bei diesem Termin handelte es sich um ein Treffen in der Wohnung der Verstorbenen, um den Hausrat unter den Erben aufzuteilen. Das Treffen sollte auf den Nachmittag verschoben werden. Um dies dem 36-jährigen Familienvater mitzuteilen, nahm die 79-jährige Frau telefonischen Kontakt zu ihm auf.

„Erst ging die Ehefrau des Angeklagten ans Telefon“, berichtete die alte Dame, „als sie den Hörer an ihren Mann weitergab, fing er an, mich zu beschimpfen.“ Er soll ins Telefon gerufen haben: „Ich hab es doch gewusst. Du willst mich betrügen, du alte Hexe!“ Bereits bei einem vorigen Treffen zwischen dem 36-Jährigen und der 79-Jährigen soll es zu Unstimmigkeiten gekommen sein: Einige Haushaltsgegenstände, die laut anderen Angehörigen der verstorbenen Tante in der Wohnung vorhanden gewesen waren, seien nicht mehr aufzufinden gewesen, sagte der Angeklagte.

Er wies die Anschuldigungen der Rentnerin zurück und bestritt, überhaupt mit der Frau an dem Tag telefoniert zu haben. Nur seine Frau habe mit der 79-Jährigen gesprochen. „Alles, was ich aus dem Hintergrund rief, während meine Frau telefonierte, war: „Nein, jetzt findet das Treffen statt! Nicht, wenn es dir passt!“, beteuerte der Lichtenfelser. Dies bestätigten auch seine Ehefrau und deren beste Freundin. Letztere war zum Zeitpunkt des Anrufs der Rentnerin zu Besuch bei dem Angeklagten. Sie schwor einen Eid auf ihre Aussage.

Am Ende der Beweisaufnahme stand Aussage gegen Aussage. „Warum sollte eine 79-jährige Frau die Prozedur einer Gerichtsverhandlung auf sich nehmen, wenn ihr Vorwurf nicht wahr wäre?“, schloss die Staatsanwältin, „wir können dem Angeklagten die Tat aber nicht nachweisen. Ich beantrage deswegen Freispruch aus Mangel an Beweisen.“ So lautete dann auch das Urteil von Richter Wolfgang Damm: „In dubio pro reo – im Zweifel für den Angeklagten“.

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