Neue Geschäfte, Büros, Wohnungen im Zentrum · Bauausschuss gibt Zustimmung

Weg frei für neues Stadtviertel

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Blick auf das geplante neue Stadtquartier: unten Geschäfte, oben Wohnungen.

Korbach - Die Pflöcke für das neue Stadtquartier am Güterbahnhof sind eingeschlagen: An der Nahtstelle zur Fußgängerzone sollen Geschäfte, Wohnungen und Büros entstehen.

Rund 3800 Quadratmeter Verkaufsflächen, acht neue Wohnungen, Büros, Parkplätze und Freigelände sind zwischen Kuhbach und der Straße am Hauptbahnhof vorgesehen. Der Bauausschuss des Parlaments gab am Dienstagabend einhellig seinen Segen zum Entwurf des nötigen neuen Bebauungsplans.

Entscheiden soll am 30. August die Stadtverordnetenversammlung. Im Blick steht die Brachfläche zwischen der Passage zur Fußgängerzone und dem Güterbahnhof.

Dort gab es seit zwölf Jahren immer wieder Überlegungen, das Gelände aufzuwerten. Denn der Zwickel Richtung Güterbahnhof ist das letzte Areal, um die Innenstadt ohne Klippen oder Brücken organisch zu erweitern.

Ende 2008 ließ die Stadt in Abstimmung mit Grundbesitzer Axel Hoppe-Schumacher einen Teil der Gebäude für einen provisorischen Parkplatz abreißen. 2009 räumte ein Wohnmobil-Händler die letzten Gebäude.

Im Sommer 2012 machten Bagger dann Tabula rasa, rissen Gebäude komplett ab und planierten das Gelände. Investorin und neue Eigentümerin ist die heimische Gruppe ConBau, der architektonische Entwurf für das neue Stadtquartier stammt von Christoph Hesse (Korbach). Der heimische Architekt und Stadtplaner hatte die ersten Skizzen bereits vor zwei Jahren präsentiert, doch für die Umsetzung muss das Baurecht geändert werden.

Der aktuelle Entwurf zum Bebauungsplan (Nr. 38 C/1) macht aus dem bisherigen „Mischgebiet“ ein „Kerngebiet“, das mehr Möglichkeiten für Einzelhandel eröffnet.

Kein „Shopping-Center“

Zugleich waren sich Stadt und Korbacher Kaufmannsgilde „Hanse“ einig, dort kein neues großes Einkaufszentrum in Konkurrenz zur Fußgängerzone entstehen zu lassen.

Denn wiederholt legten auswärtige Büros in den vergangenen Jahren Pläne vor für Shopping-Center mit bis zu 12?000 Quadratmetern Verkaufsfläche. Das entspräche rund zwei Dritteln der gesamten bestehenden Flächen entlang der Fußgängerzone. Zugleich sollen die Flächen optisch aufgewertet werden – möglichst auch der Kuhbach und seine Ufer. Und die Anbindung an die Fußgängerzone soll gelingen. Diese Punkte kamen am Dienstagabend im Bauausschuss abermals auf den Tisch.

Der Korbacher Planer Gunnar Dötter und der in Spanien lebende Architekt Herbert Kuhaupt hatten im baurechtlichen Verfahren nämlich zuletzt Bedenken geäußert. Weniger gegen das konkrete Projekt, sondern vor allem formal. Deren Argument: Mit der ersten Fassung des neuen Bauleitplans wären theoretisch sogar rund 8000 Quadratmeter und mehr an Einzelhandelsfläche möglich.

Dann nämlich, wenn Hesses Projekt doch nicht zum Tragen käme und ein anderer Investor die Fläche voll ausreizen würde. Zudem forderte Dötter, zwingend eine dreigeschossige Bauweise entlang der Straße am Hauptbahnhof vorzuschreiben. SPD-Sprecher Henrik Ludwig und Bernd Richter-Schluckebier (FDP) griffen das Thema bei der Beratung im Bauausschuss wiederholt auf. Ludwigs Devise: „Wie kriegen wir es hin, dass kein eingeschossiger Betonklotz allein als Einzelhandelsfläche“ theoretisch entstehen könnte – auf den Autofahrer von oben hinabschauen? Die Einwände seien berechtigt gewesen, erklärte Bürgermeister Klaus Friedrich.

Der Rathauschef, Stadtplanerin Marie-Louise Häpe und Thorsten Peper (Stadtplanung) verwiesen jedoch auf die konkreten Bauvorhaben – die ohnehin mehrgeschossige Bauweise, gegliederte Fassaden und begrenzten Einzelhandel vorsehen. Um diese Obergrenze auch baurechtlich zu fixieren, ist Einzelhandel nach dem überarbeiteten Entwurf des Bebauungsplans nur auf rund 4500 Quadratmetern im Erdgeschoss möglich.

In der Praxis plant Hesse für rund 3800 Quadratmeter Verkaufsfläche mit Textilgeschäft und Drogeriemarkt als Ankermieter. Die vorgesehenen acht Wohnungen bieten Flächen zwischen 75 und 120 Quadratmetern. Im Bauausschuss präsentierte Hesse den jüngsten architektonischen Entwurf. Der soll möglichst bis September 2013 verwirklicht werden.

Anbindung Fußgängerzone

Über den baurechtlichen Entwurf entscheidet das Parlament am 30. August. Danach wird der Bebauungsplan abermals öffentlich ausgelegt, dann vom Parlament als Satzung beschlossen. Hier entscheidet sich zugleich, wie viele Geschosse für die neuen Gebäude mindestens festgeschrieben werden.

Derweil forderte der stellvertretende Ausschuss-Vorsitzende Ralph Backhaus (SPD) die Stadt auf, alsbald weitere Pläne vorzulegen: Wie soll die Anbindung an die Fußgängerzone künftig gestaltet werden?

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