Rar gewordene Hühnervögel gaben Korbachern ihren historischen Spitznamen

Freiheit für 24 Feldhühnchen

+
Gertmann Sude und Erich Weis mit einem Feldhuhn: Für ihr Wiederansiedlungsprojekt haben sie 24 Tiere in der Nähe des Korbacher Flugplatzes ausgewildert.

Korbach - Ab in die Hecke: Gertmann Sude und Erich Weis haben am Dienstag 24 Feldhühner am Korbacher Flugplatz freigelassen. Damit die Tiere, die den Korbachern ihren Spitznamen gegeben haben, nicht aussterben.

Gertmann Sude zieht an einem Seil und öffnet damit die Klappe der Transportbox. Erst traut sich nur ein Vogel heraus, dann folgen schnell die übrigen. Das Dutzend steuert schnell auf die Hecke zu - und verschwindet im Unterholz. Kurz später entlässt Erich Weis die nächsten zwölf Feldhühner bei seinem Gehöft im Ellerbruch in die Freiheit. „Wenn die Mehrzahl der ausgesetzten Rebhühner den kommenden Winter überstehen und im Frühjahr nächsten Jahres zwei bis vier Gelege von Rebhuhnküken ausgebrütet werden, dann war die Initiative erfolgreich“, sagt Sude.

„Feldhühner gehören einfach in die Korbacher Felder und Wiesen“, sagt der Hotelier Erich Weis. Seit Jahrhunderten tragen die Korbacher den Spitznamen „Feldhühnchen“, mit dem eine besondere Geschichte verwoben ist: Als die Stadt Korbach Streit mit dem Waldecker Grafen hatten, verloren die Bürger 1624 das Recht auf die Feldhühnerjagd. Das Vorrecht auf diese Delikatesse sollte den Adligen vorbehalten sein. Sie ertrugen allerdings den Verlust mit Humor. Demonstrativ stellten sie sich vor die Haustür und stocherten scherzhaft in ihren Zähnen, als hätten sie statt der gerade verspeisten Kartoffel leckere Feldhühnchen gegessen.

An diese Geschichte erinnert heute noch der Feldhühnerchenkump in der Lengefelder Straße. In der Korbacher Flora und Fauna haben die gefiederten Gesellen, die man heute meist als Rebhühner bezeichnet, sich allerdings rar gemacht: „Schon seit Jahren gibt es im Bereich Krähenwäldchen und Backofen keine Rebhühner mehr“, zieht der Pferdezüchter Gertmann Sude aus Dorfitter traurig Bilanz. Als Kind habe er noch komplette Rebhuhn-Gelege in der Gemarkung gefunden. „Während man vor 30 Jahren nahezu täglich bei der Feldarbeit noch zahlreiche Rebhühner beobachten konnte, haben vor allem streunende Katzen, eine Überzahl von Rabenvögeln und jüngst auch der Waschbär die Feldhühnchenbestände dezimiert und den Vogel nahezu ausgerottet“, sagt Sude.

Mit der Wiederansiedlung möchten Weis und Sude einen praktischen Beitrag zu einer vielfältigen heimischen Tierwelt leisten, wie beide erklären. Gekauft haben sie die Vögel bei einer Wildfasanerie in der Nähe von Borken. Die beiden sogenannten „Herbstketten“ bestehen jeweils aus Hahn und Henne und zehn Jungtieren. „Die Jungtiere sind 13 Wochen alt, da werden sie nicht mehr von Raben und Elstern gejagt“, erklärt Sude.

In den zahlreichen Hecken und Feldgehölzen und dem hohen Bewuchs der Ackerraine in der Nähe des Flugplatzes finden die Feldhühner Nahrung und Schutz vor natürlichen Feinden. „Es gibt keine Garantie, dass es klappt, aber ich bin ganz optimistisch. Die Chancen sind gut, dass die Tiere überleben können“, sagt Sude.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare