Historische Stätte: Korbacher Schnadezug passiert den Brünneckenberg

Auf zum Freiheitsmarsch

+
Mitglieder der Pioniere und der Burschen mit Schützenkönig Karsten Balk (hinten r.) an der Dalwigker Warte bereiten den Schnadezug vor.

Korbach - Beim Schnadezug am 28. September passieren die Korbacher diesmal den Brünneckenberg - von hier aus marschierten die Korbacher 1377 zum Rathaus, um die Vereinigung von Alt- und Neustadt zu erzwingen.

Ein Gedenkstein erinnert dort an den Freiheitsmarsch der wehrhaften Korbacher Bürger, die mit dem Sturz der Geschlechterherrschaft die Vereinigung von Alt- und Neustadt erzwangen. Auf dem Brünneckenberg hatten sie sich heimlich versammelt und ihren Plan beschlossen. Bewaffnet und mit grünen Zweigen verziert marschierten sie zum Rathaus.

Rathaus auf der Grenze

Stadtschreiber Philipp Knipschildt berichtet in seiner Chronik von 1623: „Weil dan die Burger-Meistere erschrocken, und sich beforchtet, es möge eine Schlegerey gebehren, und sie darüber in Schaden und Unglück gerahten; haben sie zur Antwort geben: wenn es nützlich und zu thuen wäre, wolten sie ihnen willfahren; nur solten sie ihr Gewehr ablegen.“

Altstadt und Neustadt wurden schließlich miteinander vereinigt. Auf der Grenze zwischen beiden Städten entstand das gemeinsame Rathaus, das sich noch heute dort befindet. Auf dieses historische Datum berufen sich heute aber auch die Mitglieder der Schützengilde, denn die Verteidigung der neuen Stadt lag in den Händen der Bürger, also der Gilde(n).

Sie organisierten sich, stellten Regeln auf, bildeten aus und sorgten dafür, dass „Corbach“ nicht Padbergern oder gar Hessen in die Hände fiel. Eine lange Tradition hat aber auch der Schnadezug selbst. Der Marsch rund um Korbachs Grenzen ist bereits seit 1665 nachgewiesen und fand zuletzt 2011 statt. Die beiden Weltkriege unterbrachen die Tradition. Erst 1949 rief Wilhelm Hellwig die Tradition der Schnadezüge wieder ins Leben.

Der Schnadezug führt diesmal von den Danseplätzen in der Marke (Richtung Strothe/Waroldern) über den „Melm“ an die „Dalwigker Warte“. Das sind etwa 15 Kilometer. Der Mittagsplatz ist am Redhof in Strothe. Bei schlechtem Wetter findet der Abschluss in der Fahrenbach’schen Scheune unweit der Dalwigker Warte statt.

Los geht es am Sonntag, 28. September, um 8 Uhr am Marktplatz. Nach dem Anblasen geht es mit Bussen zum Endpunkt des Jahres 2011, den Danseplätzen. Wagen für weniger mobile Korbacher und Gäste werden gestellt. Alle Korbacher und Interessierten sind herzlich eingeladen, am Schnadezug teilzunehmen. Die Pioniere und die Burschen, zwei Formationen der Gilde, haben das Stutzen schon vorbereitet und die Verpflegung während des langen Marsches sichergestellt. An vielen Punkten besteht die Möglichkeit, dank des engagierten Stutzkommandos die Grenze hautnah kennenzulernen, begleitet von den Worten „Der Stein, die Grenze, in Ewigkeit“. Hunderte Schnademünzen warten zudem auf ihre neuen Besitzer.

An den einzelnen Grenzpunkten treffen die Korbacher auf Abordnungen der benachbarten Orte. Statt zertrümmerter Grenzsteine und Pöbeleien entlang der Grenze, wie dies im 18. Jahrhundert mehrmals überliefert ist, stehen heute Freundschaft und Geselligkeit im Mittelpunkt. Drei engagierte Korbacher, deren Namen demnächst bekannt gegeben werden, spenden in diesem Jahr jeweils einen neuen Schnadestein.

Weitere Informationen zum Schnadezug gibt es im Internet auf schützengilde-korbach.de

Von Lutz Benseler

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare