Nach Schlägerei im Korbacher Stadtpark:

Freiheitsstrafe zur Bewährung ausgesetzt

Korbach/Kassel - „Das ist meine letzte Chance, mein zweiter Geburtstag. Ab heute beginnt für mich ein neues Leben“, kündigte der 22-jährige Angeklagte noch vor dem Urteil an, das für ihn dann wie erhofft ausfiel.

Die einjährige Freiheitsstrafe wegen gefährlicher Körperverletzung, zu der ihn das Korbacher Amtsgericht im September 2014 verurteilt hatte, wird auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Mit Bedenken der Strafkammer und Bauchschmerzen der Staatsanwältin, aber eben am Ende doch zu Gunsten des Beklagten endete am Mittwoch die Berufungsverhandlung vor dem Kasseler Landgericht.

Zweieinhalb Stunden wurde die Frage erörtert, ob und inwieweit den Lippenbekenntnissen, die der junge Mann bei der Verhandlung in Korbach abgelegt hatte, Taten gefolgt sind. Wie gewalttätig er unter Alkoholeinfluss sein kann, stellte der in Kasachstan geborene und seit seinem vierten Lebensjahr in Deutschland aufgewachsene Mann in der Vergangenheit mehr als einmal unter Beweis. Mehrfach einschlägig vorbestraft und deshalb bereits unter Bewährung stehend, attackierte er Anfang März 2014, nach 22 Uhr, einen 17-Jährigen im Korbacher Stadtpark. Bei dem Angriff schlug er den Jugendlichen zunächst mit der Faust ins Gesicht und versetzte dann seinem am Boden liegenden Opfer einen heftigen Tritt gegen den Kopf. Dadurch erlitt der 17-Jährige schwere Verletzungen: zweifacher Kieferbruch, Prellungen an Nasenbein, Gesicht und Hals. Er wurde in der Marburger Uni-Klinik operiert und vier Tage lang stationär behandelt. Drei Monate konnte er nur flüssige Nahrung durch einen Strohhalm zu sich nehmen. Bis heute wird der Kiefer mit Metallschrauben zusammengehalten. Auch in der Berufungsverhandlung entschuldigte sich der Angeklagte bei seinem Opfer.

Als finanzielle Wiedergutmachung für die erlittenen Schmerzen hat er dem 17-Jährigen im Zuge eines sogenannten „Monte-Carlo-Vergleichs“ knapp 8000 Euro gezahlt. Vom Vorsitzenden Richter gefragt, bezifferte der Angeklagte seine weiteren Verbindlichkeiten, die aus unbezahlten Handyverträgen oder früheren Strafbefehlen resultierten, auf insgesamt 10000 Euro. Mit Hilfe seines Vaters habe er damit beginnen können, die Schulden kontinuierlich abzutragen. Außerdem habe er seine Ankündigung in die Tat umgesetzt, den Realschulabschluss in einer Abendschule nachzuholen, berichtete der inzwischen nach Kassel umgezogene 22-Jährige. Seinen Lebensunterhalt bestreite er mit Bafög-Unterstützung und dem Lohn eines Aushilfsjobs. Weil sich sein Verhältnis zu seinen Eltern verbessert und er seit Sommer vergangenen Jahres eine Freundin habe, fiele es ihm leichter, Rat und Hilfe anderer zu akzeptieren.

Eine positive Sozialprognose stellte auch die Vertreterin der Bewährungshilfe. Ihrer Auffassung nach würde eine Bewährungsstrafe dazu führen, dass der Angeklagte seinen Weg in die Selbstständigkeit zielführend weiter verfolgen könne. Er sei bereit, sich den Konsequenzen seiner Straftaten zu stellen. „Er ist auf einem guten Weg, auf dem er bleiben muss“, so die Bewährungshelferin wörtlich. Sie sprach sich ebenso wie die Staatsanwältin dafür aus, als Bewährungsauflage die Teilnahme an einer ambulanten Suchttherapie zur Bedingung zu machen. Dazu erklärte sich der Angeklagte bereit.

Sein Mandant bemühe sich redlich, sich eine Perspektive aufzubauen, führte der Verteidiger in seinem Plädoyer aus. Die Folgen einer Ablehnung seines Berufungsantrags, Urteil und Strafe zu akzeptieren, aber eben diese zur Bewährung auszusetzen, seien mit dem Resozialisierungsgedanken des Strafrechts nicht vereinbar.

In seiner Urteilsbegründung konstatierte der Vorsitzende Richter, der Angeklagte zeige das Bemühen, sein Leben in den Griff zu bekommen. Allerdings weise sein Alkohol-Konsumverhalten noch Ungereimtheiten auf. Deshalb sei die Auflage zwingend, an einer entsprechenden Therapie teilzunehmen. Verstoße der Angeklagte dagegen oder gerate in den nächsten drei Jahren mit dem Gesetz in Konflikt, führe am Antritt der Strafe kein Weg mehr vorbei (tk)

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