Turbulente Abenteuer auf hoher See

Freilichtbühne Korbach: „Seeräuber-Moses“ feiert gelungene Premiere

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Bei den Seeräubern geht’s rund: Mit Moses (Leona Göge) und dem Dohlenhannes (Johann Nagel, Foto links) erleben die Piraten (Christiane Schild, Wolfgang Scheurer und Kaspar Bechthold, Foto rechts) turbulente Zeiten. 

Korbach – Es war eine bunte Truppe, die das Familienstück der Freilichtbühne mit zwei Piratenschiffen auf die Bühne brachte. Es heißt „Seeräuber-Moses“ und erhielt viel Beifall bei der Premiere am Mittwoch.

Die Piraten sind nur rein äußerlich raue Gesellen, tief im Herzen sind sie gutmütig. Mitten in einem heftigen Sturm entdeckt die Piratenmannschaft der „Wüsten Walli“ um Käpt’n Klaas eine Waschwanne, die auf den Wellen schaukelt. Sie ziehen sie an Bord und finden darin unter anderem ein Baby, das einige zunächst wieder weggeben wollen. Sie behalten es und nennen es Moses nach der biblischen Geschichte, die ihnen Bruder Marten, der mit an Bord ist, erst erklären muss.

Als die Piraten entdecken, dass das Kind ein Mädchen ist, ist das Geschrei zunächst groß, denn Frauen bringen angeblich Unglück auf Seeräuberschiffen. Aber sie beruhigen sich schnell wieder. Das Kind wächst heran zu einem prächtigen und klugen Seeräuberkind.

Bei einem Landausflug wird Moses von Kapitän Olle Holzbein, dem schlimmsten Feind von Käpt’n Klaas, entführt, um seinen Gegenspieler zu erpressen. Moses lernt auf dem Schiff „Süße Suse“ den Schiffsjungen „Dohlenhannes“ samt Dohle kennen. Sie freunden sich an, und es gelingt beiden zu fliehen. Sie finden den lange vermissten „blutroten Blutrubin des Verderbens“. Es gibt jede Menge Turbulenzen und Verwirrungen zu bewältigen und jede Menge Geschichten aus der Vergangenheit zu berichten und Geheimnisse zu lüften.

Der Zuschauer muss schon konzentriert sein, um den Überblick nicht zu verlieren. Die Vergangenheit wird aufwendig auseinandergefaltet und entwirrt. Jeder hat mit jedem irgendwie eine versteckte Geschichte. Am Ende wird natürlich alles gut: Beide verfeindete Seeräubercrews versöhnen sich und der König lädt zur großen Party.

Die beiden großen, hölzernen Schiffe sind auf der Bühne im Schießhagen echte Hingucker, wobei es eins gar nicht erst auf die Bühne schaffte, sondern schon auf dem Weg dorthin „strandete“. Wegen eines technischen Defektes musste es erst einmal unbenutzt bleiben, aber das Ensemble improvisierte mutig und souverän und verlegte die Szenen vom Schiff auf die Bühne.

Wegen akuten Männermangels im Ensemble werden einige Männerrollen von Frauen gespielt – beispielsweise beide Kapitäne der Seeräubermannschaften. Aber das stört nicht.

Der „Moses“ ist Leona Göge, die ihn spielt, als sei es ihr auf den Leib geschrieben: frech, fröhlich, spontan. Mehr Kopfeinsatz als der Rest der Räubercrew kennzeichnen ihre Rolle. Johann Nagel als Schiffsjunge „Dohlenhannes“ startet brav und steigert sich von Minute zu Minute, spielt einen überzeugenden und verlässlichen Freund sympathisch bis zum Schluss. 

Die Nebenrolle von Lena Grebe als Ziege „Euter Claas“ war schnell der Liebling des Publikums. Sie spricht keinen einzigen Satz, aber macht gelegentlich „Mäh“, sehr echt und niedlich. Dafür erhielt sie die meisten Lacher. Laut und rustikal ist „Haken Fiete“ alias Lucas Göge; „Bruder Marten“ (Thomas Melzer) kommt dagegen ruhig und souverän rüber und bringt gelegentlich etwas religiöses Gedankengut in die wilde Truppe.

Der Zuschauerraum war leider nur zu etwas mehr als die Hälfte besetzt. Am Ende gab es ein kleines Feuerwerk und begeisternden Applaus seitens des Publikums.

(Von Hans Peter Osterhold)

Fotos: Korbacher Freilichtbühne zeigt "Seeräubermoses"

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