Korbacherin wegen Betrugs vor Gericht angeklagt

Freispruch in 17 Fällen, Verurteilung für zwei Straftaten

Korbach - Vom Vorwurf der gewerbsmäßigen Untreue sprach ein Schöffengericht am Donnerstag eine ehemalige Mitarbeiterin eines Korbacher Baustoffhandels in 17 Fällen frei – in zweien sah es die Schuld der Korbacherin als erwiesen an und verhängte eine Geldstrafe von 2750 Euro.

Die Staatsanwaltschaft hatte wie die Verteidigung auf Freispruch plädiert: Die Abläufe in der Firma würden es unmöglich machen, alle Zweifel an der Schuld der 36-Jährigen auszuräumen.

Fest steht, dass in dem Betrieb bei Barverkaufs-Retouren betrogen wurde. Dabei tauschen Kunden überschüssige Baustoffe gegen Bargeld ein. Bis zu den Vorfällen 2011 und 2012 war es Usus, dass Kunden ins Büro kamen, sich das Geld geben ließen und die Ware dann ins Lager zurückbringen sollten – ob sie dort ankam, wurde nicht geprüft. Auch Belege wurden nicht sorgfältig geführt.

So war es möglich, Geld für nie zurückgegebene Waren zu zahlen. Vom Computer der Angeklagten wurden die meisten Betrugsfälle bearbeitet. Sie gab an, dass im Büro ein freier Umgang mit Arbeitsplätzen und Passwörtern geherrscht hätte und jeder ihren Rechner für Betrug hätte nutzen können. Die meisten ehemaligen Kollegen widersprachen ihr – was ihr Verteidiger mit der Anwesenheit ihres ehemaligen Chefs erklärte: „Wer gibt denn Arbeitsrechtverstöße zu, wenn sein Arbeitgeber im Raum ist?“ Die Firma hatte einen sicheren Umgang mit Daten schon Jahre zuvor angemahnt. Bei zwei Fällen lagen der Betrug und die von der Angeklagten am selben PC erstellte Kassenprüfung zeitlich so nah beieinander, dass ein anderer Täter für das Gericht nicht in Frage kam.

Dabei ging es um knapp 340 Euro, in der Anklageschrift war noch von 4700 Euro die Rede. Der Schaden durch den Betrug könnte weitaus höher sein: Knapp 6000 Euro Inventurdifferenz sind laut Firma normal, in den Jahren der Vorfälle lag der Unterschied von Soll und Haben bei 18000 und 19000 Euro. Ungereimtheiten gab es noch, nachdem die Angeklagte die Firma verlassen hatte, unerklärliche Ausgaben ihrerseits sind nicht bekannt. (wf)

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