Erstes Gelöbnis in Vöhl nach Ende der Wehrpflicht ·Konzert mit Heeresmusikkorps

Freiwillig für Wehrdienst entschieden

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Mit Schneegestöber: Rund 250 Rekruten aus drei Kompanien nehmen auf dem Sportplatz Aufstellung.

Vöhl - „Stillgestanden!“, hallte es gestern den rund 250 Rekruten auf dem Vöhler Sportplatz entgegen. Mit ihrem feierlichen Gelöbnis wurden sie vereidigt, dem Staat zu dienen und die Freiheit des Volkes zu verteidigen.

Nicht nur für die mehreren Hundert Zuschauer am Rande des Sportplatzes - Angehörige, Ehrengäste und auch viele Vöhler - war es gestern ein frostiges Vergnügen: Während die Rekruten der Standorte Rotenburg a. d. Fulda, Schwarzenborn und Frankenberg zu einem exakt vorgegebenen Ablauf, einmarschierten, rieselte leise der erste Schnee dieses Winters auf die Barette und Schulterlitzen. Die Ehrenformation stieß anschließend dazu, bestehend aus dem Heeresmusikkorps 2 aus Kassel, den Truppenfahnen und dem Fahnenzug der 3. Kompanie des Frankenberger Bataillons.

Zum fünften Mal war die Gemeinde Vöhl Gastgeber eines öffentlichen Gelöbnisses. Zuletzt wurden 2009 junge Soldaten auf dem Sportplatz vereidigt. Seitdem hat es in der Bundeswehr gravierende Veränderungen gegeben: Die Wehrpflicht wurde ausgesetzt. Oberstleutnant Elmar Henschen, Kommandeur des Bataillons Elektronische Kampfführung 932, sprach in seiner Gelöbnisrede von einer „Zäsur für die Bundeswehr und die Wehrgeschichte der Bundesrepublik“.

Die letzten Wehrpflichtigen wurden im Januar 2011 einberufen. „Seitdem kommt nur noch zur Bundeswehr, wer dies aus freiem Antrieb möchte“, so Henschen. „Sie wollen aus eigenem Antrieb verteidigen, wofür schon viele Menschen gekämpft und nicht wenige mit ihrem Leben bezahlen mussten: Mitmenschlichkeit und Anstand, Freiheit und Rechtsstaatlichkeit, eine offene und menschenwürdige Gesellschaft“, sagte der Oberstleutnant zu den Rekruten.

Die jungen Soldaten hätten sich aus bürgerlichem Gemeinsinn und aus dem Geist der Freiwilligkeit heraus für den Wehrdienst entschieden, sagte auch Vöhls Bürgermeister Harald Plünnecke: „Das sollte uns alle mit Stolz erfüllen.“ Statt eines prominenten Politikers sprach deshalb in diesem Jahr auch ein Rekrut zu den Gästen. Schütze Philipp Schildmacher berichtete humorvoll von den Erfahrungen, die er in den ersten Wochen bei der Bundeswehr gesammelt hatte - von auf DIN A4 gefalteten Hemden, der ersten Gefechtsübung, dem erstem Biwak und dem Gemeinschaftsgefühl.

Mit den Händen an der Fahne und nach den Klängen des „Niederländischen Dankgebets“ sprachen schließlich je sechs Rekruten aus dem Kompanien die Worte: „Ich gelobe, der Bundesrepublik treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen.“

Nach der gut einstündigen Zeremonie konnten endlich die Angehörigen die Soldaten in die Arme schließen. Manche von ihnen waren viele Hundert Kilometer nach Vöhl angereist, etwa aus Bredstedt in Nordfriesland (520 Kilometer), Greifswald (700 Kilometer) und sogar Linz in Österreich (721 Kilometer).

Bereits vor der Gelöbnisfeier hatte das Heeresmusikkorps aus Kassel ein Platzkonzert gegeben. Im Anschluss fand ein „sicherheitspolitischer“ Empfang in der Henkelhalle statt.

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