Christkindchenwiegen mit großem Zuspruch auf Kiliansturm und in den Straßen

Aus Freude an Weihnachten

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Korbach - Ganz Korbach schläft am Morgen des 1. Weihnachtstages. Ganz Korbach? Nicht ganz. Denn im Rathaus findet ab 7.30 Uhr eine der frühesten Weihnachtsfeiern statt. Ein Blick hinter Lampenschein und Gesangseinlagen.

Schon lange passen nicht mehr alle Sangesbrüder beim Christkindchenwiegen auf eine Seite des Kilians-Umgangs in luftiger Höhe. Doch an diesem Morgen platzt das alte Gemäuer fast aus allen Nähten: 76 Weihnachtsfreunde und solche, die es im Laufe des Tages noch werden wollen, drängen sich am Glockenturm und besingen den herrlich strahlenden „Morgernstern“. Alle vier Windrichtungen beschallen die Männer und ernten trotz der Frühe Applaus aus der Tiefe.

Bereits am Heiligen Abend haben sie den „Tag, den Gott gemacht“, besungen – und dabei einigen hundert Ohren entlang der Stechbahn Freude bereitet. Nach dem abendlichen Auftritt, den sie im Turmzimmer mit Dirigent Stephan Rückert geprobt haben, eilen viele wieder nach Hause zur Familie.

Mehr Ruhe und Gelassenheit bringen die Weihnachtsfreunde am Dienstag mit. Etwa eine halbe Stunde nach ihrem Gesang treffen sie sich im „Sozialraum“ des Rathauses und begehen ihre Weihnachtsfeier. Alle Fäden laufen bei Hermann Küthe zusammen. Neben gemeinsamen Liedvorträgen, die mit dem Waldecker Lied ihren Höhepunkt finden, sind es die Darbietungen einzelner Weihnachtsfreunde, die für die festliche Stimmung sorgen. Werner Götte und der „PTC“ steuern Gesangseinlagen bei, Jörn Vesper begeistert mit der „Made“, Dirk Wilke und Harald Rösler haben Weihnachtsgeschichten mitgebracht. Auch Bürgermeister Klaus Friedrich, den Küthe augenzwinkernd „nach zwölf Jahren Abstinenz in unseren Räumen“ willkommen heißt, hat ein Gedicht vorbereitet.

Küthe begrüßt vor allem die älteren Weihnachtsfreunde. „Ihre Gängigkeit habe ich überprüft“, kommentiert er mit Blick auf die zuvor abgearbeiteten 264 Stufen der Wendeltreppe. Zudem vermeldet er mit einem verschmitzten Lächeln: „Der alte Zauber der Weihnacht von 1543 wirkt immer noch nach: Auch in diesem Jahr hatten wir keine Todesfälle durch Pest zu vermelden. Wir sind damit erfolgreicher als die Pharma-Industrie.“ Erfolgreich sind außerdem Philip Keudel und Moritz Schädel, die „Ihr Kinderlein kommet“ leise, aber unfallfrei zu Gehör bringen.Auf den Kassenbericht (1,98 Euro für Lametta, 49,65 Euro für Getränke, 0 Euro für den gespendeten Weihnachtsbaum) folgt die Spendensammlung, die entgegen vieler Einwände nicht dem Wiederaufbau des Hallenbades zufließen soll. Fast 336 Euro gehen stattdessen an die Kinderkrebshilfe und „Onkel Bietz“.

Von Dennis Schmidt

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