Zum Abitur besucht Emma aus Wisconsin Fenja in Goldhausen

Freundin am anderen Ende der Welt

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Korbach-Goldhausen - Im Alltag liegen rund 7000 Kilometer zwischen ihnen, trotzdem pflegen sie seit fünf Jahren ihre Freundschaft: Pünktlich zur Abifeier besucht Emma Olson aus den USA ihre Freundin Fenja Butterweck in Goldhausen - ein heiteres Wiedersehen.

Bei Butterwecks im Garten wehen seit Mittwoch gleich zwei Flaggen - die amerikanische und die hessische. Schließlich soll sich Emma hier wie zu Hause fühlen. Seit Mittwoch ist die 19-jährige US-Amerikanerin in Goldhausen zu Gast. Und längst gehört sie dazu. „Sie ist meine second daughter, meine zweite Tochter“, sagt Karl-Wilhelm Butterweck lachend. Emma gehört zur Familie, das wird jedem Besucher schnell klar.

Davon ahnte Fenja Butterweck allerdings nichts, als sie vor fünf Jahren einen ersten Brief in unsicherem Englisch nach Wisconsin schickte. „Damals hatten uns unsere Lehrer dazu aufgerufen, Kontakt zu einer Schule in den USA aufzunehmen“, erzählt die 18-jährige Goldhäuserin. Sie wurde dem unbekannten Mädchen im US-Staat an der kanadischen Grenze zugeteilt. „Ein Jahr später reisten wir mit der Schule zum ersten Mal in die USA“, erzählt Fenja. Im Gepäck nicht nur eine Portion Aufregung und Abenteuerlust, sondern auch ein paar gängige Klischees. „Wir dachten, dort ist alles ganz anders als bei uns“, sagt Fenja. Und manches sollte sich bestätigen: Autos, Straßen und Land sind größer, das Essen anders und die Schule weniger streng.

„Aber Emma und ich sind gleich“, sagt Fenja strahlend, „wir könnten uns niemals auf den Nerv gehen.“ Und das wussten die beiden Mädchen damals auf den ersten Blick. Der erste Abschied fiel schwer, doch schon ein Jahr später kamen die Amerikaner nach Korbach.

„Ich wusste eigentlich gar nichts von Deutschland“, sagt Emma Olson. Sie kannte Angela Merkel und mochte sie und sie lernte das deutsche Essen lieben. „Hier gibt es bei McDonalds sogar einen Veggie-Burger“, sagt die Vegetarierin lachend, „den gibt es in den USA nicht.“ Und am Donnerstag hat sie zum ersten Mal süßen Milchreis gegessen. Viel haben die beiden jungen Frauen voneinander gelernt, mindestens einmal in der Woche skypen sie miteinander oder schicken sich Mails. Vor zwei Jahren machte sich Fenja dann privat auf den Weg nach Wisconsin - „denn inzwischen gehöre ich dort auch schon zur Familie“, sagt sie lachend.

Pünktlich zum Abitur ihrer deutschen Freundin hat sich Emma Olson nun ins Flugzeug nach Deutschland gesetzt. „Bei der Begrüßung haben wir uns erst mal richtig umarmt“, sagt Petra Butterweck, „wir haben uns alle so gefreut.“ Emma und Fenja sprechen Englisch miteinander und manchmal versucht sich Emma an ein paar deutschen Worten. „Aber sie versteht sie besser, als sie spricht“, erklärt Fenja. Also unterhalten sich ihre Eltern Petra und Karl-Wilhelm Butterweck, wenn ihnen die Worte fehlen, mit Händen und Füßen. „Frustrierend ist das nie“, sagt er, „nur sehr lustig.“

Inzwischen studiert Emma Zoologie und Fenja will im Oktober ihr Studium aufnehmen. Ihre Freundschaft aber wollen beide pflegen. Wo sie sich in zehn Jahren sehen? „We’re still friends“, sagt Emma und Fenja bestätigt. „Ja, wir sind immer noch Freunde und unsere Kinder ja vielleicht auch.“

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