„Bridge Walkers“ in Korbach und Willingen · Begeisternder Tournee-Auftakt

Freundschaft seit 20 Jahren - Bildergalerie

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Ein berührender Moment: Die Mitglieder des Partnerschaftsausschusses überreichten den „Bridge Walkers“ zum 20-jährigen Bestehen der Freundschaft Ketten mit einem Kreuz und stimmten gemeinsam mit ihnen ein afrikanisches Lied an.

Korbach/Willingen - Neun Stunden im Flieger, dreieinhalb Stunden im Zug, eine knappe Stunde Autofahrt und abends, nach einer kurzen Verschnaufpause, das erste Konzert in der Korbacher Kilianskirche - mitreißend und bewegend.

Die „Bridge Walkers“ sind wieder im Lande. Deutschland begrüßt sie mit grauen Wolken und Regen. Sie finden’s toll. Denn ihr Heimatland leidet seit Wochen unter verheerender Dürre und die Menschen in Namibia hoffen, dass der Himmel endlich seine Schleusen öffnet.

Vielfältiges Programm

Der Chor, der bereits zum siebten Mal im Kirchenkreis des Eisenbergs zu Gast ist, hat ein komplett neues Programm zusammengestellt mit traditionellen und geistlichen Liedern, mit Musik, die gute Laune macht, und einem Mini-Musical, in dem die Akteure humorvoll und beschwingt eine Liebesgeschichte von einem Damara-Mann und einer Nama-Frau in Szene setzen.

Tournee-Auftakt

Dienstagabend in der Kilianskirche. Pfarrer Oliver Okun heißt die 15 Sängerinnen und Sänger zum Auftakt-Konzert ihrer knapp vierwöchigen Deutschland-Tournee in der Kreisstadt willkommen. Die Gründer und Leiter des Chors, Johannes Frederick und Jeremiah Doeseb, führen durch das Programm, das durch seine musikalische Qualität und inhaltliche Vielfältigkeit begeistert und neben dem musikalischen Vergnügen auch optischen Genuss bietet.

Die jungen Leute aus dem südwestlichen Afrika haben die Strapazen des langen Fluges weggesteckt. Von Müdigkeit keine Spur. Sie singen, tanzen, trommeln und erobern auch diesmal wieder im Nu die Herzen der vielen Zuhörer. Es ist wie immer eine Freude, sie zu hören, zu sehen, zu erleben. Die Besucher sind von der Musik, dem Temperament und den kraftvollen Stimmen fasziniert. Sie lassen sich anrühren von andächtig vorgetragenen Gospels. Sie genießen das farbenprächtige Bild, das sich ihnen im Chorraum der altehrwürdigen Kilianskirche bietet.

Großartige Arbeit

Die Freundschaft mit den „Bridge Walkers“ besteht seit 20 Jahren (siehe nebenstehenden Kasten) - Anlass genug für Birgit Siuts (Korbach), die gemeinsam mit Pfarrer Christian Röhling (Willingen) den Partnerschaftsausschuss leitet, sich zu bedanken: bei Jeremiah und Johannes, die unermüdlich großartige Arbeit mit den jungen Leuten leisten; bei den Sängerinnen und Sängern, die sich mit großem Enthusiasmus auf ihre Deutschland-Reise vorbereitet haben; bei allen, die die Partnerschafts-Idee mittragen und unterstützen.

Zeichen der Verbundenheit

Die Mitglieder des Partnerschaftsausschusses überreichen den Gästen aus Namibia zur Feier des Tages Ketten mit kleinen Kreuzen in den Farben des Regenbogens als Erinnerung und Zeichen tiefer Verbundenheit. Es ist ein bewegender Moment, als alle gemeinsam ein afrikanisches Lied anstimmen.

Nach einem Auftritt in der Uplandschule und einem Konzert gestern Abend in der Willinger Kirche freuen sich die „Bridge Walkers“ heute auf einen erholsamen Tag gemeinsam mit ihren waldeckischen Freunden. Morgen treten sie die Weiterreise an. Ihre Tour führt sie zunächst in den Nordwesten der Republik und endet im Oktober in Heidelberg und Mannheim.

Freundschaft seit 20 Jahren

Rund 8300 Kilometer liegen zwischen Windhoek und Korbach. Es ist ein weiter Weg zu den Freunden. Doch trotz der großen Entfernung sind sich die „Bridge Walkers“ und viele Menschen im Kirchenkreis des Eisenbergs ganz nahe. Sie kennen sich seit Jahren, begegnen sich bei gelegentlichen Besuchen, stehen per Mail in Kontakt, chatten im Internet miteinander und fühlen sich über alle Grenzen hinweg eng verbunden.

Es ist eine besondere Freundschaft, und sie hält nun schon seit zwei Jahrzehnten. Zu den beständigen Pfeilern gehören auf afrikanischer Seite Johannes Frederick und Jeremiah Doeseb, die den Chor seinerzeit als „Windhoek Circuit Youth“ gegründet haben und ihn noch immer mit großem Engagement leiten, und in Deutschland Birgit und Dr. Siebo Siuts aus Korbach sowie die frühere Willinger Pfarrerin Nicola Haupt. Die drei zeichneten im September 1993 für die Organisation des ersten Besuchs des Chors verantwortlich und setzen in der Partnerschaftsarbeit noch immer maßgebliche Akzente.

Vor 20 Jahren fanden Konzerte in Adorf, Korbach und Willingen statt. Die jungen Leute aus Namibia nahmen an Jugendgottesdiensten teil und gaben ein Open-Air-Konzert in der Alten Landesschule. Im August 1994 erfolgte der Gegenbesuch: Jugendliche aus Korbach, dem Upland und dem Raum Wetzlar starteten zu ihrer „Dream-Tour“ nach Namibia. Sie nannten sich „Bridge Walkers“. Der Name war Programm und wurde vom namibischen Chor begeistert aufgenommen.

Die jungen Deutschen ließen T-Shirts mit dem Logo ihres Projektchors bedrucken – einem Regenbogen, der Namibia und Deutschland wie eine Brücke verbindet. Und sie schafften sich Röcke und Hosen in den Regenbogenfarben an. „Ich habe das Outfit heute noch; die anderen bestimmt auch“, ist Pfarrerin Nicola Haupt überzeugt. Ernst //Gamxamûb, der damals in Korbach als Pfarrer tätig war und kürzlich zum neuen Bischof der evangelisch-lutherischen Kirche in der Republik Namibia gewählt wurde, übersetzte dem Chor einige Liedtexte in Afrikaans.

Dazu gehörte auch „Herr, gib mir Mut zum Brückenbauen“. Die Brücke der Freundschaft führt Menschen unterschiedlicher Hautfarbe, Kulturen und Sprachen zusammen. Sie hat solide Fundamente. Zu den verlässlichen Grundsteinen zählen der gemeinsame Glaube sowie Herzlichkeit, Vertrauen und Offenheit im Umgang miteinander. Das Wiedersehen mit den „Bridge Walkers“ legt ein beredtes Zeugnis ab von der Tragfähigkeit dieser Brücke, die bei jeder Begegnung mit zusätzlichen Pfeilern weiter stabilisiert wird. (bk)

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