Als Mitarbeiter der Weltbank reist er rund um den Globus

Friedemann Roy aus Korbach ist weltweit für die Weltbank unterwegs

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Friedemann Roy vor Bank-Schließfächern: Ein Symbolbild, denn Münzen und Scheine nimmt der Weltbank-Mitarbeiter nicht in die Hand.

Korbach. Ein Hauch von Freiheit und Abenteuer umweht Dr. Friedemann Roy. „Ich wollte in die weite Welt hinaus“, sagt er schmunzelnd. Das ist ihm gelungen. Der gebürtige Korbacher wohnt jetzt in Washington. Er denkt und spricht Englisch. Bei seinen zum Teil dramatischen Reisen um den Globus setzt er Geld zur Entwicklungshilfe ein.

Als Mitarbeiter der Weltbank nimmt der promovierte Wissenschaftler zwar keine Münzen und Scheine in die Hand. Aber Dr. Friedemann Roy ist an der Vermittlung von Krediten und Investitionen für Staaten und Banken in Millionenhöhe beteiligt – weltweit. Immer mit dem Ziel: Armut bekämpfen, Menschen in Entwicklungsländern die Chance auf ein besseres Leben zu geben. 

Wer sich mit dem sympathischen ALS-Abiturienten von 1990 verabreden will, muss lange planen. Es sind nur noch zwei Termine im Jahr, an denen Dr. Roy (48) regelmäßig ins Waldeckische kommt: Weihnachten und Muttertag. Im Rest des Jahres jettet der Banker durch die Weltgeschichte: Naher Osten, Afrika, Asien, Osteuropa ...

Tipps für die Wüstenbewohner: Dr. Friedemann Roy aus Korbach berät Mitarbeiter im Wohnungsbau-Ministerium von Saudi Arabien.

Es gibt da dieses Foto, das viel erzählt über das Leben des Dr. Friedemann Roy. „Freddy“, wie ihn sein Englischlehrer Friedrich Grundmann getauft hat, sitzt vor einem Laptop und tippt. Links und rechts schauen ihm drei Wüstenbewohner über die Schultern. Sie tragen typische weiße Gewänder, knöchel- und armlang. Schwarze Stricke halten rot-weiß karierte Tücher auf den Köpfen. „Leitende Mitarbeiter im Wohnungsbau-Ministerium von Saudi Arabien“, erklärt Dr. Roy. „Ich habe sie bei Reformen zur Wohnungsförderung beraten. Zum Zeitpunkt des Fotos erklärte ich den Herren Kalkulationen und Rechnungsmodelle in Excel.“ 

Warum macht er das? Die Neugier treibe ihn an, so sagt er und lächelt verschmitzt. „21 Jahre habe ich auf dem Land gelebt.“ Nach Abitur, Bundeswehr und Banklehre „war es dann Zeit, raus zu kommen und auf Reisen zu gehen“. In die Fußstapfen seines Vaters, des Korbacher Neurologen Dr. Peter Roy, war sein älterer Bruder als Arzt getreten. „Ich konnte kein Blut sehen und interessierte mich mehr für Fragen der Geldwirtschaft .“

Roy spricht vier Fremdsprachen fließend

Kaum zu glauben, dass dieser junge Mann über so ein sperriges Thema wie „Niederlassungsrecht und Kapitalverkehrsfreiheit in Mittel- und Osteuropa“ seine Doktorarbeit verfasst hat. Mit seiner silbernen Drahtgestell-Brille, dem rot-weiß karierten Hemd und dem blauen Pulli ist er als weit gereister Top-Banker nicht zu erkennen. Friedemann Roy wirkt angenehm „normal“. Doch wenn er erzählt, staunt der Zuhörer: Vier Fremdsprachen fließend: Englisch, Französisch, Spanisch und Italienisch. Außerdem Grundkenntnisse in Polnisch, Russisch, Persisch und Portugiesisch. 

Der 1970 geborene Waldecker verfügt über ein „globales Netzwerk von Kontakten zu Regierungsvertretern, Finanzinstitutionen, Geldgebern und Bildungseinrichtungen“. Er verantwortet bei der Weltbank Beratungsmandate in Millionenhöhe. So steht es in seinem beeindruckenden Lebenslauf. Nebenbei veröffentlicht er „Artikel und Studien zu Fragen des Bankensektors und der Kapitalmarktentwicklung“ in aufstrebenden Märkten von Schwellenländern. Und er arbeitet als Dozent für verschiedene Schulen und Universitäten. Für seine frühere Lehrerin Irene Pilger keine Überraschung. „Er war schon als Schüler ein cleverer Bursche“, so sagt sie, „belesen und redegewandt.“

Eine besondere Liebe verbindet den alleinstehenden Weltenbummler mit Frankreich. Zum einen wegen der Sprache. Während des Studiums ging Friedemann Roy für ein Jahr nach Fribourg (Schweiz), um sein Französisch zu verbessern. Französische Literatur zählt zu seiner bevorzugten Lektüre. Und die Küche im Nachbarland begeistert den Hobby-Koch. Auch da ist sein Motto: Immer wieder etwas Neues ausprobieren. 

Auf einmal riss ein Gangster die Autotür auf

Einmal wäre ihm seine Offenheit fast zum Verhängnis geworden: in Südafrika. Er hatte das Angebot einer Weltbank-Tochter angenommen, ab August 2007 in Johannesburg zu arbeiten. „Da wusste ich nicht, auf was ich mich einlasse.“ Weniger wegen der vielen Reisen nach Nigeria, Burkina Faso, Ghana und Kenia. Dr. Roy malt mit dem Finger die Umrisse von Afrika auf den Tisch und erklärt die Lage der Staaten. Besorgniserregend war die Kriminalität in dem Land. Als er einmal sein Auto vor der Bank stoppte, riss ein Gangster die Tür auf. „Das hätte tödlich enden können“, sagt der Waldecker und fährt sich mit dem Daumen der rechten Hand um den Hals. „Ich habe Vollgas gegeben und bin entkommen.“ Kein Gefallen fand er auch an den vergitterten Fenstern und Türen seines Zuhauses. „Ich war froh, aus diesem Gefängnis wieder abzureisen.

Kaum weniger dramatisch verlief seine Reise nach Haiti. Kurz nach einem Erdbeben geriet der Korbacher mitten in die Unruhen der Präsidentschaftswahlen. Erst gab es strenge Anweisungen des Sicherheitspersonals, dann durfte das Hotel nicht verlassen werden. „Wir waren sprichwörtlich eingeschlossen.“ „In der Nacht hörte ich Schusswechsel und laute Schreie“, erzählt der Weltenbummler. „Als dann am nächsten Morgen eine brüllende Menschenansammlung an der Hotelanlage vorbei marschierte“, hatte er „ein mulmiges Gefühl: Wenn diese Meute in den Hotelkomplex eingedrungen wäre, sie hätten uns vermutlich alle niedergemacht“. Schließlich sei die Evakuierung des Hotels beschlossen worden. „Das allein war ein Abenteuer an sich.“ 

Im indischen Urwald versperrt ein Elefant den Weg

Natürlich gab es auch schöne Erlebnisse für den Weltbank-Mitarbeiter. Er sah die schneebedeckten Achttausender in Nepal zum Beispiel. Auch an den Abstecher zu einem Portemonnaie-Hersteller in Bangladesch kann sich Friedemann Roy lebhaft erinnern. Im indischen Urwald schließlich, beim Besuch einer Spargruppe, versperrte ein Elefant den Weg und „wir steckten fest“.

Zur großen Finanzkrise 2009 rief ihn Mutter Weltbank wieder nach Washington. „Eine schöne Stadt“, findet Dr. Roy. „Dort habe ich Freunde aus der ganzen Welt: Afrika, Peru, Indien und Kollegen aus USA. Die unterschiedlichen Kulturen sind sehr anregend und bereichern mich.“ Man müsse Toleranz üben im Zusammenleben, sich in den anderen hineinversetzen. In Deutschland überwiege leider die Angst vor dem Fremden. „Schade.“ Dabei könne man durch Mentalität und Blickrichtung des anderen selbst profitieren, versichert der bekennende Christ. „Auch im Islam gibt es nicht nur radikale Idioten.“ Den Iran zum Beispiel habe er auf seinen Reisen als ein wunderbares Land kennengelernt.

Vorerst möchte Roy in Washington bleiben

Wie geht es weiter, das Leben des weit gereisten Korbachers? „Vorerst möchte ich in Washington bleiben. Aber bei den vielen Unsicherheiten ist ein längeres Planen nicht möglich.“ Er habe einen sehr spannenden Arbeitsplatz. Routine gibt es nicht. „Jeder Tag ist eine Überraschung“, sagt er lächelnd. 

Wir bleiben danach per E-Mail in Kontakt. „Ich bin auf dem Weg nach Mumbai in Indien“, schreibt er. „Durch Pannen in Washington muss ich über London fliegen.“ Keine Woche später die nächste Nachricht: „Ich fliege morgen weiter nach Afrika (Elfenbeinküste).“ In einer Woche ist er wieder in den USA zu erreichen. Es bleibt spannend im Leben des Friedemann Roy.

(Von Günter Göge)

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