Teils Wartelisten für Kunden - Termin ist Pflicht

Friseure dürfen wieder arbeiten - Regeln auch für Kunden

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Mit Gesichtsschild und Handschuhen: Friseurin Anne-Kathrin Albrecht vom Salon "Rapunzel" in Vöhl-Dorfitter schneidet einer Kundin die Haare.

Seit Montag dürfen auch Friseursalons wieder für ihre Kunden öffnen, allerdings unter strengen Vorgaben. Dabei müssen nicht nur Abstände eingehalten und Mundschutz getragen, Flächen und Materialien ständig desinfiziert, sondern auch Daten von Kunden gesammelt werden.

Auf sechs DIN-A4-Seiten hat die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege ausgearbeitet, woran sich seit Montag alle in der Friseurbranche halten sollen. Dabei sei jeder auf sich allein gestellt gewesen bei der Beschaffung von Desinfektionsmittel, Mundschutzmasken und Handschuhen, sagt Simone Umbach, Inhaberin des Salons „Happy Hair“ in Bad Arolsen. Sie selbst habe 1000 medizinische Masken bestellt, zudem aber auch alle Kunden bereits angerufen und gebeten, ihre eigenen Masken mitzubringen, sagt sie.

Die Vorgabe der Berufsgenossenschaft ist eindeutig: Bei Tätigkeiten, bei denen der Mindestabstand von 1,5 Meter nicht eingehalten werden kann, müssen Kunden und Beschäftigte Mund-und-Nasen-Bedeckungen tragen. Weil dabei aber die Gummis im Weg wären, gibt es dazu auch bereits Ideen, sagt Umbach. Kaffeefiltertüten – im Innern noch durch Servietten ausgefüllt – werden mittels doppelseitigem Klebeband von den Kunden direkt aufs Gesicht geklebt. So können die Friseure besser arbeiten.

Höhere Preise für Desinfektionsmittel & Co.

Sie hat zudem, ganz nach den Vorgaben der Berufsgenossenschaft, Hunderte Einmalumhänge gekauft. Pro Kunde werde einer benutzt und anschließend gleich weggeworfen. Das, ebenso der zusätzliche Kauf von Desinfektionsmitteln, Handschuhen und Masken sorge für erhöhte Preise. „Wir erheben einen Hygienezuschlag von zwei Euro pro Kunde“, sagt die „Happy Hair“-Chefin – und hofft dabei auf das Verständnis der Kunden.

Die dürfen künftig nicht mehr im Wartebereich Platz nehmen, bis sie an der Reihe sind. Denn sämtliche Wartezonen dürfen nicht mehr genutzt werden. Simone Umbach wird die Eingangstür verschließen und immer erst dann öffnen, wenn der nächste Kunde dran ist. Der Salon biete jetzt acht Plätze, bisher seien es 16 gewesen. Fast zwei Meter Abstand gebe es so zwischen den Kunden.

Die Friseurmeisterin freut sich, dass es mit der Arbeit wieder losgehen kann, sagt sie. Allerdings: Es dürfen parallel nicht mehr mehrere Kunden gleichzeitig bedient werden, deshalb würden jetzt nur noch vier pro Tag bedient werden, nicht mehr acht. Wegen des erhöhen Aufwands würden die Betriebskosten aber sogar steigen. „Aber es muss ja weitergehen“, sagt die Arolserin.

Wegen Andrang auch montags geöffnet

Ähnlich sieht es Ümit Kahyar-Tandler, den den Salon Ümit in Korbach betreibt. „Psychisch und finanziell wird die Zeit belasten“, sagt er. Er hofft auf eine Mehrwertsteuer-Senkung zur Entlastung. Die Vorgaben empfindet er als teils zu streng. Hygienisch sei immer gearbeitet worden, jetzt müssten die Hände noch häufiger gewaschen und desinfiziert werden. Das mache die Haut kaputt, sagt Kahyar-Tandler. Auch in seinem Salon müssen Kunden zwei Euro zusätzlich zahlen, um die weiteren Ausgaben zu decken.

Dennoch gibt es schon jetzt eine Warteliste. Hunderte Anrufe seien gekommen, als klar war, dass ab dem 4. Mai wieder geöffnet sein würde. Um dem Ansturm gerecht zu werden, hat der Salon Ümit jetzt auch montags geöffnet.

Damit genug Abstand zwischen den Sitzplätzen ist, hat Ümit Kahyar-Tandler in seinem Salon alles ausgemessen. Neun von 15 Plätzen darf er nutzen. 

An maximal neun der 15 Plätze werden Kunden dann bedient. Am Samstag hat er mit seinem Team alles ausgemessen, Schilder und Aufkleber angebracht, außerdem alles gereinigt und desinfiziert. Und schon da hätten Kunden geklopft und gefragt, ob sie nicht schon bedient werden könnten, erzählt Kahyar-Tandler. Er ist sicher: Eine Weile wird es dauern, bis sich alle an die neue Situation gewöhnt haben, „und wir hoffen auf die Zeit dazu von den Behörden“.

Das müssen Kunden jetzt wissen

Zahlreiche Vorgaben, die die Berufsgenossenschaft ausgearbeitet hat, richten sich direkt oder indirekt auch an die Kunden.

Sie sollten...

- nach Betreten des Salons die Hände waschen oder desinfizieren;

Sie müssen...

- sich dazu bereit erklären, dass ihre Kontaktdaten sowie Zeitpunkt des Betretens und Verlassens des Salons dokumentiert werden, damit im Zweifel eine Infektionskette nachvollzogen werden kann. Wer damit nicht einverstanden ist, darf nicht bedient werden;

- einen Termin ausmachen, bevor sie in den Salon kommen dürfen, Walk-in-Termine gibt es derzeit nicht;

- auf Bewirtung und Zeitschriften verzichten, Wartebereiche im Salon darf es nicht geben;

- sich bei jedem Friseurbesuch die Haare waschen lassen und dürfen sich die Haare nicht selbst föhnen, um so wenig Kontakt wie möglich mit Geräten zu haben;

- auf gesichtsnahe Dienstleistungen wie Bartpflege oder das Färben der Augenbrauen verzichten.

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