Diskussion bei Neujahrsempfang des Fröbelseminars in Korbach

Neuer Lehrplan für Erzieher: "Tolle Idee", Umsetzung herausfordernd

+
Über neue Herausforderungen der Erzieherausbildung referierte Michael Baumeister (links) beim Neujahrsempfang des Fröbelseminars. Dabei stellte sich auch Manuela Brück (zweite von links) vor, die ab Sommer als Nachfolgerin von Claudia Bremer-Müller die Stellvertretung des Direktors Freimut Schirrmacher übernimmt.

Korbach. Der länderübergreifende Lehrplan für Erzieher stand beim Neujahrsempfang des Fröbelseminars im Mittelpunkt. Im Tenor: eine gute Idee, personell aber schwierig umzusetzen.

Anwendbare Kompetenzen statt bloßer Inhalte und stärkere Betonung der Praktika: Die Erzieher-Ausbildung befindet sich im Umbau. Eigentlich eine gute Sache, findet Michael Baumeister, Vorsitzender der Lehrplan-Kommission im Kultusministerium und Referent beim Neujahrsempfang des Fröbelseminars in Korbach: „Aber es bringt Schulen und Einrichtungen jetzt schon in eine schwierige Situation.“

Kurzum geht es bei dem länderübergreifenden Lehrplan von 14 Bundesländern darum, sich von der Fächerstruktur zu lösen und stattdessen Kompetenzen zu erwerben – zu einem wesentlichen Teil in Praktika. Neben Wissen über den richtigen Umgang mit Kindern geht es dabei auch um personelle Fähigkeiten: Also sowohl als Teil eines Teams arbeiten zu können als auch selbstständig schnell Entscheidungen treffen zu können.

Erzieher sollen in die Lage versetzt werden, ihr Handeln besser zu reflektieren und lebenslang darauf aufbauend zu lernen. „Der Anspruch an die Ausbildung wurde deutlich erhöht“, sagt Michael Baumeister, von Haus aus stellvertretender Leiter der Beruflichen Schulen Berta Jourdan in Frankfurt.

„Es ist eine tolle Idee von Ausbildung, aber das braucht auch Ressourcen“, erklärt er. So spiele die Anleitung in den Praktikumseinrichtungen eine größere Rolle denn je. Das brauche Zeit – und bislang werde das nirgendwo aufgefangen. Das Drängen der Träger und Schulen, das zu berücksichtigen, sei ignoriert worden. Was sich nach der Neuaufstellung der Landesregierung ändere, sei noch nicht abzusehen.

Außerdem brauche es Menschen, die für die neuen Anforderungen in der Praktikums-Anleitung qualifiziert werden: Sie müssen das Handeln der Praktikanten gezielt wahrnehmen können und intensiv mit der Schule kommunizieren. Letztlich kommen auch zwei Fünftel der Endnote aus der Praxis – eine neue Herausforderung für die Anleiter, wie Michael Baumeister erläutert. Wie solche Fortbildungen bezahlt werden sollen, sei zwischen den Ministerien noch ungeklärt.

Auf Seiten der Schulen mache die Abstimmung mit den Praktikumsbetrieben mehr Arbeit. Zudem müssen sie neue Curricula entwickeln: Kernfrage sei, was ein Schüler am Ende der Ausbildung können muss – wie das zu erreichen ist, variiere je nach Standort. Letztlich müssen die Schulen auch definieren, was ein erfolgreiches Praktikum ausmacht – Anleiter wie Schüler bräuchten das, um sich zu orientieren.

Vertreter von rund 50 Einrichtungen aus dem Kreis und der Nachbarschaft sind zum Empfang gekommen und besprechen ihre Bedenken. Prof. Freimut Schirrmacher, Direktor des Fröbelseminars, erklärt, dass Nachqualifizierung erheblich an Bedeutung gewinnen werde: „Wir wollen Korbach zu einem Fortbildungsstandort ausbauen.“ Nachdem Abschlüsse am Fröbelseminar im Sommer als gleichwertig zum Bachelor zertifiziert wurden, werde die genaue Abrechnung mit Hochschulen geklärt und geprüft, wie Kurse etwa für Kita-Leitungen integriert werden können.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare