Mit Feier der Osternacht starten Gläubige in höchsten Feiertag der Christenheit

Früh am Morgen beginnt das Osterfest

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Waldeck-Frankenberg - Mitten in der Nacht beginnt für viele Christen am Sonntag das Osterfest: Während stimmungsvoller Osternachtsfeiern in dunklen Kirchen wird an den Leidensweg Jesu erinnert und bei Sonnenaufgang das Licht der Auferstehung gefeiert.

Die Kirche ist dunkel. Die Geräusche sind lauter als sonst, weil die Ohren nicht von den Augen abgelenkt werden und wer in der Kirchenbank neben einem sitzt, das kann man nur erahnen. „Das ist für mich einer der schönsten Momente an Ostern“, sagt Anne Cullotta aus Willingen, „der Beginn der Osternacht in der stockdunklen Kirche“.

Als Konfirmandin habe sie zum ersten Mal während der Osternachtsfeier im Dunkeln gesessen und sei wie gebannt den biblischen Texten gefolgt. „Man kann sich völlig aufs Hören konzentrieren“, sagt sie. Und deshalb freut sich Anne Cullotta das ganze Jahr auf die Osternacht.

Vom Dunkeln ins Licht

„In der Dunkelheit der Kirche und der Atmosphäre dieses besonderen Morgens kommt man viel tiefer zu sich selbst“, sagt auch Natalie Volkenrath, „man wird von nichts abgelenkt“. Beide gehören zum Mitarbeiterteam, das in Willingen die Osternacht vorbereitet.

Und auch in der Korbacher Kilianskirche beginnt der Sonntagmorgen im Dunklen: „Ich empfinde diese Dunkelheit als bedrückend“, sagt Martina Steuber vom Vorbereitungsteam, „und umso mehr freue ich mich aufs Licht“. Und damit hat sie das Ostergeschehen im Handumdrehen auf den Punkt gebracht. Diese Bewegung vom Dunkeln ins Licht erinnert Christen überall auf der Welt an die Kreuzigung Jesu am Karfreitag und die Auferstehung drei Tage später. „In der Osternacht ist Bewegung“, sagt Eva Brinke-Kriebel, „vom ganz Ruhigen zum ganz Fröhlichen“.

Trauer und Freude liegen in den Tagen um Ostern nah beieinander – und das spiegelt auch die Osternacht wieder. Und doch erwarten den Besucher in der dunkelsten Nacht des Jahres auch gänzlich unösterliche Texte am Ostermorgen – zumindest auf den ersten Blick. „Im ersten Teil der Osternacht wird die Schöpfungsgeschichte gelesen“, erklärt der Willinger Pfarrer Christian Röhling. Die Schöpfung und der Sündenfall am Ostermorgen? „Ja“, sagt Röhling, „das passt“.

Der Mensch werde daran erinnert, dass Gott einst alles geschaffen hat. „Und dann erfahren wir die Welt als gebrochen und voller Schmerz und Leid“, sagt Röhling. Da kommt die Passionsgeschichte ins Spiel: „Jesus hat den Tod und den Schmerz auf sich genommen und ist am Kreuz gestorben“, sagt der Willinger Pfarrer. Glocken und Orgelklang Lieder ohne Orgelbegleitung prägen diesen Teil der Osternacht. In der Kilianskirche singen die Kantorei und Stadtkantor Eberhard Jung das „Exsultet“, das Osterlob. Doch Ostern scheint anfangs noch weit weg. „Wir singen von den Bienen, die wie die Menschen mühselig arbeiten“, sagt Jung, „ganz bewusst hebt sich die Sprache vom Alltag ab“. Als mystisch und geheimnisvoll empfindet er die ruhigen Melodien und die ungewohnten Zeilen des Stückes, die fürs erste an das Leid und den Tod erinnern. Aber dabei bleibt es nicht: Denn mit einem leisen Streichholzschlagen im Eingangsbereich der Kirche, wendet sich das Blatt. Die Osterkerze wird entzündet. Und vom Chor erhebt sich ein leises Echo: „Der Herr ist auferstanden“, schallt es dann immer lauter durch die Kirche, denn immer mehr Menschen steigen in den stimmungsvollen Gesang ein. „Seit Karfreitag haben die Glocken geschwiegen und dann beginnen sie zu läuten“, sagt Carolin Saure aus Willingen, „dann ist Ostern“. Hunderte kleine Kerzen zünden die Besucher der besonderen Gottesdienste an der Osterkerze an und mit jedem wird es heller in der dunklen Kirche. „Und dann spielt die Orgel wieder“, sagt Eberhard Jung und erinnert sich bewegt an das vergangene Jahr. Zum ersten Mal spielte er da das „Christ ist erstanden“ auf der neuen Orgel

. Aus der Stille dringt Jubel in den Ostermorgen. Hören, sehen, schmecken Dann soll Ostern für jeden erlebbar werden. Ob in Willingen oder Korbach, im Süden oder im Norden des Kreises: Wenn es hell wird in den Kirchen wird an die Taufe erinnert. „Die Gnadenzusage gilt auch jedem einzelnen von uns“, sagt Pfarrer Markus Heßler und das will die Tauferinnerung ins Licht rücken. „Wir können Kraft aus Gott schöpfen“, ergänzt die Dekanin. Und das sollen die Besuchern am eigenen Leibe spüren: „Deswegen feiern wir Abendmahl“, sagt Eva Brinke-Kriebel. Es ist Bewegung in der Osternacht – vom Hören, zum Sehen und Schmecken. Die Osternacht beginnt in Korbach um 6 Uhr in der Kilianskirche, in Willingen um 5.30 Uhr in der evangelischen Kirche.(resa)

Osternacht

In der ersten Osternacht der Geschichte, wussten die Menschen noch nichts von ihrem Glück. Jesus war am Kreuz gestorben, seine Freunde trauerten um ihn. Drei Tage nach der Kreuzigung auf Golgatha fanden die Frauen nur ein leeres Grab und einen Engel - Jesus war auferstanden.

Seit dem Mittelalter erinnern sich Christen in der Nacht von Samstag auf Ostersonntag an dieses Geschehen. Noch vor Sonnenaufgang beginnen die Gottesdienste in der dunklen Kirche, am Ende des Festes strahlt das Osterlicht, das an die Auferstehung erinnert. Bis heute pflegen viele Gemeinden in Waldeck-Frankenberg diese Tradition. WLZ-FZ widmen ihr diese Osterseite und wünschen allen Leserinnen und Lesern schöne Ostertage. (resa)

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