Korbach

Früher Abbruch und lange Nachspielzeit

- Korbach (ahi). Unterschiedliche Stile und starke Gegensätze prägten auch die zweite Runde des Band-Contests im Jugendhaus.

Dieser begann mit einem vorzeitigen Abbruch und endete mit einem doppelt so langen Auftritt. Die Vollblutmusiker von „Somepeopledrown“ spielten ihren vollständigen Set und gaben der Jury nach Ablauf der Wertungszeit ein Zeichen, dass es Zeit war, sich zu Beratung zurückzuziehen. Anzeichen von Nervosität gab es schon bei der Ansage von Larissa Schmidt, die ihren Auftritt vor einem Jahr noch nicht für möglich gehalten hätte. Dank ihrer starken Stimme gelang dem Talent aus Arolsen mit Tara Naomis „Say it's possible“ ein eindrucksvoller Beginn, „Drop­letts“ von Colbie Calliat brachten zusätzliche Sicherheit. Mit ihrer gerade erst entstandenen Eigenkomposition „What you see“ wagte die junge Sängerin noch gleich den Sprung zur Songwriterin, doch mit der wenig bekannten Größe wurde das Publikum unruhig und während einer langen Stimmpause kehrte die Nervosität auf die Bühne zurück. So sehr, dass die Sängerin ihren Auftritt abbrach, der so aussichtsreich begonnen hatte. Mit viel Humor und großer Schnauze stürmten die Anar­cho-Spaßrocker „Ray Stress und die Stressmaker“ die Bühne und fegten mit der heiter-sarkastischen Zukunftsvision „2012“ sowie „Zieh die Tanzschuhe an“ und „Krawall und Remmi-Demmi“ schnell die letzten Zweifel aus dem Saal. Mit der Ballade „Wenn sich Parallelen schneiden“ verhandelte das Sextett auch intimere Themen und stellte dabei seine Vielseitigkeit unter Beweis. Mit dem groovigen „Geht doch!“ forderte die gut aufgelegte Band die Zugabe geradezu heraus. Begeisterte Fans an der Rampe, das hatten auch die „Copper Kids“ aus Bad Wildungen und keinerlei Startprobleme. Frontman Alex Karl und Bassist Todor Akimoff legten eine tolle Show hin, strapazierten aber zu sehr ein- und dieselbe Saite, da die Band sieben sehr ähnlich gelagerte Stücke im einheitlich flotten Tempo abspulte. Aufgrund des konsequenten Verzichts auf den elementaren Faktor Abwechslung wirkte der Set trotz unüberhörbarer Qualitäten doch etwas ermüdend. „Kill the director“ oder „You fuckin' love it“ blieben am besten im Gedächtnis. Bei einem Beauty-Contest hätten die „Unentschlossenen“ schon vor dem ersten Takt sämtliche Preise abgeräumt, dank Sängerin Silke Rahn, die sich aber im Verlauf des Auftritts als starke Frontfrau mit rockiger Stimme profilierte, mit großartiger Unterstützung ihrer überzeugend aufspielenden „Sidemen“. Das eröffnende „Märchenland“ klang tatsächlich noch etwas unentschlossen, doch beim mitreißenden „(Zeit für) Unentschlossenheit“ kokettierte die Band, für die nachdenkliche Texte und eingängige Melodien keine Gegensätze sind, mit ihrem Namen. Mit unübersehbarem Sinn für Ironie schwenkten Gitarrist Nils Lienhop und Bassist Felix Klein denn auch ein Transparent mit dem Refrain von „Mein Herz schreit“, das Publikum im Jugendhaus hatte vorher schon eingestimmt. Aufs absolut Musikalische setzten dagegen „Somepeopledrown“. Mit seinen Klangmassiven spielte sich der finale Act schon zu Beginn in eine Art ekstatisch zuckende Powertrance. Bei den folgenden Stücken streifte das Korbacher Quintett, das sich den üblichen Etiketten verweigert, dann schon die ganz Großen: etwa bei Stück 2 (heißt bis jetzt noch so), bei dem Christoph Böttners Trompetenspiel Assoziationen an King Crimsons „Islands“ (1971) weckte. Oder einer psychedelischen Sektion, die wie ein unglaublich beschleunigtes rhythmisches Element aus „The End“ von The Doors klang. Mit ihrem rhythmisch präzisen Spiel und den nahtlosen Stilwechseln zelebrierte die Band, die bei ihrem Auftritt eine Art bizarres Ballett aufführte, eine sogartige Kopfmusik für den gesamten Körper.Da Interaktion mit dem Publikum ein ganz entscheidendes Kriterium für die Jury ist, wird es nicht einfach für die Vollblutmusiker, dafür ist die Band in Sachen Plattenveröffentlichung schon einen Schritt weiter: Am 16. April steigt im Jugendhaus die Release-Party. Am 26. März wird an gleicher Stelle ab 19.30 Uhr der dritte Finalist ermittelt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare