Künstler servieren beim „Dinner for everyone“ in der Nikolaikirche ein anspruchsvolles Programm

Fünf-Gänge-Menü mundet den Gästen

Korbach - Dass es am Silvesterabend in der Nikolaikirche schmeckt, das hat sich längst rumgesprochen. Vor vollem Haus servierte die Stadtkirchengemeinde auch dieses Jahr ein „Dinner for everyone“.

Vornewe: Es war ein Genuss. Einer, den man sich auf der Zunge zergehen lässt, der angenehm nachklingt und der Lust macht auf mehr. In fünf Gängen servierten Vera Filipponi, Thomas Schwill, Eberhard Jung, Georg Lungwitz, Yevgenia Schott und Pfarrer Rüdiger Dierks ihren Besuchern am Silvesterabend in der Nikolaikirche ein „Dinner for everyone“. Und die Besucher ließen es sich schmecken.

Vollbesetzte Kirche

Kaum verloren hat die Veranstaltung an Glanz, seit Eberhard Jung, Pfarrer Rüdiger Dierks und die damalige Pfarrerin Barbara Gallenkamp das Dinner der besonderen Art vor zehn Jahren ins Leben riefen. Der Reiz des Neuen wurde abgelöst von der Gewissheit: Heute weiß das Publikum, was es erwartet. Es weiß, wie die Musik zum Silvesterabend klingt, welche Töne angeschlagen werden zum Jahreswechsel und es kommt wieder – jedes Jahr. Und so fand sich auch am Montag kaum ein freier Platz in dem stimmungsvoll ausgeleuchteten Gotteshaus, als die Glocken eine Stunde vor Mitternacht den Countdown schlugen.

Oper und Wise Guys

Mit einer Art Paukenschlag eröffnete Eberhard Jung das Dinner – der wurde allerdings nicht vom gleichnamigen Instrument als vielmehr von der Orgel ausgelöst. Starke, triumphale Töne von Èmile Paladilhe wurden zur Vorspeise serviert, da wirkte Vera Filipponi, die den Zwischengang anrichtete am Anfang fast ein bisschen blass mit ihrem Solo. Doch nur auf den ersten Blick: Denn die junge Korbacherin, die mit ihrem Sopran nicht zum ersten Mal das Dinner fein würzte, holte plötzlich tief aus und die tschechischen Worte der Arie der Rusalka von Antonin Dvorak gewannen an Kraft.Unterstützung für Vera Filipponi gab es dann von der gesamten Garde der Dinner-Musiker – freilich mit einem Kontrastprogramm zur vorangegangenen Opernmelodie. Jetzt nämlich standen die Wise Guys auf dem Programm – jene Kölner A-cappella-Gruppe, die ihre eigene Musik gerne „Vocal Pop“ nennt. Thomas Schwill hatte sich deren Melodie „Mad World“ vorgenommen und etwas Einmaliges daraus geschaffen. Klang die Verwandtschaft mit dem Original zwar noch zuweilen mit, war es aber doch vor allem die Fähigkeit, ausschließlich mit Stimmen zu begeistern, die an die Wise-Guys erinnerte.

Publikum kocht mit

Es folgte eine originelle musikalische Reise durch die Jahrhunderte: Für Fische und Krustentiere brutzelte Leonard Bernstein. Bekannt wird den meisten Zuhörern jene romantisch anmutende Melodie vorgekommen sein, die Vera Filipponi, Thomas Schwill (Alt), Eberhard Jung (Tenor) und Georg Lungwitz (Bass) da anstimmten. Und ein Blick ins Programm verriet: Tatsächlich waren es die traurigen Zeilen von Tony und Maria, jener modernen Erfindung von Romeo und Julia, die in Bernsteins „West Side Story“ von „Somewhere“ träumen. Ein Musical war es auch, dass beim vierten Gang den Ton angab. Dann nämlich schlüpfte Thomas Schwill kurzerhand in die Rolle des Phantoms der Oper und Vera Filipponi in die der Christine Daaé und gemeinsamen wurden sie zum Glanzpunkt des Dinners. Die beiden Stimmen duellierten und ergänzten sich, forderten sich heraus und feierten am Ende einen gemeinsamen musikalischen Triumph. Das gefiel dem Publikum und begeisterter Applaus war der Lohn der Künstler. So abwechslungsreich wie das Programm, so versteht sich auch das Konzept: „Einen heiter-besinnlichen Abend“, hatte Pfarrer Rüdiger Dierks zu Beginn versprochen. Und mit kleinen literarischen Happen, die meistens zum Denken, oft zum Fühlen, aber immer mal wieder auch zum Mitlachen einluden, ergänzte er die musikalischen Gänge des Silvestermenüs.Bei der Dessertzubereitung war das Publikum dann zum Mitkochen eingeladen: Und so klang das alte Jahr in der Nikolaikirche mit Sir Edward Elgars majestätischen Klängen von „Land of hope and glory“ aus. (resa)

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