1964 über der Stadthalle am Vierspann gebaut: Freienhagener Schule schließt im Juli ihre Pforten

In fünf Jahrzehnten über 500 Schüler

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Die kleine Dorfschule pflegte auch die Freienhagener Heimatgeschichte, wie im Bild die Platt-AG, die mit „Orjelbauers Willi“ Mundart praktizierte. Bei den großen Festen im Waldecker Stadtteil war die Schule stets präsent.Archivfoto: Höhne

Waldeck-Freienhagen - Die Zeit des Abschiednehmens an der Grundschule ist gekommen. Morgen lassen Schüler, Lehrer, Eltern und Ehemalige die vergangenen Jahrzehnte Revue passieren. Am 24. Juli schließt die Freienhagener Schule für immer.

Sie wurde Anfang der 1960er-Jahre über der Stadthalle am Vierspann für 410000 Mark gebaut. 1964 zogen 107 Schüler mit ihren Lehrern in die neue dreiklassige Schule ein.

Zuvor diente ab 1860 die großzügige Schule an der Hauptstraße als Domizil. Sie löste damals den Unterricht im baufälligen Küsterhaus ab. Älteste schriftliche Überlieferungen zur Freienhagener Schule gehen auf das Jahr 1778 zurück. Schulmeister und Stadtschreiber Johan Samuel Bach ist darin genannt. Er war 54 Jahre Schulmeister und versah gleichzeitig Küsterdienst in der Kirche.

Kurz nach dem Bau des heutigen Schulgebäudes erfolgte der Beitritt zum Schulzweckverband Sachsenhausen, 1966 wurde erstmalig ein neuntes Schuljahr in Sachsenhausen eingerichtet. Ein Jahr später nahm die Schule in Freienhagen erstmals 15 Kinder aus Dehringhausen auf, die vorher nach Nieder-Waroldern und Twiste gingen. 1969 wurde die Volksschule Freienhagen in Grundschule umgewidmet, sodass alle Schüler ab der Klasse fünf zur MPS Sachsenhausen gingen. Das ist bis heute geblieben.

Aufgrund sinkender Schülerzahlen wurde die dritte Lehrkraft vom Staatlichen Schulamt in Korbach schon 1980/81 abgezogen. Helga Stoß (Lehrerin von 1969 bis 2004) und Manfred Rößner (1973 bis 2002) - die dienstältesten Pädagogen in der jüngeren Schulgeschichte - wurden danach von den Pfarrern unterstützt, die den Religionsunterricht erteilten.

„Konnten nichts am demografischen Wandel ändern“

In die 80er-Jahre fielen einige größere Renovierungen im und am Schulgebäude. 1981 wurden neue Fenster an der Westseite eingebaut, 1985/86 Elektroöfen, 1989 erfolgte eine Außenrenovierung.

Seit dem Schulneubau am Ortsrand wurden über 500 Schüler von 25 Lehrern unterrichtet. Von Anfang bis Mitte der 1970er-Jahre besuchten jeweils rund 80 Schüler die vier Grundschulklassen, danach ging die Zahl langsam, aber stetig zurück bis unter 50 Schüler. Höchste Zahl bei den Einschülern waren einmal 24 Erstklässler im Schuljahr 1969/70, die niedrigste lag bei sechs 1987/88. Stärkste Klasse war 1975/76 das vierte Schuljahr mit 27 Schülern.

Heute lernen 29 Kinder aus Freienhagen, Dehringhausen und Netze in zwei Klassen das Rüstzeug fürs Leben. Vier Lehrer erteilen den Unterricht, davon sind zwei nur stundenweise nach Freienhagen abgeordnet. Aufgrund der stetig zurückgehenden Geburten entschloss sich die Schulgemeinde schweren Herzens, die kleine Grundschule zum Ende dieses Schuljahrs zu schließen.

Schulleiter Sven Eisenberg: „Wir sind alle sehr traurig, konnten aber nichts am demografischen Wandel ändern.“ Nach den Sommerferien werden die neuen Erstklässler in der Schule Höringhausen eingeschult, die bereits seit zwei Jahren Verbundschule ist.

Von Conny Höhne

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