Korbach

Fundamente einer früheren Kirche

- Korbach (tk). Vier Wochen lang haben Archäologen in der Kilianskirche nach Spuren aus der Vergangenheit gesucht. Dabei sind sie auf Fundamentreste, eine halbe Münze, ein Skelett und gotische Grabplatten gestoßen.

Unterhalb der Orgelempore an der Westmauer der Kilianskirche haben die Mitarbeiter der beauftragten Archäologie-Fachfirma von Dr. Jürgen Kneipp (Züschen) seit dem 9. Februar eine Grundfläche von 26 mal sechs Metern untersucht. Nachdem die alte Eulerorgel ihren angestammten Platz im Kirchenschiff verlassen hatte, wurde dort der Sandsteinboden aufgenommen. „Es war absehbar, dass es eine Niveauabsenkung geben würde. Und aller Erfahrung nach muss man selbst in 30 Zentimetern Tiefe damit rechnen, auf archäologische Substanz zu stoßen“, erklärt Bezirksarchäologe Dr. Klaus Sippel. Deshalb habe das Landesamt für Denkmalpflege die Auflage ausgesprochen, den freigelegten Untergrund zu dokumentieren. Dabei stießen sie auf grundständige Konstruktionsmauern der heutigen Kirche und auf vier weitere Pfeilerfundamente. Für eines davon wurden Bruchstücke zerschlagener Grabplatten verwendet. Deutlich sind darauf gotische Kleinbuchstaben, sogenannte Minuskeln, zu erkennen. Dr. Sippel schätzt, dass diese Platten aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts stammen. Die zweischalig gebauten, mächtigen Winkelmauern, die das 30 Zentimeter ausgeschachtete Areal nördlich und südlich einrahmen, geben den Archäologen die größten Rätsel auf. Vermutlich sind sie älter als die Pfeilerfundamente. „Es spricht einiges dafür, dass sie zu einem Vorgängerbauwerk gehörten. Wie viel früher sie errichtet wurden, ist fraglich“, resümierte Dr. Sippel. Die Geschichte des Bauwerks geht bis in die Missionszeit des 8. Jahrhunderts zurück. 1142 wurde die Kirche erstmals erwähnt, 1335 mit dem Neubau der Kilianskirche begonnen. „Es gibt also mindestens zwei Vorgängerbauten“, so Dr. Sippel. Weiterhin stießen die Archäologen auf ein etwas jüngeres Bauteil, in das eine Figur eingeritzt worden war. „Es könnte ein Pfarrer sein“, schließt der Bezirksarchäologe aus der Art der Darstellung. Nur zwei Schritte davon entfernt entdeckten die Mitarbeiter ein Skelett. Das individuelle Alter des seinerzeit dort bestatteten Menschen dürfte relativ leicht, das absolute hingegen schwer zu ermitteln sein, erklärte Dr. Kneipp. Gefunden wurden außerdem weitere Knochen, der Wellenfuß einer Kanne, die aus der Zeit vor 1450 stammen dürfte, sowie eine halbe Münze, die aber so stark patiniert ist, dass selbst ihr ungefähres Alter im Dunkeln bleibt. Alle Funde und Befunde wurden gesichert und dokumentiert. Ihre wissenschaftliche Untersuchung ist jedoch nicht zwingend vorgesehen. Die Ergebnisse der vierwöchigen Grabung werden in Form eines mit Fotos ergänzten Untersuchungsberichts und einer maßstabsgetreuen Zeichnung dargestellt. Die Kosten der Untersuchung, rund 11 000 Euro, trägt die Stadtkirchengemeinde. Die gesicherten Funde werden mit Sand abgedeckt und wieder überbaut, schildert Dr. Sippel das weitere Vorgehen. Auch bei den Arbeiten für den Einbau der neuen Orgel an der Nordseite der Kirche will der Bezirksarchäologe wieder einen genauen Blick in den Untergrund werfen.

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