SPD-Partei-Chef diskutiert mit Betriebsrat und Belegschaft

Gabriel besucht Korbacher Conti-Werk

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Korbach - Bei einem Besuch im Korbacher Conti-Werk hat SPD-Chef Sigmar Gabriel am Donnerstag die Belegschaft und den Betriebsrat gefragt: "Was muss besser werden in Deutschland?"

„Meistens wird hoher Besuch aus Berlin schon bei Volkswagen in Baunatal abgefangen“, sagt Betriebsratsvorsitzender Jörg Schönfelder und schmunzelt. Doch diesmal hat es geklappt: SPD-Parteivorsitzender Sigmar Gabriel kommt ins Conti-Werk nach Korbach, um mit dem Betriebsrat und der Belegschaft zu sprechen.

Unter dem Motto „Was muss besser werden in Deutschland?“ sammeln die Sozialdemokraten derzeit Ideen für ihr Bundestags-Wahlprogramm. Die Continentaler haben fleißig vorgearbeitet und Stichworte an eine Stellwand gepinnt: Um Rente mit 67, Reichensteuer oder Benzinpreise soll es gehen.

Gabriel gibt sich locker

Mit einem Klopfen auf den Tisch begrüßt der SPD-Chef die Runde. Gabriel, der in der Troika mit Peer Steinbrück und Frank Walter Steinmeier lange als möglicher Kanzlerkandidat gehandelt wurde, gibt sich unkompliziert und locker, setzt sich nicht vor Kopf, sondern in die Reihen der Betriebsräte. Man duzt sich unter den Genossen.

Doch zunächst stellen Horst Limbach, Leiter der Werkslogistik, und Conti-Tech-Geschäftsführer Ulrich Spitzer dem Gast mit einer Präsentation das Werk vor. Gabriel zeigt sich interessiert, fragt Auszubildende nach ihrer Bezahlung und will wissen, ob das Werk die Euro-Krise spüre. Letzteres kann Limbach verneinen: „Das wird durch die internationalen Märkte aufgefangen.“

Gut eine Stunde spricht Gabriel mit den Betriebsratsmitgliedern und anschließend noch einmal im Werk mit der Belegschaft. Insbesondere auf die Rente mit 67 geht der SPD-Politiker ein: Solange die Unternehmen über Fachkräftemangel klagten, gleichzeitig aber die Arbeitslosigkeit bei den über 60-jährigen steige, komme die Verlängerung der Lebensarbeitszeit einer Rentenkürzung gleich.

Die Rente mit 67 solle deshalb so lange ausgesetzt werden, bis mindestens die Hälfte der älteren Arbeitnehmer sozialversicherungspflichtig beschäftigt sei. Das will Gabriel mit einem Bonus bei den Rentenversicherungsbeiträgen für Arbeitgeber erreichen, die altersgerechte Arbeitsplätze anbieten.

Der SPD-Politiker fordert außerdem, Kapital höher zu besteuern und gleichzeitig die Steuerflucht stärker zu bekämpfen. Es könne nicht sein, dass die Schwächsten die Zeche für die Staatsschulden übernähmen. (lb)

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