Mitarbeiter des „Anne Frank Hauses“ in Amsterdam inspirieren sich in der Kreisstadt

„Ganz anderer Zugang möglich“

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Interessieren sich für die Ausstellungserfahrungen in Korbach: Laura Boerhout und Benjamin Jaquemar. Das Bild zeigt sie im aktuellen Teil von „Deine Anne“, in dem heutige Probleme und Gegenstrategien thematisiert werden.

Korbach - Offiziellen Besuch gab es am Dienstag im Bonhage-Museum: Zwei niederländische Experten für Anne Frank untersuchten die aktuelle Ausstellung - und nahmen Eindrücke mit in ihr Heimatland.

Viel Zeit blieb nicht: Am Montagabend reisten die Historikerin Laura Boerhout und der Freiwilligendienstleister Benjamin Jaquemar aus Amsterdam nach Korbach. Nach einem kurzen Gang durch die Stadt und einem „formi­dablen Essen“ am Abend konzentrieren sie sich gestern auf ihre Aufgabe: herauszufinden, was im Korbacher Museum besonders gut läuft - und was optimierungswürdig ist.

Seit Mitte April ist im Wolfgang-Bonhage-Museum die Ausstellung „Deine Anne“ zu sehen, die an die weltberühmte Anne Frank und ihren Weg während der Nazizeit erinnert. Und die aber auch ans Hier und Jetzt anknüpft und sagt: „Du kannst etwas bewegen.“

Dieser Aspekt, den das Berliner „Anne Frank Zentrum“ entwickelt hat (siehe Hintergrund), gefällt den beiden Besuchern. „Jedes Land hat seine eigene Herangehensweise“, hat Laura Boerhout erfahren. Sie bereiste bereits ähnliche Ausstellungen von Großbritannien über Frankreich bis Ungarn. Die deutsche Art, sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen und sie einzusetzen, sagt der Niederländerin zu: „Wir müssen das Thema immer wieder präsentieren.“

Es solle als Symbol stehen für Veränderungen und die Kraft, die jeder entwickeln könne. Das kleine Mädchen Anne Frank äußere in seinen Tagebüchern „kraftvolle Gedanken“.

Zeit für einen ausgiebigen Blick außerhalb der Museumsmauern bleibt den beiden nicht; sie bemerken aber: „Ihr habt eine wunderschöne Stadt. Alles ist so akkurat und sauber. Überall finden sich schöne Blumen“, sparen sie nicht mit Lob für die künftige Hansestadt.

Zufrieden mit dem Interesse der Bevölkerung zeigen sich die Mitarbeiter des Museums. Noch zweieinhalb Wochen haben vor allem Schulklassen die Möglichkeit, sich durch die Ausstellung führen zu lassen. „Wir haben jeden Tag ein bis zwei Klassen“, berichtet Museumsleiter Wilhelm Völcker-Janssen.

Direkt nach Amsterdam

Das Besondere: Nicht ein Museumsmitarbeiter, sondern nahezu Gleichaltrige erklären die Schautafeln, Aktionen und Einspielfilme. „Dadurch ist ein ganz anderer Zugang möglich“, zeigt sich Laura Boerhout gestern beeindruckt. Die FOS-Schüler seien gut vorbereitet worden und könnten die Themen oftmals direkter vermitteln. „Die Spannung ist geringer“, findet Jaquemar. Die Schüler waren zuvor von Ausbildern aus Berlin in der Jugendherberge und im Museum geschult worden.

Nach einem kurzen Besuch im Jugendhaus, mit dem das Bonhage-Museum während der Ausstellung kooperiert, machen sich Laura Boerhout und Benjamin Jaquemar wieder auf den Weg nach Amsterdam. „Wir haben gehört, dass es früher mit dem Zug eine Direktverbindung gab. Da sind wir wohl ein bisschen zu spät“, scherzen sie. (den)

Hintergrund

Die Ausstellung „Deine Anne“ hat das „Anne Frank Zentrum“ in Berlin entworfen. Sie entstand in enger Zusammenarbeit mit dem „Anne Frank Haus“, das in Amsterdam seinen Sitz hat.

Die zwei Mitarbeiter aus den Niederlanden statteten dem Bonhage-Museum am Dienstag einen Kurzbesuch ab. Sie suchten nach Inspirationen für ihre eigene Ausstellung, die bis Ende des Jahres mit einem neuen Konzept ausgestattet werden soll.

Die Ausstellung in Korbach ist noch bis zum 26. Mai im Museum zu sehen. Anmeldungen zu Führungen, die immer um 8 Uhr, 10.15 Uhr und 12.45 Uhr stattfinden, sind möglich im Internet (www.museum-korbach.de) oder beim Jugendhaus (Telefon 05631/53955).

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