Korbach: Sieben junge Leute mit Behinderung wollen zusammenziehen

Ganz besondere WG sucht Wohnung

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Korbach - Eltern und Lebenshilfe suchen in Korbach nach einer Wohnung für eine ganz besondere Wohngemeinschaft: Sieben junge Menschen mit Behinderung wollen dort einziehen.

Kinder werden erwachsen, ziehen aus und leben ihr eigenes Leben. So ist normalerweise der Lauf der Dinge. Auch junge Menschen mit Behinderung haben den Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben. Doch der Weg dahin hat für sie ungleich mehr Hürden. Seit zwei Jahren suchen die Eltern von sieben jungen Leuten zwischen 18 und 26 Jahren aus Korbach und Umgebung gemeinsam mit der Lebenshilfe nach einer geeigneten Immobilie für eine behindertengerechte Wohngemeinschaft - bislang erfolglos.

"Wir suchen jemanden, der bereit ist, etwas zu investieren und uns aufzunehmen, und dafür mit langfristigen Mietern belohnt wird", sagt Theo Brömmelhaus, Fachbereichsleiter Wohnen im Lebenshilfe-Werk Waldeck-Frankenberg, der das Vorhaben unterstützt. Rund 300 Quadratmeter werden gebraucht, möglichst in der Korbacher Innenstadt.

Und so soll die Traumwohnung aussehen: Jeder Bewohner hat sein eigenes Zimmer mit behindertengerechtem Bad, das er nach Wunsch mit eigenen Möbeln einrichtet. Wohnküche, Esszimmer oder Essecke und ein Wohnzimmer sind für alle gemeinsam da. "Jeder kann selbst entscheiden, ob er sich in seine eigenen vier Wände zurückziehen oder am Gruppengeschehen teilhaben will", sagt Brömmelhaus.

Zuschüsse aus Förderprogrammen seien möglich. Doch der Umbau zu einer barrierefreien Wohnung sei auch eine Investition in die Zukunft: "Der Bedarf ist da, aber behinderten- und altersgerechter Wohnraum ist in der Region noch zu wenig vorhanden", sagt Brömmelhaus. Auch die Stadt Korbach unterstützt das Projekt: "Wir möchten an Eigentümer von Immobilien appellieren, bei denen sich in nächster Zeit etwas verändert" sagt Bürgermeister Klaus Friedrich.

Hervorgegangen ist die Idee aus einem 2004 gegründeten Elternstammtisch. "Seitdem kennen sich auch die Kinder. Sie können sich vorstellen, zusammenzuziehen", erklären die Eltern. Die sieben WG-Bewohner sollen vom ambulant betreuten Wohnen der Lebenshilfe begleitet werden. "Die Eltern wollen und sollen in die Betreuungsarbeit einbezogen werden", sagt Brömmelhaus. Das Hilfenetzwerk könne von Nachbarn und weiteren Helfern ehrenamtlich unterstützt werden. "Bei Bedarf wird eine Nachtbereitschaft eingerichtet", so der Lebenshilfe-Mitarbeiter.

Vermieter und Investoren, die eine geeignete Immobilie in Korbach anbieten möchten, wenden sich an Theo Brömmelhaus, Telefon 05631 / 5006-555. (lb)

Hintergrund

Menschen mit Behinderung wollen vor allem eines: ein ganz normales Leben führen. Dazu gehört, so wohnen zu können, wie Menschen ohne Behinderungen auch. Seit drei Jahren haben behinderte Menschen nach der UN-Behindertenrechtskonvention das Recht auf freie Wahl des Wohnortes sowie auf persönliche Assistenz und volle Unterstützung zur Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft.(lb)

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