Verordnungen werden umgesetzt, doch Personal stößt an Grenzen - Regeln nicht überall gleich 

Gartenmärkte in Corona-Zeiten: „Wir können nicht in jeden Gang schauen“

+
Der Parkplatz des Herkules B au- und Gartenmarktes in Korbach ist in diesen Tagen gut gefüllt. Drinnen muss Abstand gehalten werden. Das Bild oben rechts zeigt wartende Kunden vor dem Gartencenter Meckelburg in Korbach. 

Schlangen mit Kunden, die darauf warten, in den Markt gelassen zu werden. Gänge voller Menschen, in denen der Sicherheitsabstand von mindestens 1,5 Metern nicht immer eingehalten wird: Das sind Szenen, die vor Beginn der Ostertage auch in den Baumärkten und Gartencentern in Korbach zu beobachten sind.

Ein WLZ-Leser verschaffte daraufhin seinem Ärger Luft. Er rief in unserer Redaktion an und kritisierte, dass sich in Zeiten von Corona die Märkte und Kunden offenbar nicht an geltende Regeln halten.

„Die Wahrnehmung trügt nicht, es ist viel los“, bestätigt Florian Kramm, Geschäftsführer der Rheika-Delta Warenhandelsgesellschaft mbH in Melsungen, zu der auch der Herkules Bau- und Gartenmarkt in Korbach gehört. Sonnige Tage und die Aussicht, dass man über Ostern einiges im Garten erledigen könne, treibe die Menschen in die Märkte. Kramm stellt aber auch klar, dass trotz des Kunden-Ansturms alle Sicherheits- und Hygienevorschriften eingehalten würden.

Florian KrammRheika-Delta Warenhandelsgesellschaft mbH

„Es sind definitiv nicht mehr Kunden im Markt als derzeit erlaubt ist“, betont Kramm. „Die Zahl der Einkaufswagen haben wir reduziert. Die Vorgabe ist, dass in der Corona-Krise nur fünf Wagen pro 100 Quadratmeter Verkaufsfläche zugelassen sind. Wir erlauben sogar nur vier pro 100 Quadratmeter Verkaufsfläche.“ Da der Wagen 1,20 Meter lang sei, trage dieser bereits zum geforderten Sicherheitsabstand bei. Kramm: „Wir lassen auch nur einen Kunden pro Einkaufswagen hinein.“

An den Kassen des Herkules-Marktes sind zudem Klebestreifen auf dem Boden angebracht, damit beim Warten Abstand gehalten wird. Kassierinnen und Kassierer sitzen hinter Plexiglas, aus den Lautsprechern kommen Hinweise, welche Regeln gelten. Überall finden sich Aushänge mit den Sicherheits- und Hygienevorschriften. Mitarbeiter reinigen nach jeder Benutzung die Einkaufswagen. Auch die Pin Pads, auf denen Kunden bei Kartenzahlung ihre Geheimzahl eintippen, werden laut Kramm ständig desinfiziert „Wenn wir erkennen, dass Kunden Regeln missachten, werden sie gebeten, diese einzuhalten. Wenn jemand vollkommen uneinsichtig ist, machen wir vom Hausrecht Gebrauch und fordern den Kunden auf, den Markt zu verlassen.“

Sicherheit geht vor: Im Herkules Bau- und Gartenmarkt in Korbach muss an den Kassen Abstand gehalten werden.

Der Geschäftsführer macht auch deutlich, wo die Grenzen sind. „Wir können nicht in jedem Gang danach schauen, ob sich alle an die Regeln – speziell an den Sicherheitsabstand – halten. Da setzen wir darauf, dass sich Kunden gegenseitig erziehen – und zwar im Dialog untereinander. Dass dies immer häufiger geschieht, freut uns.“

Ein großes Problem sieht Kramm jedoch darin, dass sich die Verordnungen für die Märkte von Landkreis zu Landkreis unterscheiden. Es sei nicht überall im Detail ersichtlich, was befolgt werden müsse. „Es setzen auch nicht alle Bau-, Garten-, und Lebensmittelmärkte die Vorgaben in gleicher Intensität um. Hier wünsche ich mir bundesweit für alle Märkte eine klare Richtlinie. So weiß auch der Kunde, was gilt und was er genau zu befolgen hat.“

Obi-Markt in Korbach ist weniger restriktiv

Was der Geschäftsführer meint, wird am Donnerstag dieser Woche beim Besuch des Obi-Baumarktes in Korbach deutlich. Nur spärlich sind Hinweisschilder angebracht, die lediglich darauf hinweisen, dass Kunden bitte mit EC-Karte zahlen und zwei Metern Abstand zueinander halten sollen. Außerdem können Kunden mit oder ohne Einkaufswagen den Markt betreten. Oft gehen auch zwei Personen zusammen rein. Dass die Wagen regelmäßig desinfiziert werden, ist nicht erkennbar. 

Am Eingang steht immerhin eine Security-Mitarbeiterin. Sie greift ein, wenn sich Kunden an den Kassen im Markt stauen – dann muss draußen gewartet werden.

Welche Strategie Obi aber konkret fährt, um die Zahl der Kunden, die zeitgleich im Laden sind, zu reduzieren und wie das Sicherheitskonzept im Detail aussieht, ist unklar. Eine Presse-Anfrage an das Unternehmen blieb unbeantwortet.

Gemüsepflanzen sind jetzt gefragt

Beim Gartencenter Meckelburg registriert man in diesen Tagen ebenfalls mehr Kundenfrequenz. Die Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen sind mit denen im Korbacher Herkules-Baumarkt vergleichbar. „Wir halten uns trotz erhöhtem Kundenaufkommen strikt an die Vorschriften“, betont Geschäftsführer Peter Meckelburg. Mit Blick auf den Markt in Korbach sagt er: „Wir haben dort die Anzahl der Einkaufswagen von 80 auf 35 reduziert.“ Pro Wagen, der regelmäßig desinfiziert werde, dürfe nur ein Kunde ins Geschäft. „Da mit liegen wir sogar unter dem, was gefordert ist“, stellt Meckelburg klar. 

Auch im Markt werde darauf geachtet, dass die geltenden Sicherheits- und Hygienevorschriften eingehalten werden. „Allerdings haben wir nicht das Personal, um zu überprüfen, ob sich tatsächlich alle Kunden in allen Bereichen unserer Gartencenter richtig verhalten. Wir sind darauf angewiesen, dass unsere Kunden selbst ein entsprechendes Verantwortungsgefühl entwickeln, was bei vielen auch zu erkennen ist.“ 

Geduld ist gefragt: Das Bild zeigt wartende Kunden vor dem Gartencenter Meckelburg in Korbach.

Die Auswirkungen der Einkaufswagen-Reduzierung ist nach Auskunft des Geschäftsführers spürbar. „Unser Umsatz sinkt deutlich, weil auch nicht jeder Kunde so lange warten möchte, bis er in den Markt gelassen wird“, berichtet Peter Meckelburg. Sicherheit gehe aber vor, da gebe es keine Diskussion. 

Immerhin: Bei Gemüsepflanzen, Saatgut, Pflanzkartoffeln und Erdbeerpflanzen sind die Absatzzahlen in der Corona-Krise in die Höhe geschnellt. „Viele unserer Kunden haben Sorge, weil Erntehelfer fehlen und deshalb weniger Gemüse und Obst auf den Markt kommt oder dieses deutlich teurer wird. Daher bauen sie es selbst an.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare