Arztinterview zu Humanen Papillomviren (HPV) 

Kondome allein schützen nicht

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Die effektivste Vorsorge gegen menschliche Papillomviren und damit Gebärmutterhalskrebs ist die Impfung, zum Beispiel mit dem Stoff Gardasil.

In Deutschland erkranken jährlich ca. 4.600 Frauen an Gebärmutterhalskrebs, 1.500 sterben. In etwa 90 Prozent der Fälle sind Humane Papillomviren (HPV) verantwortlich, sagt Fachärztin Christine Seidl im Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) Korbach im Stadtkrankenhaus.

Was sind Humane Papillomviren (HPV)?

Seidl: HPV steht für Humane Papillomviren. Es gibt über 200 unterschiedliche HPV-Typen. Sie werden in potentiell krebsauslösende Hochrisiko-Viren und Niedrigrisiko-Viren unterteilt.

Welche Erkrankungen können durch HPV verursacht werden?

Seidl: Die meisten Infektionen werden durch das Immunsystem früh erkannt und bekämpft. Doch etwa bei jedem zehnten Patienten kommt es zu anhaltenden Infektionen, die wiederum zu Krebsvorstufen und schließlich zu Krebs führen können. Eine HPV-Infektion kann sich zu bestimmten Arten von Krebs und Krebsvorstufen entwickeln.

Christine Seidl, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe im Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) im Stadtkrankenhaus Korbach.

Frauen sind in dem Fall von Gebärmutterhalskrebs oder Scheidenkrebs, Männer von Analkrebs oder Peniskrebs betroffen. Bei beiden Geschlechtern können aber auch Condylome, sogenannte Feigwarzen, durch HPV entstehen. Diese gutartigen Hautwucherungen im Intimbereich zählen zu den häufigsten Geschlechtskrankheiten. Nach der Ansteckung mit den HPV-Viren vergehen vier Wochen bis acht Monate, bis sich erste Warzen bilden.

Wie werden die Viren übertragen?

Seidl: HPV ist weit verbreitet und wird durch kleinste Verletzungen an Haut- oder Schleimhäuten übertragen. Fast jeder sexuell aktive Mensch steckt sich im Lauf seines Lebens mehrmals mit einem oder mehreren HPV-Typen an.

Eine HPV-Infektion wird meist nicht bemerkt. Meistens heilt die Infektion ohne gesundheitliche Probleme wieder ab. Nur wenn die HPV-Infektion länger besteht, können sich daraus Zellveränderungen ergeben.

Wie kann man sich schützen?

Seidl: Die effektivste Vorsorgemaßnahme ist die Impfung. Die ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt HPV-Impfung für alle Mädchen und Jungen vom 9. bis 17. Lebensjahr. Kondome allein bieten leider keinen sicheren Schutz, denn als Infektionsquelle können auch andere Schleimhaut- oder Hautbereiche infrage kommen. Sie sind dennoch sinnvoll, weil sie vor anderen sexuell übertragbaren Erkrankungen schützen. Häufiger Wechsel der Sexualpartner erhöht die Wahrscheinlichkeit sich mit einem HPV anzustecken.

Zusätzliche Risikofaktoren sind unter anderem das Rauchen und die Infektion mit weiteren sexuell übertragbaren Krankheitserregern. In der Regel steckt man sich bereits als Mädchen oder junge Frau mit HPV an. An Gebärmutterhalskrebs erkranken die Frauen aber normalerweise erst im mittleren Lebensalter.

Welche operative Behandlung der Gebärmutterhalskrebsvorstufe wird im Stadtkrankenhaus Korbach durchgeführt?

Seidl: Die operative Behandlung der Gebärmutterhalskrebsvorstufe ist eine Konisation: Dabei werden die auffälligen Bezirke am Gebärmutterhals in Vollnarkose entfernt.

In anderen Ländern wird die HPV-Impfung bereits flächendeckend durchgeführt. Welche Effekte hat das?

Seidl: Am Beispiel des flächendeckenden Impfprogrammes in Australien kann man nachweisen, dass die Häufung von Genitalwarzen um 94 Prozent und die Häufung von hochgradigen Gebärmutterhalsveränderungen um 54 Prozent gesenkt werden konnten.

Wo kann die Impfung stattfinden? Wer bezahlt die Impfung und wie sieht es mit der Verträglichkeit aus?

Seidl: Die Impfung kann vom Frauenarzt, Kinder- und Jugendarzt oder Hausarzt durchgeführt werden. Die Kosten für die Impfung werden von den Krankenversicherungen vom 9. bis 17. Lebensjahr übernommen. Die HPV-Impfstoffe, die derzeit auf dem Markt sind, gelten als gut verträglich.

Welche Vorsorgeuntersuchungen gibt es?

Seidl: Krebsfrüherkennungsuntersuchungen bleiben wichtig, damit Veränderungen zum Beispiel am Gebärmutterhals entdeckt und somit früh behandelt werden können. Zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs ist der regelmäßige Besuch beim Frauenarzt notwendig. Der Frauenarzt führt bei der gynäkologischen Untersuchung unter anderem einen Zellabstrich am Gebärmutterhals durch, den sogenannten PAP-Test. Damit können Infektionen oder Zellveränderungen bereits im Vorstadium erkannt werden. Ist der PAP-Abstrich auffällig, werden weitere Untersuchungen, wie ein HPV-Test oder eine Gewebebiopsie durchgeführt.

Für wen ist der HPV-Test sinnvoll? Sollten sich auch Partner von Erkrankten untersuchen lassen?

Seidl: Sollten sich Veränderungen bei der Vorsorgeuntersuchung am Gebärmutterhals ergeben, werden anschließend automatisch ein HPV-Test und weitere Untersuchungen durchgeführt.

Männer, bei deren Partnerin eine Krebsvorstufe am Gebärmutterhals oder ein Zervixkarzinom festgestellt wurde, sollten sich eher ganz normal körperlich untersuchen lassen. Dabei sollte geklärt werden: Kann man krankhafte Veränderungen im Genital- oder Analbereich sehen oder tasten, gibt es auffällige Beschwerden?

Ansprechpartner kann der Hausarzt, ein Hautarzt oder ein Urologe sein, gegebenenfalls auch andere Fachärzte. Für die Partner von Patienten mit anderen HPV-bedingten Erkrankungen gibt es derzeit noch keine festgelegten Empfehlungen – sie sollten sich mit den Ärzten beraten, ob für sie geeignete Untersuchungen zur Verfügung stehen. /Achim Rosdorff

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