Straße zum Jüdischen Friedhof in Vöhl heißt jetzt „Günter-Sternberg-Weg“

Gegen Vergessen und Wegschauen

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Vöhl - Mit einer Gedenkfeier und der Widmung eines Weges nach Günter Sternberg erreichten die Veranstaltungen in Vöhl anlässlich der Deportation der Juden vor 70 Jahren gestern ihren Höhepunkt.

„Der Mensch ist erst wirklich tot, wenn niemand mehr an ihn denkt.“ So zitierte Landrat Dr. Reinhard Kubat gestern den Schriftsteller Bertolt Brecht. Damit die Juden aus der Region, die den Nationalsozialisten zum Opfer gefallen sind, nicht in Vergessenheit geraten, fand gestern eine Gedenkveranstaltung statt. Außerdem wurde eine Straße in Vöhl nach Günter Sternberg benannt, der mit acht Jahren das jüngste Opfer war.

Zur Enthüllung des Schildes war Sternbergs Cousine Gisela Freese aus Wuppertal angereist. Sie nahm das ganze Wochenende an den Veranstaltungen des Förderkreises Synagoge Vöhl teil. Gegenüber der WLZ -FZ sagte sie, dass ihr diese Widmung viel bedeute. „Es ist ein gutes Gedenken, auch über den Alltag hinaus.“ Wie ihr Cousin wuchs auch sie in Vöhl auf. Bürgermeister Harald Plünnecke fragte sich in diesem Zusammenhang, „was aus Günter Sternberg alles hätte werden können. Heute wäre er 79 Jahre alt.“ Der zuvor unbenannte Weg verbindet die Arolser Straße mit dem Jüdischen Friedhof.

Am Sonntagvormittag fand in der Synagoge Vöhl eine Gedenkfeier statt. Dort dankte Kurt-Willi Julius vom Förderverein allen Anwesenden und den unterstützenden Städten und Gemeinden. „Dank Ihnen wird es dem Wegschauen, Vergessen und der Ignoranz schwer gemacht.“ Ihn enttäuschte allerdings auch, dass die Synagoge nicht so voll besetzt war wie bei manchem Konzert. Doch Jules Schelvis, der in mehreren Konzentrationslagern inhaftiert war, hob die Leistung der Verantwortlichen hervor: „Die Menschen in Vöhl haben gezeigt, dass man auch in einem kleinen Ort mit wenigen Leuten Großes erreichen kann.“

Dr. Susanne Urban vom Internationalen Suchdienst referierte über die Zeit des Nationalsozialismus in Nordhessen. Sie sprach persönliche Schicksale jüdischer Mitbürger ebenso wie die allgemeinen Umstände der NS-Zeit an. So ging es bei der Endlösung nicht nur um psychischen Mord, „sondern um Auslöschung und Gedächtnismord“.

Gegen den Gedächtnismord wurde in Vöhl am Wochenende viel getan. Und im Landkreis geht das Gedenken anlässlich der Deportationen weiter. Am Sonntag, 9. September, findet in Volkmarsen eine Veranstaltung mit Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke statt. Das Wochenende in Vöhl schloss am Sonntagabend mit einem Gedenkgottesdienst in der Martinskirche.

(von Tobias Treude)

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