Goldhäuser lehnen bei Bürgerversammlung neue Anlagen rund um ihren Ort ab

Gegenwind für geplante Windräder

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Nur eine Simulation aus dem Computer: So könnte der Blick von Goldhausen auf einen Windpark mit acht rund 200 Meter hohen Windrädern am „Welschen Lied“ vor den Toren des Dorfes theoretisch aussehen.

Korbach-Goldhausen - Für viele Goldhäuser ist ein Windpark vor ihrem Dorf eine Schreckensvorstellung. Doch ob am „Welschen Lied“ tatsächlich Windräder gebaut werden, ist derzeit noch reine Spekulation. Bislang spricht sogar vieles dagegen.

Das Votum war eindeutig: Fast alle Arme reckten sich in die Höhe, als Ortsvorsteher Wolfgang Behle wissen wollte, wer gegen die möglichen Windparks rund um Goldhausen ist. Rund 110 Goldhäuser und Einwohner der umgrenzenden Ortsteile waren am Donnerstagabend zur vom Ortsbeirat organisierten Bürgerversammlung ins Dorfgemeinschaftshaus gekommen.

Auch Bürgermeister KlausFriedrich sprach sich deutlich gegen neue Anlagen im „Welschen Lied“ und am Eschenberg auf der Grenze zu Lichtenfels aus: „Windkraft passt nur dort, wo die Menschen mitmachen. Welsche Lied und Eschenberg passen nicht“, sagte Friedrich.

Weit weniger eindeutig als die Stimmungslage in der Stadt ist allerdings der aktuelle Planungsstand. Bislang bewegt sich alles im Vorläufigen. Die Situation derzeit: Vier mögliche Vorranggebiete für Windenergie hat die Regionalversammlung im Entwurf des Regionalplans für Korbach festgelegt, darunter die nah beieinanderliegenden Gemarkungen „Welsche Lied“ und „Röth“ bei Goldhausen. Der Plan bildet quasi die Diskussionsgrundlage für das weitere Verfahren.

Als Nächstes wird der Entwurf offengelegt. Die Karte mit den geplanten Vorranggebieten kann vom 15. März bis 14. Mai unter anderem auf den Internetseiten des Regierungspräsidiums eingesehen und kommentiert werden. Bürger, Verbände und Institutionen können ihre Anregungen und Einwendungen zu dem Entwurf einreichen. Detlef Schmidt vom Büro für Freiraum- und Landschaftsplanung in Grebenstein rechnet mit Tausenden Stellungnahmen in ganz Nordhessen. Bürgermeister Friedrich empfahl den Goldhäusern, ebenfalls zu den Plänen klar Stellung zu beziehen.

Über die Einwendungen berät die Regionalversammlung wiederum. Die Ergebnisse der Diskussion fließen in einen geänderten Entwurf ein, der dann erneut für einen Monat offengelegt wird. Erst danach beschließt die Regionalversammlung den neuen Regionalplan endgültig, der dann der Landesregierung zur Genehmigung vorgelegt wird. Aber auch danach ist noch nicht alles in trockenen Tüchern. Schmidt geht davon aus, das gegen den Plan geklagt wird.

Der Regionalplan sei lediglich eine „Vorabschätzung“, erklärte, die aussichtsreiche Flächen herausfiltere: „Das heißt noch lange nicht, dass dort auch Windenergieanlagen gebaut werden.“ Insbesondere an Vogel- und Fledermausgutachten scheitern viele Vorhaben. Die Obere Naturschutzbehörde habe sowohl beim „Welschen Lied“ als auch beim Eschenberg große naturschutzrechtliche Bedenken, sagte Friedrich.

Weiteres Hindernis für die strittigen Flächen ist offenbar das Wetterradar bei Flechtdorf. Im Umkreis von 15 Kilometern gelten Höhenbeschränkungen für Windkraftanlagen. Auch rund um Goldhausen wären nur Windräder deutlich unter 200 Metern Gesamthöhe möglich. Damit seien sie nicht wirtschaftlich zu betreiben, erklärte Stefan Kieweg von der Energie Waldeck-Frankenberg (EWF). Bislang sei die „Marke“ zwischen Korbach und Strothe daher die einzige Fläche im Gebiet der Kreisstadt, an der Windkraft wirtschaftlich Sinn mache. Zwar ist ein Umzug des Wetterradars im Gespräch, doch Planer Schmidt erklärte: „Das ist eine Scheindiskussion, die man völlig beenden sollte. Ich sehe es für die nächsten zehn Jahre nicht.“

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