Geplante Windkraftanlagen in Korbach: Wie groß die Gefahren wirklich sind

Wenn ein Windrad Feuer fängt

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Eine Windkraftanlage brennt im Juni 2018 bei Trendelburg im Kreis Kassel: Die Gefahr eines Feuers ist gering, brennt die Gondel, kann die Feuerwehr sie allerdings nicht löschen und muss sie kontrolliert abbrennen lassen.

Korbach – Für Reinhard Seifahrt ist es das Horrorszenario: Schwarze Rauchwolken ziehen von einer brennenden Windkraftanlage auf Goldhausen zu, die Feuerwehr sieht machtlos zu und kann das Windrad nur kontrolliert abbrennen lassen. Das könne dem Ort drohen, wenn im „Welschen Lied“ die sieben geplanten Windkraftanlagen tatsächlich gebaut würden, mahnt der Korbacher, der sich auch in einer windkraftkritischen Bürgerinitiative engagiert, in einem Brief an die WLZ. Doch wie hoch ist das Risiko eines Brandes tatsächlich? Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Wie häufig kommt es zu Bränden an Windkraftanlagen?

In Waldeck-Frankenberg hat zuletzt 2005 ein Windrad bei Adorf gebrannt. 2018 gab es einen Fall in einem Nachbarkreis: Ein technischer Defekt war am 26. Juni Ursache eines Feuers im Maschinenhaus eines Windrades bei Trendelburg (Kreis Kassel). Die Einsatzkräfte konnten sich nur darauf beschränken, herabfallende brennende Teile am Boden zu löschen. Bundesweit kam es laut einer Liste des Bundesverbandes Windenergie (BWE) im vergangenen Jahr zu sieben Bränden – bei insgesamt 29071 Windenergieanlagen an Land und 1169 Offshore-Windenergieanlagen.

Die internen Auswertungen der großen Versicherer zeigen laut BWE, dass in knapp 18 Prozent der Schäden Blitzschlag eine Rolle spielt und in lediglich 0,76 Prozent der Fälle ein Brandereignis auftritt. „Auch deshalb sind die Versicherungssummen so überschaubar, dass sie in der Regel in den Wartungsverträgen integriert sind“, erklärt Wolfram Axthelm, Geschäftsführer des Verbandes.

Stimmt es, dass die Feuerwehr ein brennendes Windrad nicht löschen, sondern nur kontrolliert abbrennen lassen kann?

Tatsächlich sei eine Brandbekämpfung zumindest in der Gondel nicht und im Turmfuß nur begrenzt möglich, bestätigt Bernd Berghöfer, stellvertretender Kreisbrandinspektor und Leiter der Unteren Bauaufsicht in Waldeck-Frankenberg. Die wesentliche Aufgabe der Feuerwehren bestehe daher im Absperren der Gefahrenstelle und Löschen der eventuell am Boden durch Funkenflug oder Abfall von brennenden Bauteilen entstehenden Bränden.

Bei Wind an Land spielen derartige Systeme eine untergeordnete Rolle, sagt Axthelm. Das sei angesichts der geringen Wahrscheinlichkeit nachvollziehbar. Ausnahme: „In wenigen Anlagen, die in forstlichen Monokulturen errichtet sind, haben die Genehmigungsbehörden Brandschutzeinrichtungen vorgeschrieben.“

Können bei einem Brand Carbonfasern aus den Rotoren freiwerden?

Bei Temperaturen oberhalb 650 Grad Celsius und bestimmter Einwirkzeit kann die Kohlenstofffaser (CFK) durch Oxidationsvorgänge in ihrem Durchmesser auf unter drei Mikrometer reduziert werden, informiert der Verband CFK-Valley Stade in einer Pressemitteilung. Wenn diese Kriterien gleichzeitig erfüllt würden, sei eine Lungengängigkeit gegeben. Allerdings ist aus Sicht des CFK-Valleys nur von einer sehr geringen Exploration auszugehen.

Wie gesundheitsschädlich sind diese Fasern?

Eine Studie der Bundeswehr sieht eine Gefahr vor allem für Feuerwehrleute, Ersthelfer oder Polizeibeamte, wenn sie an Unfallorten ungeschützt mit der Asche in Kontakt kommen. Sie könnten in der Folge an Krebs erkranken. Ein Vergleich der CFK-Stäube mit Asbestfaserstäuben ist laut CFK-Valley allerdings unzulässig: Asbest sei erwiesenermaßen Ursache für die Tumorbildung und trage den Kanzerogenitätsindex der Stufe 1, während die CFK-Stäube in den niedrigeren Index der Stufe 3 fielen. Damit stünden sie nur unter dem Verdacht, krebserzeugende Wirkung zu haben. Jener könnte nur durch eine derzeit nicht vorliegende epidemiologische Untersuchung ausgeschlossen werden, so der Verband.

Auch der Verband Carbon Composites (CCeV) nimmt Stellung zu den Medienberichten zur Gefahr durch Carbonfasern. Nach heutigem Kenntnisstand sei bei Befolgung von geeigneten Vorsichts- und Schutzmaßnahmen von keiner Gesundheitsgefährdung auszugehen.

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