Verfahren gegen 63-jährigen Korbacher

Angeklagter soll Kreditnehmer getäuscht und viel Geld kassiert haben

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Viel Geld soll der Angeklagte unrechtmäßig erlangt haben.

Vor dem Korbacher Amtsgericht muss sich ein Mann aus Korbach verantworten, der beschuldigt wird, sich auf Kosten etlicher anderer Menschen unrechtmäßig bereichert zu haben.

Korbach. Er soll ihnen private Darlehen versprochen haben, wofür er zunächst Geld als „Sicherheit“ gefordert haben soll.

Diese Sicherheiten kassierte er der Anklage zufolge ein, ohne aber jemals die Darlehenssummen zu zahlen. Insgesamt soll er somit 98 200 Euro ergaunert haben.

Laut der Staatsanwaltschaft hat der Mann die Kunden um ihr Geld gebracht, das sie bis heute nicht zurückbekommen haben. Die 19 Vorfälle ereigneten sich demnach in den Jahren 2011 bis 2015. Die Kunden kamen aus ganz Deutschland und aus dem Ausland. Er hatte sie übers Internet generiert.

Die so genannten Sicherheiten sollten die Bonität der Kunden nachweisen und betrugen oft mehrere Tausend Euro beziehungsweise jeweils zehn Prozent der vereinbarten Darlehenssumme. Der 63-jährige Beschuldigte gibt zu, dass er diese erhalten hat. Jedoch habe er ausschließlich Aufträge erfüllt.

Diese Aufträge habe er von einer Firma für Finanzberatung in Berlin erhalten, und nur fürs Weitergeben von Kundendaten an eine Schweizer Gesellschaft, die ihm zufolge die Bürgschaften übernehmen wollte, habe er dieses Geld erhalten.

Alias-Namen und verschiedene E-Mail-Adressen

„Ich übernehme bei Dritten keine Haftung“, sagte der Angeklagte und wollte damit die Verantwortung für die besagten Firmen von sich schieben. Richter Karl-Heinz Kalhöfer-Köchling fragte skeptisch: „Nur für das Weitergeben von Kundendaten erhalten Sie zehn Prozent der Darlehenssumme?“ Die Existenz dieser Firmen wird indes angezweifelt. Nach den Worten der Anklageschrift hat der Beschuldigte, der nach eigener Aussage als freiberuflicher Unternehmensberater tätig ist, unter Alias-Namen und mit verschiedenen E-Mail-Adressen mit den Kunden kommuniziert. 

Bei dem vorbestraften Korbacher war ein USB-Stick gefunden worden, der ihm zugesandt worden war. Dort befanden sich laut dem Richter Kalhöfer-Köchling diverse verdächtige Dokumente, darunter eine eingescannte Unterschrift, Mustertexte und ein Schreiben für eine Selbstauskunft, die denen glichen, die manche Zeugen vorlegen konnten.

Angeklagter ist vorbestraft

Der Angeklagte war schon zweimal zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Damals ging es um Betrug, zuletzt beim Urteil im Jahr 2000 um die Vermittlung günstiger Privatdarlehen.

Der aktuelle Prozess wegen gewerbsmäßigen Betruges wird in der kommenden Woche fortgesetzt. Dann sollen noch weitere Zeugen vernommen werden, und es soll eine gerichtliche Entscheidung getroffen werden.

Zeugen berichten von ähnlichem Schema

Mehrere Zeugen berichteten vor dem Gericht von einem ähnlichen Schema. Viele erzählten von finanziellen Nöten und dass ihnen Banken keinen Kredit gewährt hätten. Schließlich hätten sie Betrügern im Internet aufgesessen, die sich als ein britisches Unternehmen mit dem Namen SSB Capital Limited ausgegeben hätten. 

Sie berichteten vor Gericht, dass sie aus persönlichen finanziellen Gründen jeweils ein günstiges Darlehen gebraucht, im Internet danach gesucht und sich für SSB Capital entschieden hätten. Nachdem sie die zehn Prozent Sicherheit gezahlt hätten, hätten sie nie den Kreditbetrag bekommen. Dem Angeklagten wird vorgeworfen, das so geplant zu haben, um die „Sicherheiten“ zu kassieren. 

Andere Zeugen können sich nicht mehr oder kaum mehr an die Vorfälle erinnern, die nun bereits Jahre zurückliegen. Einige der Geschädigten hatten Anzeige erstattet, andere hatten sich „aus Scham nicht gewehrt“. 

Im Jahr 2015 hatte es eine Durchsuchung bei dem Angeklagten sowie einem weiteren Verdächtigen gegeben, auf dessen Konto die Rückzahlung des Darlehens hätte erfolgen sollen. Dieser weitere Verdächtige kommt aus dem niedersächsischen Walsrode und ist als Betrüger bekannt. 2014 hatte dieser ein Buch mit dem Titel „Mein Leben als Finanzbetrüger“ veröffentlicht. Darin schreibt er von denselben Alias-Namen, denen sich laut dem Staatsanwalt auch der Korbacher Angeklagte bediente. Auch die Betrugsmaschen seien identisch.

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