Welle der Hilfsbereitschaft - Korbacher Fahrschule zahlte Fahrerlaubnis

Geschafft: Mutter der behinderten Angelina hat jetzt den Führerschein

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Zum letzten Mal im Fahrschulauto: Julia Kiel hat jetzt den Führerschein – auch dank Benjamin Jäckel (links) und Helmut Schmidt, die sie ausgebildet haben. 

Korbach. Eine Welle der Hilfsbereitschaft gab es, als die Waldeckische Landeszeitung vor einem Jahr über eine junge Mutter aus Korbach berichtete, die ihrer behinderten Tochter gern die Welt zeigen wollte – aber nicht einmal einen Führerschein hatte. Nun hat Julia Kiel, vormals Smentek, den Führerschein geschafft. Die Korbacher Fahrschule Vollbracht & Schmidt hatte ihr die Fahrerlaubnis bezahlt.

„Es gab Höhen und Tiefen, aber jetzt habe ich es geschafft“, sagt Julia Kiel und lacht. Länger als die meisten Fahrschüler hat sie gebraucht, schließlich muss sie sich auch um zwei Kinder kümmern, darunter die neunjährige Angelina, die auf den Rollstuhl angewiesen ist. Auch die Hochzeit der jungen Mutter stand an.

„Anfangs war sie sehr ungeduldig“, erzählt Helmut Schmidt von der Fahrschule Vollbracht & Schmidt. Im September machte sie schließlich ihre theoretische Prüfung, Mitte Mai folgte dann die praktische. „Vor der Prüfung habe ich versucht, ganz gelassen zu sein“, erinnert sie sich. Als sie es dann geschafft hatte, hat sie vor lauter Überraschung erst einmal nur „Okay“ gesagt. Die Freude kam später. „Jetzt habe ich mein Ziel erreicht“, sagt sie.

Gelernt hat sie das Fahren mit einer Automatikschaltung. Stressfreier sei das, sagt sie. Denn künftig muss sie beim Fahren nicht mehr nur zwei Kinder im Blick haben, sondern drei – im Dezember erwartet sie mit ihrem Mann Nachwuchs.

Nun ist sie noch auf der Suche nach einem geeigneten Auto, in das auch ein Rollstuhl passt. Die nötigen Mittel dafür hat sie, dank eines Ehepaars aus Bad Arolsen, das sie mit 5000 Euro unterstützt hat und dank der Biker aus Goddelsheim, die 2500 Euro beisteuern. „Ich habe mir die Suche viel leichter vorgestellt“, sagt sie. Schließlich müssen drei Kinder, ein Rollstuhl und ein oder zwei Kinderwagen hinein passen. Bisher war das passende Fahrzeug nicht dabei.

Ist das Auto erst einmal angeschafft, wird sie mit ihrer behinderten Tochter auch wieder zum therapeutischen Reiten nach Goddelsheim fahren. Das hatte ihr eine WLZ-Leserin im vergangenen Jahr ermöglicht. „Angelina hat das unglaublich viel Spaß gemacht,“ sagt Julia Kiel. Auch die ersten gemeinsamen Ausflüge mit Mama als Fahrerin sind bereits geplant. (ren)

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