Enttäuschung in der Hansestadt Korbach:

Gescheiterte Kooperation mit Kreisklinik

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Kooperation gescheitert: Der Landkreis hat die Gespräche mit der Stadt Korbach über eine geplante Zusammenarbeit der Kliniken in der Altersheilkunde (Geriatrie) abgebrochen.

Korbach - Zwischen Kreisstadt und Landkreis ist abermals ein Graben aufgerissen. Es geht um mögliche Kooperationen der Krankenhäuser in Korbach und Frankenberg.

Das Kreiskrankenhaus in Frankenberg verzeichnet millionenschwere Verluste, die der Landkreis aus Steuermitteln über Jahre ausgleichen will. Zur Gesundung der Klinik in Frankenberg tragen also auch alle Waldecker Steuerzahler kräftig bei.

Die seit rund 15 Jahren mehrfach bekundete intensivere Zusammenarbeit zwischen der Kreisklinik und dem Korbacher Stadtkrankenhaus steht jedoch auf tönernen Füßen - umso mehr, weil der Landkreis die geplante Kooperation in der Altersheilkunde (Geriatrie) einseitig abgebrochen hat.

Landrat Dr. Reinhard Kubat bestätigte diesen Schritt Anfang der Woche im Kreistag. Landkreis und Hansestadt seien sich über „die Abrechnungsmodalitäten“ nicht einig geworden. Der Kreis werde sich nunmehr einen neuen Partner suchen, um an der Kreisklinik eine geriatrische Betreuung aufzubauen.

Verluste in der Frankenberger Kreisklinik

Hintergrund ist das Sanierungskonzept der Frankenberger Klinik, denn das Kreiskrankenhaus muss Kosten sparen - und sucht gleichzeitig nach neuen Erlösquellen. Ein Mosaikstein ist dabei die spezielle Behandlung älterer Menschen in einer Geriatrie.

Nach Vorgaben des Landes Hessen wird eine eigene geriatrische Abteilung in Frankenberg aber nicht genehmigt. Landesregierung und Krankenkassen möchten die Versorgung an ausgewählten Standorten konzentrieren, um die Kosten im Zaum zu halten. Und das Stadtkrankenhaus in Korbach hatte vor Jahren den Zuschlag für eine Geriatrie-Abteilung bekommen.

Die salomonische Lösung sollte in einer geriatrischen „Filiale“ in Frankenberg bestehen: Die Abteilung sitzt in Korbach, betreut aber auch Patienten in Frankenberg. Kosten und Gewinne müssten zwischen der Stadt und dem Landkreis verteilt werden.

Bis 2013 scheiterte eine solche Lösung an der Hessenklinik in Korbach, denn der damalige Geschäftsführer lehnte eine Kooperation mit Frankenberg bei der Geriatrie offenbar ab.

Dann ging der Geschäftsführer von Bord, und der frühere Betriebsleiter Wolfgang Kluß übernahm vorübergehend den Chefposten. Damit wurde der Weg für eine Zusammenarbeit in der Geriatrie im Frühjahr 2013 wieder frei.

In der Kreisklinik führte 2013 noch Christian Jostes die Regie. Der hatte bereits zur Klinik in Marburg-Wehrda die Angel ausgeworfen, um eine Geriatrie in Frankenberg als Außenstelle zu verwirklichen. Dann aber ging Jostes mit Kluß in neue Verhandlungen zwischen Korbach und Frankenberg.

Just in dieser Phase bot die Hansestadt an, Jostes auch die Geschäftsführung in Korbach zu übertragen, um beide Kliniken enger zu verzahnen. Als Aufsichtsratsvorsitzender der Kreisklinik verkündete denn auch Landrat Reinhard Kubat diesen Schritt. Doch nur wenige Wochen später kam aus dem Kreishaus der Rückzug. Mehr noch: Der zuvor stets gelobte Christian Jostes geriet in Aufsichtsrat und Kreisparlament massiv unter Druck.

Jostes quittierte im Frühjahr 2014 den Posten in Frankenberg und wurde in Korbach Geschäftsführer. Zugleich leitet Jostes eine Klinik in Winterberg.In Frankenberg wiederum beauftragte der Landkreis die Vitos-Gruppe (Landeswohlfahrtsverband) mit der Geschäftsführung des Krankenhauses.

Die Verhandlungen um eine geriatrische Filiale in Frankenberg liefen aber weiter, zumal die Landesregierung eine gemeinsame Lösung in Waldeck-Frankenberg ausdrücklich unterstützte. Dies machte der Referatsleiter im Sozialministerium, Jochen Metzner, wiederholt deutlich. Vor wenigen Tagen aber erklärte der Landkreis die Gespräche plötzlich für gescheitert.

„Vertrag per Handschlag bereits vereinbart“

„Meine Information aus dem Kreishaus ist, dass die Stadt bei den Verhandlungen seit Weihnachten nicht mehr reagiert habe“, warf SPD-Fraktionschef Henrik Ludwig am Dienstagabend im Korbacher Parlament in die Debatte.

In Rathaus sorgt die Darstellung aus dem Landratsamt indes für massive Kritik. „Fakt ist, dass wir im Dezember per Handschlag mit Vitos bereits eine Kooperation vereinbart hatten“, betonte Bürgermeister Klaus Friedrich. Der Start sei für den 1. September 2015 vorgesehen gewesen, und das Stadtkrankenhaus habe bereits eine ausgezeichnete Spezialistin für Geriatrie an Land gezogen gehabt.

Die Gespräche mit der Kreisklinik sieht Friedrich ernüchtert: „Wir haben mal wieder mit dem Landkreis unsere Erfahrung gemacht.“ Dennoch will die Hansestadt bei der Landesregierung deutlich machen, dass Korbach weiterhin zur Kooperation bereit sei, erklärte der Rathauschef.

Derweil sagte Kubat, der Kreis wolle kurzfristig einen neuen Partner für eine Geriatrie in Frankenberg suchen. Die Wetten in Korbach darauf sind deutlich: Mit der Klinik in Wehrda sei der - auswärtige - Partner vermutlich längst gefunden.

Von Jörg Kleine

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