Von Schacht zu Schacht legt Telekom die Kabelstränge für ultraschnelle Internetverbindungen

Glas als Asphalt der Datenautobahn

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Carsten Rohde lebt für seine Arbeit auf der Datenautobahn, wie hier am Schacht an der Briloner Landstraße.

Korbach - Blitzschnell surfen auf der digitalen Welle: Telekom baut in Korbach die Datenautobahn im Untergrund aus - Glasfaser für Glasfaser. Ab Sommer wird die Hansestadt so gut vernetzt sein wie ihre großstädtischen Schwestern an der Küste.

Ja, es gibt sie noch, die Wegmarken der alten deutschen Bundespost. An der Briloner Landstraße, Ecke Marienburger, hat Bauleiter Carsten Rohde mit seiner Truppe einen Schacht geöffnet. Das Wörtchen „Post“ steht ganz unscheinbar auf dem quadratischen Schachtdeckel - und verrät doch eine Menge über den Korbacher Untergrund.

In den 1970er- und 80er-Jahren hatte der damals noch staatliche gelbe Riese ein Rohrsystem durch die Kreisstadt geführt, dass sich heute als enorm weitsichtig erweist. Vom Standort des ehemaligen Fernmeldeamtes in der Strother Straße verzweigen sich die Rohre Richtung Stadtpark, hinauf zum Rathaus in die Altstadt, an der Kalkmauer entlang zum Berndorfer Tor - und weiter Richtung Stadtrand. An vielen Stellen verteilt sich das System dazwischen in die Wohngebiete.

Alle 100 bis 150 Meter folgt ein Schacht, schildert Carsten Rohde. Deckel auf, runter an die Leitungen - und ohne Baggern oder Schüppen lassen sich neue Kabelstränge durch den Untergrund ziehen.

„Es gibt viele Städte in der Größenordnung von Korbach, die nicht über eine solche Infrastruktur verfügen“, erklärt Rohde. Somit hat die Hansestadt einen entscheidenden Vorteil: Die Trassen für die Datenautobahn der Zukunft sind schon bereitet. Das senkt auch die Investitionskosten für die frühere Post-Tochter „Telekom“ beträchtlich.

Datenstränge unter Tage

Trotzdem hat Telekom in Korbach lange gewartet, um auf der Datenautobahn den Turbolader zu zünden. Rund um den Fernmeldeturm in den Wohngebieten zwischen Paul-Zimmermann-Sportplatz und Waldecker Berg flutschen die digitalen Datenpakete via DSL-Leitungen gut. Doch in den Korbacher Ortsteilen herrschte über Jahre Frust beim Surfen am Computer. Und selbst in der Kernstadt gab es weiße Flecken.

Im Wohnviertel rund um Goethe- und Schillerstraße standen nicht mehr als 3 Megabit pro Sekunde an Übertragungsgeschwindigkeit zur Verfügung - oder „Bandbreite“, wie es in der technischen Fachsprache heißt.

Turbolader durch Glasfaser

Ein multimediales Feuerwerk mit Surfen, Internet-Telefonie und Online-Fernsehpaket bleibt bei solch schmalen Verbindungen ein Wunschtraum. Jedes Foto per E-Mail braucht Wartezeit - für manchen digitalen Heimarbeiter schier eine Unendlichkeit.

Ende 2012 zog dann der Kabelbetreiber „Unitymedia“ sein neues Hochgeschwindigkeitsnetzwerk in Kernstadt und etlichen Korbacher Ortsteilen auf. Fortan können Kunden nicht nur Fernsehen gucken, sondern teils mit bis zu 150 MBit (Download) im Internet surfen.

Wer eine Satellitenschüssel auf dem Dach hat, einen herkömmlichen Telefonanschluss und seinen Vorgarten nicht aufgraben will, muss aber nicht mehr verzagen: Im Sommer will Telekom mit VDSL-Verbindungen an den Start gehen. Die verheißen 25 bis 50 MBit, in Zukunft durch „Vectoring“ sogar bis zu 100 MBit im Download und satten 40MBit im Upload beim Verschicken von Daten.

Mit Vectoring-Technik schaltet Telekom mögliche Störungen bei der Datenübertragung in Kupferkabeln aus, denn auf der „letzten Meile“ vom Verteilerkasten bis in die Wohnhäuser wird auch in Zukunft das Kupferkabel bleiben. Die Mails aber, etwa im Wohngebiet am Krankenhaus, rasen dann trotzdem rund 100mal schneller über die Leitung.

Damit dies funktioniert, zieht die Telekom seit November 2013 fast 50 Kilometer neue Glasfaserleitungen durch den Untergrund - in der Kernstadt, aber auch in Rhena, Lelbach, Lengefeld, Ober-Ense, Nieder-Ense, Nordenbeck und Meineringhausen. 97 der alten grauen Verteilerkästen an den Straßen werden umgerüstet, davon 64 mit komplett neuen „Multifunktionsgeräten“. In den Schaltschränken werden Ventilatoren leise säuseln, um für ausreichend Kühlung der Technik zu sorgen.

An der Briloner Landstraße steht an diesem Morgen ein solcher Verteilerkasten offen. Links sind Hunderte von Kupferkabeln verdrahtet, die vom Kasten in die Wohnhäuser führen. Rechts ist viel Freiraum im Gehäuse - und genau dort docken die Glasfaserleitungen bei der Installation an.

Monteur Jochen Trost (Korbach) hält ein ganzes Bündel der gelben Kabel in der Hand. An der Spitze eines jeden Kabels ist eine Mini-Schutzkappe, denn die Optik soll sauber bleiben. Anders als beim extrem biegbaren Kupferkabel ist eine Glasfaser empfindlicher: Glas ist spröde und bricht, erklärt Trost - selbst wenn die Faser hauchdünn erscheint.

Für Telefon und Internet muss das Signal überdies an einer Schnittstelle im Schaltkasten von der Glasfaser aufs Kupferkabel transportiert werden. Die optische Übertragung der Datenpakete mit Lichtgeschwindigkeit in der Glasfaser wird dabei in eine elektrische Übertragung übers Kupferkabel gewandelt. Die letzte „Meile“ ins Wohnhaus beträgt dabei in Korbach meistens weniger als 400 Meter, erklärt Rohde.

Mit viel Herzblut ist der Korbacher Bauleiter seit November am Werk, sprudelt förmlich über, wenn es um Kupfer, Glasfaser, Schächte, 100er-Kunststoffrohre, die Muffen und das Schweißen geht.

Arbeit im Mikrokosmos

Schweißen? Nein, nein, da sind die Monteure der Datenautobahn keineswegs mit Schweißbrennern am Werk. Vielmehr ist Feinwerktechnik gefragt, die ruhige Hand eines Uhrmachers, wenn es um Glasfasern geht.

Gleich neben dem Verteilerkasten an der Briloner haben Georg Sprenger (Bad Arolsen) und Frank Wagener (Bad Wildungen) ihren Montageplatz aufgebaut. Jeder hat eine schwarze Kiste vor sich, die sich beim Aufklappen als computergesteuerte High-Tech-Maschine offenbart. Für das Gerät in der Größe eines Schuhkartons würden sich andere eher einen Kleinwagen kaufen. Aber für Sprenger und Wagener ist der Kasten das wichtigste Utensil überhaupt: Die Maschine schweißt hauchdünne Glasfasern zusammen - und schafft damit die Verbindung zwischen dem Kabelstrang aus dem Erdschacht und den Anschlüssen im Verteilerschrank.

Sprenger zieht vorsichtig die Isolierschicht von zwei Glasfasern, fädelt die Enden ein in die Maschine, klappt den Deckel zu, drückt auf einen Knopf. Ein kurzer Moment vergeht, dann leuchtet „0 db“ auf dem Display. Das Kürzel „db“ steht für die Messeinheit Dezibel, die „0“ heißt keinerlei Dämpfung des Signals. Kurzum: Perfekt gemacht, die Daten können bald fließen.

Netzausbau

Die Deutsche Telekom baut derzeit das Netzwerk für schnelles Internet (VDSL) in Korbach aus. Durch Glasfaserverbindungen werden hohe Bandbreiten für multimediale Anwendungen möglich – ob Internet, Telefonie oder weitere Dienste. Noch im Frühjahr will die Telekom die technische Arbeit dafür in der Kernstadt Korbach und sieben Ortsteilen abschließen. In der zweiten Jahreshälfte will Telekom das Netzwerk dann scharfstellen. Geplant sind zuvor zentrale Bürgerinformationen in Kernstadt und zwei Ortsteilen – ob Technik, Bandbreiten oder Preise. Geplant ist in Korbach überdies die nächste Tempo-Stufe: Mit „Vectoring“-Technik soll die Datenübertragung im Netzwerk künftig noch mal deutlich schneller werden.

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