Norman Siegel und sein Team geben Tierhaltung auf

Gnadenhof schließt die Türen

Asel - Die Auflagen seien nicht mehr realisierbar, die Kosten zu hoch, beklagt das Team des Gnadenhofs in Vöhl und schließt zum 1. Juli die Türen. Viele Tiere müssen bis dahin den Hof verlassen haben.

„Wir werden die Tierhaltung auf unserem Artenreich Gnadenhof am 30. Juni einstellen“: In einem Brief an das Regierungspräsidium in Kassel erklärte Norman Siegel vom Vöhler Gnadenhof gestern den Entschluss des Teams. Das sei eine Vernunftentscheidung, ergänzte Siegel auf Nachfrage von WLZ-FZ. Die Anforderungen des Veterinäramts würden immer weiter steigen und seien für die Ehrenamtlichen nicht mehr realisierbar. „Wir haben dafür nicht genug Geld und auch nicht genug Zeit“, sagt Siegel. Bereits im April hatten sich Vertreter des Veterinäramtes außer der Reihe beim Gnadenhof umgesehen – nach Hinweisen aus der Bevölkerung (wir berichteten). Ein großer Arbeitseinsatz des Teams hatte sich danach um die Umsetzung der Auflagen bemüht. „Kaum hatten wir das erledigt, wurde die Unterbringung der Primaten bemängelt“, sagt Siegel, „die Anforderungen hatten sich geändert.“ Damit sei die Grenze des Machbaren erreicht. Als ungerecht empfindet Siegel die immer neuen Auflagen: „Natürlich ist es wichtig, dass Tiere viel Platz und eine gute Umgebung haben und die Regeln für die Haltung immer strenger werden“, sagt er, „für Gnadenhöfe sind diese Anforderungen aber nicht zu stemmen.“ Gleichzeitig habe das Team von Anfang an mit Angriffen auf den Hof leben müssen: „Die technische Absicherung zum Schutz von Tieren und Hofbewohnern verschlingt regelmäßig Unsummen, die sinnvoller eingesetzt werden könnten“, beklagt Siegel. Öffentliche Gelder gebe es für den Hof nicht. „Unser Gehalt fließt in den Unterhalt“, erklärt der Tierschützer. Um mehr Geld in die Einrichtung stecken zu können, müssten die Hofbewohner noch mehr Schichten übernehmen. „Dann fehlt uns aber wieder die Zeit für die Arbeit auf dem Hof“, erklärt Siegel. Deswegen ist im Sommer Schluss. Katzen, Hunde, Kühe, Ziegen und Pferde werden weiter auf dem Hof leben – und hier irgendwann in Ruhe sterben. „Für Nandus und Primaten müssen die Behörden aber eine neue Heimat finden“, sagt Siegel. Schließlich seien ihnen die Tiere auch von Behörden vermittelt worden. „Bei uns haben sie nur gelebt“, sagt Siegel. Auch neue Tiere nimmt der Gnadenhof nicht mehr auf.„Wir wollen uns nun verstärkt unserer politischen Arbeit widmen“, betont Siegel. Und damit meint er den Einsatz im Tierschutz. „Wir müssen das Prob­lem an der Wurzel bekämpfen, um wirklich etwas verändern zu können“, betont er, „hier bei uns haben wir bisher vor allem die Symptome behandelt.“ Von Theresa Demski

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