Flechtdorfer gestalten im Zuge der Dorferneuerung Kirchengelände um

Grabstein von Rauchs Vorfahr entdeckt

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Verwittertes Schmuckstück: Der Grabstein von Johan Christoph Rauch ziert das Gelände rund um das Flechtdorfer Ehrenmal.

Diemelsee - Flechtdorf. - Wenn die Flechtdorfer auf dem Gelände des ehemaligen Klosters in die Erde schauen, stoßen sie fast immer auf Schätze aus längst vergangener Zeit. Bei der Umgestaltung von Ehrenmal und Spielplatz entdecken sie kürzlich den Grabstein eines namhaften Waldeckers.

„JOHAN CHRISTOPH RAUCH ANNO 1730 8 T NOVEMBER“, lautet die Inschrift auf einem der zahlreichen Grabsteine, die bei den Arbeiten neben der Klosterkirche ans Tageslicht kommen. Rauch - dieser Name erinnert nicht nur Waldecker umgehend an Christian Daniel Rauch, den bedeutendsten deutschen Bildhauer des Klassizismus.

Dass die Wurzeln des Künstlers, der am 2. Januar 1777 in Arolsen geboren wurde, in Flechtdorf liegen, ist für Geschichtsfreunde nicht neu: Im Flechtdorfer Ortssippenbuch, das Karl Schultze erarbeitete und der Waldeckische Geschichtsverein 1998 herausgab, gibt es zahlreiche Daten zum Familiennamen Rauch. „Johan Christoph, genannt Niggemann, wurde am 24. Oktober 1658 geboren und starb am 15. Oktober 1730“, verweist Karl Schultze auf das Sippenbuch. „Er war ein Vollspänner, ein also großer Bauer.“ Vor diesem Hintergrund bringt der Grabstein, der den 8. November als Todestag nennt, somit neue Erkenntnisse für die Ahnenforschung.

Handwerklich wertvoll

Johan Christoph Rauchs dritter Sohn Henrich Wilhelm wird um 1700 geboren. Sein erstes Kind Johan Georg kommt am 28. Oktober 1729 in Flechtdorf zur Welt. Johan Georg Rauch zieht später nach Arolsen und wird Kammerdiener des Fürsten. Sein Sohn Christian Daniel ist das fünfte von sechs Kindern. Folglich ist Johan Christoph Rauch der Urgroßvater des bekannten Bildhauers, dem die Residenzstadt seit zehn Jahren ein eigenes Museum widmet.

Den Hof, den die Familie Rauch lange bewirtschaftet, gibt es heute nicht mehr. Laut Schultze stand er in der heutigen Niederen Straße. „Der Hof brannte 1832 oder 1834 ab“, erläutert der 94-Jährige. „Das habe ich bei meiner Arbeit am Ortssippenbuch Schweinsbühl herausgefunden, da die Schweinsbühler Feuerspritze zum Brand nach Flechtdorf ausrückte.“ Nach Angaben des Heimatforschers hat die Familie Rauch bis heute Verwandtschaft im Diemelseer Ortsteil: „Es ist die Familie Merhof, die im ältesten Haus des Dorfes wohnt.“

Auf dem alten Friedhof neben der Kirche wurden die Flechtdorfer laut Schultze bis Ende des 19. Jahrhunderts beigesetzt. Die erste Beerdigung auf dem neuen Friedhof datiert er auf 1889. Die hohe Anzahl der Grabsteine, die fleißige Flechtdorfer kürzlich zwischen Ehrenmal und Spielgeräten entdeckten, überrascht Schultze nicht: „Auf dem Friedhof war schließlich Grab an Grab. Auch der Grabstein meines Urgroßvaters wurde jetzt gefunden.“ Der aufwändig gestaltete Grabstein von Richter Johann Henrich Schulze, geboren 1774 und gestorben 1857, ruht derzeit neben der Kirche (Foto).

„Wir haben Grabsteine gefunden, die allein aufgrund ihres handwerklichen Werts ausstellungswürdig sind“, betont Ortsvorsteher Walter Rohde, unter dessen Regie die Umgestaltung des Geländes steht. Im Zuge der Dorferneuerung sind die Flechtdorfer seit Juli im Einsatz, umin Eigenleistung einen barrierefreien Rundweg zwischen Ehrenmal, Kinderspielplatz sowie Kirche und Kloster anzulegen.

Backen statt einfrieren

Rund um das Denkmal stießen sie bisher auf neun Grabsteine, entlang der Kirchen- und Klostermauern auf sechs. Rohde: „Die Steine, die wir bewegen konnten, haben wir aufgestellt.“ Auch wenn der kleine Stein von Rauchs Urgroßvater kein bildhauerisches Meisterwerk ist, hat er einen Ehrenplatz in der Nähe des Ehrenmals bekommen. Andere Grabsteine veredeln die neue Steinmauer. „Nach der Winterpause setzen wir die Arbeit fort“, erklärt der Ortsvorsteher. Dann sollen die Kinder nicht nur neue Spielgeräte, sondern alle Grabsteine einen würdigen Platz bekommen.

„Im nächsten Schritt der Dorferneuerung bauen wir dann das alte Gefrierhaus neben dem Dorfgemeinschaftshaus um, vielleicht zu einem Backhaus“, blickt Rohde voraus. Hinzu kommt eine moderne Bushaltestelle mit Fahrradunterstand.

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