Rütteln darf er nicht

Wackelkandidaten gesucht: Grabsteinprüfer auf Korbacher Friedhöfen im Einsatz

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Rütteln war gestern: René Weißbach prüft mit einem Messgerät einen Grabstein auf Standfestigkeit. 

Einmal im Jahr werden die Grabsteine auf den Friedhöfen in Korbach und den Ortsteilen auf Standfestigkeit überprüft.

Vorsichtig baut René Weißbach mit seinem Messgerät Druck auf die Oberkante eines Grabsteins auf. Als wenn sich ein Erwachsener anlehnen würde. Weißbach prüft, ob der Stein auf dem Korbacher Hauptfriedhof dem Gewicht standhält. Rütteln darf er allerdings nicht.

Wie viele andere Prüfer auch, ist er nach der Frostperiode auf Friedhöfen unterwegs und testet mit moderner Technik, ob Gefahr von den Grabsteinen ausgeht. Mit seinem Kraftmessgerät kann er Diagramme zur Standsicherheit aufzeichnen und mögliche Schäden fotografieren.

Stadt Korbach informiert die Angehörigen

Eine Drucklast von 30 Kilo muss der Stein aushalten. Dabei darf er nicht umkippen und nicht wackeln. Auch bei klaffenden Fugen am Fundament und Sockel fällt das Grabmal durch die Prüfung. Weißbach pappt dann einen gelben Aufkleber an den Stein und dokumentiert den Schaden. Die Stadt informiert daraufhin die Angehörigen, dass es ein Problem mit dem Grab gibt. Sie müssen auf ihre Kosten innerhalb einer bestimmten Frist dafür sorgen, dass die Standsicherheit der Steine wieder hergestellt wird.

Früher hatten die Prüfer tatsächlich auch an den Steinen gerüttelt, um die Standfestigkeit zu überprüfen. So mancher Stein soll dabei erst gelockert worden sein. „Das Prüfverfahren heute hat damit nichts mehr zu tun“, sagt Weißbach. Mittlerweile würden die Steine nur noch von einer Seite geprüft, Beschädigungen entstünden dabei nicht, erläutert der Prüfer.

Jährlich rund 100 Unfälle auf den Friedhöfen in Deutschland

Wasser, Eis oder abgesunkene Fundamente können der Grund dafür sein, das Grabsteine sich lockern. Lose Grabsteine und Grabkreuze führen nach Angaben der Dekra-Prüfgesellschaft jährlich zu bundesweit rund 100 Unfällen auf Friedhöfen. Um diese Vorfälle zu verhindern, hat der Bundesgerichtshof schon 1971 entschieden, dass die Friedhofsverwaltungen in die Pflicht genommen werden. „Wir sind dazu verpflichtet, mindestens einmal im Jahr nach der Frostperiode die Grabmale auf ihre Standfestigkeit zu überprüfen“, erklärt Ordnungsamtsleiter Carsten Vahland, der auch für die Friedhofsverwaltung zuständig ist.

Rund 1400 Grabsteine auf dem Hauptfriedhof in Korbach und den 14 Ortsteilfriedhöfen müssen den Kipptest über sich ergehen lassen. Zwei Tage hat Weißbach dazu Zeit. „Die Beanstandungsquote ist in der Regel niedrig“, sagt Carsten Vahland, meist seien rund 40 Steine auffällig.

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