79-jähriger Korbacher berichtet von Erlebnis an Eidinghäuser Teich

Beim Joggen von Vogel attackiert: Tier wollte wohl Nachwuchs beschützen

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Ein Mäusebussard könnte es gewesen sein, der den Jogger angriff.

Korbach – Seit gut 50 Jahren geht Siegfried Wichmann nahe des Eidinghäuser Teichs am Ortsrand Joggen, ein bis zwei Mal pro Woche dreht er seine Runden im Wald. Nie sei etwas vorgefallen – bis jetzt.

Der 79-Jährige wurde von einem Vogel attackiert.

An einem Sonntagvormittag passierte er gerade eine Lichtung, als „aus dem Nichts“ ein Vogel dicht über seinen Kopf hinweg schoss, erzählt Wichmann. Drei bis vier Mal flog das Tier – er vermutet, es war ein Greifvogel – dicht über ihm hinweg. „Ich zog den Kopf ein und griff nach einem Ast“, sagt der Korbacher. Abwehren konnte er den Vogel jedoch nicht, der ein letztes Mal Fahrt aufnahm. Mit den Krallen erwischte er den Jogger am Hinterkopf. „Ich trug an diesem Tag eine weiße Mütze, auf der hinterher zwei Blutflecke waren“, sagt Wichmann. Doch nach diesem Angriff sei Ruhe gewesen, der Vogel flog davon.

Schwer verletzt war er nicht, „aber ich war verblüfft, damit hatte ich im Leben nicht gerechnet“. Eine ärztliche Behandlung sei nicht nötig gewesen, aber zwei Tage später ließ er sich bei seinem Hausarzt eine Tetanusspritze geben – zur Sicherheit.

Siegfried Wichmann vermutet, dass der Greifvogel ein Weibchen war, das seine Brut beschützen wollte. „Vielleicht ist ein Junges aus dem Nest gefallen“, spekuliert er. Gesehen habe er jedoch nichts.

Im Waldgebiet an den Eidinghäuser Teichen geht Siegfried Wichmann regelmäßig Joggen. Dort attackierte ihn jetzt auch ein Vogel. 

Was es genau für ein Vogel war, weiß der Jogger nicht. Grau, mit gebogenem Schnabel und etwas größer als eine Krähe: So beschreibt er das Tier. Der Korbacher wendet sich damit an die Öffentlichkeit, damit andere Waldnutzer in dem Gebiet in nächster Zeit etwas umsichtiger sind.

Ein solcher Angriff sei ihm zum ersten Mal passiert. Dass es noch einmal vorkommen könnte, glaubt Wichmann nicht. Er geht auch weiterhin laufen am Eidinghäuser Teich.

Jogger aus Leidenschaft

Das Joggen ist längst eine Leidenschaft geworden. Früher habe er mehr Tischtennis gespielt, berichtet der 79-Jährige. Doch dafür sei er irgendwann zu langsam gewesen. Ab und an spiele er noch in einer Rentnergruppe.

Regelmäßig geht er dafür nun in den Wald, dreht seine Runden – und hat sogar bisher zwölf Marathons absolviert. Als er zum ersten 42-Kilometer-Lauf angetreten ist, sei er schon über 60 gewesen, sagt der ehemalige Bankangestellte. Mehrmals ist er beim Hamburg Marathon dabei gewesen, auch in Münster, Duisburg und am Edersee. Bei gut vier Stunden habe seine Bestzeit gelegen. Jetzt läuft Siegfried Wichmannkeine Marathondistanzen mehr, das sei zu anstrengend geworden. Eine Stunde durch den Wald schafft er aber locker noch.

Das sagt der NABU

Dass der Vogel ein Mäusebussard gewesen sein könnte, vermutet Maik Sommerhage, beim NABU Hessen Experte für Ornithologie. „Es gibt jedes Jahr einige dieser Vorfälle, die vor allem mit Mäusebussarden zu tun haben, obgleich auch anderen Vogelarten – von der kleinen Meise bis hin zum Bussard – „Eindringlinge“ stets dann vertreiben wollen, wenn Spaziergänger oder Jogger ihrem Nachwuchs zu nahe kommen.“ 

Im Fall von Siegfried Wichmann habe sich der Horst des Bussards vermutlich nicht allzu weit entfernt von der Stelle befunden, wo der Jogger angegriffen wurde. Die Jungvögel könnten flügge sein, sich aber noch in Horstnähe aufhalten.

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