Vorbereitung für den Korbacher Schnadezug am 28. September

Grenzsicherung mit Messer und Spaten

Korbach - In einigen Wochen begehen die Korbacher ein Stück ihrer alten Hutegrenze. Das deren Kennzeichnungen gut erhalten sind, ist das Ergebnis langjähriger Arbeit.

Manchmal sind sie gut erhalten und für jeden zu sehen, manchmal unter Moos, Gras oder Brennnesseln verborgen: Die Grenzsteine an der alten Korbacher Hutegrenze. Ob neue oder alte, verwitterte oder schöne Exemplare – ihre Standorte, Geschichte und Erscheinungsbilder sind ausführlich dokumentiert. Auf diese Aufzeichnungen können die Korbacher Schützen und ihre Gäste zurückgreifen, wenn sie am 28. September den fünften und vorletzten Abschnitt ihrer Grenze abschreiten: Von der Hospitalspitze nordwestlich von Strothe bis zum Dalwigker Holz westlich von Meineringhausen.

Dass die Zahl der bekannten Grenzsteine hoch ist, ist auch der Arbeit zweier Männer zu verdanken: Ernst Schäfer, Chronist der Korbacher Schützengilde 1377, und Friedrich Wacker, der seit Wiederaufnahme der Korbacher Schnadezüge 1951 bei jedem Grenzbegang mit dabei war. 1998 stellten sie sich der Gilde zur Verfügung, um eine Schnadezugsunterlage zu erstellen. Um 1950 hatte schon Wilhelm Hellwig eine solche angefertigt, doch neue historische Erkenntnisse und landschaftliche Veränderungen machten eine neue Auflage notwendig. Und so suchten die beiden Männer drei Jahre lang nach Steinen: Entlang der im unwegsamen Gelände über 100 Kilometer langen Strecke fanden sie 200 Grenzmale, dokumentieren auch Privat- und Gedenksteine. Viele der Schnadesteine waren Neufindungen, darunter schöne Raritäten. Nicht jede Überraschung war indes angenehm: Manch ein Stein fehlte, andere waren beschädigt. In einem Fall wurde sogar ein Grenzmal, das Schäfer und Wacker zur Reparatur freigelegt hatten, gestohlen. Bei anderen Steinen gelang die Restauration hingegen. An Stellen, wo keine Steine waren, aber zur Orientierung nötig gewesen wären, ritzten sie mit einem speziellen Messer Kennzeichen in Baumrinde. Mancher Stein musste lediglich freigelegt werden, einen Spaten hatten die Männer immer dabei. Alles, was sie fanden, dokumentierte Ernst Schäfer auf Fotos und Karten, damit nichts verloren geht.

In einigen Fällen führt die alte Grenze mitten über Felder oder ist nicht mehr begehbar. In diesen Fällen suchten Ernst Schäfer und Friedrich Wacker möglichst nahe Umwege und Stellen für neue Steine. Vor dem Schnadezug am 28. September werden an solchen Plätzen noch drei neue Grenzmale gestiftet. Froh ist Ernst Schäfer auch über eine Korrektur, die ihm lange ein „Dorn im Auge“ war: Der Stein am Hassborn, bislang auf Meineringhäuser Gebiet, rückt näher an die Quelle, die bei einem Tunnelbau verschüttet wurde.Zusätzlich zu Ernst Schäfers dicken Ordnern über die Steine und ihre Geschichten hat Schnade-Pionier Markus Block die Position der Grenzmale per GPS zentimetergenau festgehalten. Damit die Tradition aber auch in den Köpfen präsent bleibt, hofft Ernst Schäfer auf mehr Engagement junger Menschen: „Das ist ja auch der Sinn des Stutzens“, erklärt er: „Wer auf den Stein gesetzt wird, vergisst die Stelle sein Leben lang nicht.“ Kinder ab fünf Jahren seien beim Schnadezug deshalb sehr willkommen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare