Hallenbad: Ursache der Keimbelastung im Wasser noch nicht geklärt

Große Frage: Wer haftet für die Mängel?

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Grün schimmert hier keineswegs die Hoffnung – und auch nicht der Rasen von draußen: Nach Schließung des Hallenbads ist das Wasser im Becken des Bewegungsbads bereits „umgekippt“ und muss komplett erneuert werden.

Korbach - Die ersehnte Eröffnung des Korbacher Hallenbads wird noch mindestens sechs bis acht Wochen dauern. Größtes Problem ist weiterhin die Keimbelastung des Wassers. Aber auch der Blitzschutz bekommt zusätzliche Bedeutung.

Nach dem Tod von vier Golfspielerinnen vorige Woche in Waldeck durch einen Blitzschlag hat das Thema auch für das Korbacher Hallenbad „eine erschreckende Aktualität bekommen“, erklärte Stefan Schaller. Der Geschäftsführer des heimischen Versorgers Energie Waldeck-Frankenberg (EWF) legte in einer Sondersitzung des parlamentarischen Haupt- und Finanzausschusses den neuesten Zwischenbericht zur Hallenbad-Debatte vor.

Blitzschutz an der Rutsche

Seit dem 12. April, also nur vier Wochen nach der Neueröffnung, ist das rund zehn Millionen Euro teure Hallenbad wieder geschlossen. Bei den technischen Prüfungen kam etwa heraus, dass die stählerne Riesenrutsche bei Gewitter geschlossen werden muss. Am Übergang zwischen Rutsche und Gebäude besteht Gefahr durch einen möglichen Stromschlag. Eine Antwort des Elektrikers steht indes noch aus, sagte Schaller auf Nachfrage des CDU-Sprechers Timo Lockemann. Die Rutsche gehört allerdings nur zu den kleineren Schwierigkeiten im neuen Hallenbad. Denn der Rostbefall auf Edelstahl an Becken und Rutsche ist inzwischen weitgehend beseitigt. Nur die stählerne Wanne im Sprungbecken ist bislang noch nicht auspoliert, alle anderen Becken und Bauteile seien inzwischen „ohne Probleme“ wieder rostfrei, bestätigte Schaller. Nachgehakt hatte Helmut Schmidt (SPD).

Keimbelastung muss weg

Im Zentrum der Debatte stand gestern somit weiterhin der Keimbefall in den Wasserleitungen des Hallenbads. Für Gefahr sorgt das Bakterium „Pseudomonas aeruginosa“. Alle Versuche, die Keime zu beseitigen, schlugen bislang fehl. Als Ursache gelten beispielsweise „Toträume“ im Rohrsystem, wo sich Bakterien im stehenden Wasser konzentrieren können. Zudem war eine Desinfektion mit heißem Wasser nicht möglich, weil die Kaltleitungen im Hallenbad teils aus Kunststoff sind. Diese Rohre könnten bei heißer Desinfektion beschädigt werden.

Mängel im Wassersystem

Neuen Aufschluss bringen unterdessen erste Ergebnisse der Technischen Hochschule Mittelhessen, die seit 26. Juni vorliegen. EWF hatte Fachleute der TH aus Gießen mit Untersuchungen beauftragt (wir berichteten). Demnach hat das Wasserleitungssystem im neuen Hallenbad verschiedene Schwächen, die Bakterien teils eine „Wellness-Oase“ bieten, wie Schaller ironisch anmerkte.

Ansatzpunkte: Auch Kaltwasser wird generell zu stark erwärmt. Das liegt offenbar auch an mangelhafter Isolation im Keller des Hallenbads.

In regelmäßigen Abständen über den Tag verteilt sinkt die Temperatur des Wassers plötzlich „dramatisch ab“. Obwohl das ganze System zuletzt vermeintlich außer Betrieb gesetzt worden ist, setzt die elektronische Steuerung eine automatische Spülung in Gang.

Dies verbraucht nicht nur eine Menge Wasser, sondern bedeutet auch „ungeheure Chlorzehrung“, erläuterte Schaller: Das Desinfektionsmittel wird mit dem Wasser schnell wieder weggespült, bevor es seine Wirkung entfalten kann.

Merkwürdig ebenso: Aus dem System „kommt mehr Wasser raus, als reingeschüttet wird“. Irgendwo im Netz muss also ein fehlerhafter Wasserzufluss sein. Schallers Fazit war deshalb gestern eindeutig: Die Schwimmbecken könnten zwar durch verstärkte Desinfektion keimfrei gemacht werden. „Aber es macht keinen Sinn, das Hallenbad in Betrieb zu nehmen, bevor die Ursache der Keimbelastung nicht geklärt ist“. Im Blickpunkt von Stadt und Parlamentariern steht weiterhin der Generalplaner Klaus Meyer (Gotha).

Bei der Fülle an Mängeln schüttelte Patricia Kubat (CDU) nur den Kopf: „Ich kann das nicht verstehen. Es gibt doch überall in Deutschland Sprungtürme“ – die ordentlich eingebaut sind. Warum war dann ausgerechnet in Korbach das Gerüst für das Drei-Meter-Brett nicht ausreichend verankert?

Offene Fragen der Haftung

„Ich hoffe, dass wir uns mit dem Generalplaner auf einen gemeinsamen Gutachter einigen können“, meinte EWF-Geschäftsführer Schaller – ohne eine Skepsis im Unterton zu verhehlen. Eine juristische Auseinandersetzung mit weiteren Gutachten und Gegengutachten könne jedenfalls sehr lange dauern. In zwei Wochen soll möglichst mehr Klarheit herrschen – sonst würde im Zweifel sofort ein „Beweissicherungsverfahren“ in Gang gesetzt. Da fragte sich nicht nur Grünen-Fraktionschef Daniel May, um wie viel Geld es überhaupt in der Haftung für all die Mängel gehen könnte. „Ich glaube, dass es mit 100?000 Euro nicht getan ist“, meinte Schaller orakelnd.

Ohne sichere Antwort bleibt ebenso die entscheidende Frage aus Sicht der Bevölkerung, die Helmut Schmidt aufs Neue stellte: „Wann können wir frühestens wieder ins Bad gehen?“ „Im günstigsten Fall in sechs bis acht Wochen“, schätzte Schaller. – Es könnte aber auch länger dauern.

Spätestens Anfang August soll zumindest der Finanzausschuss erneut zum Thema Hallenbad tagen, kündigte Bürgermeister Klaus Friedrich an.

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