Für Dr. Jürgen Römer ist Kloster Flechtdorf ein Baustein zur Regionalentwicklung

„Große kulturelle Attraktion im Kreis“

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Der Wert der Flechtdorfer Klostergebäude – die ältesten stammen aus dem 12. Jahrhundert – ist vielen Waldeck-Frankenbergern nicht bewusst, weil großer Sanierungsbedarf besteht. Ein Informationszentrum soll erste Abhilfe leisten.

Diemelsee - Flechtdorf - Das Kloster Flechtdorf gehört für Dr. Jürgen Römer, Leiter der Stabsstelle Ländlicher Raum, zusammen mit dem Arolser Residenzschloss zu den bedeutendsten Gebäuden im Kreis. „Der Förderverein verdient alle Unterstützung“, wirbt der Historiker, für den die Sanierung weit mehr als ein Kulturprojekt ist.

Die kreisweit einzige Doppelturm-Fassade der Flechtdorfer Klosterkirche ist vielerorts bekannt. Anders die angrenzenden Gebäude, die einst zur Benediktinerabtei gehörten: „Obwohl der Förderverein seit Jahren tolle Arbeit leistet, ist noch nicht überall angekommen, welchen Wert die Bauten haben“, berichtet Römer, selbst auch Fördervereinsmitglied. Der Fachmann erklärt sich dies mit dem Zustand der Gebäude.

Infozentrum ist ein Muss

Wer das Projekt nicht von Beginn an verfolgt hat, kann kaum erkennen, was die Fördervereinsmitglieder seit der Ersteigerung der Gebäude 2007 bewegt haben.

Römer: „Über 600 000 Euro haben sie in mühseliger Arbeit aufgebracht und investiert.“ „Vergleichen wir das Kloster zum Beispiel mit der Korbacher Kilianskirche, denken viele Gäste dennoch, sie kämen in eine alte Bude“, formuliert Römer überspitzt.

Am Rentmeisterhaus, in dem Besucher derzeit begrüßt werden, blättert zum Beispiel von Fenstern und Fachwerkbalken der Putz ab. „Um Gäste vernünftig zu empfangen sowie Kultur- und Bildungsarbeit zu leisten, ist es wichtig, ein Informations- und Begegnungzentrum zu schaffen“, betont Römer und schlägt den Bogen zu einer Sondersitzung des Diemelseer Parlaments am Dienstagabend in Adorf, bei der er zu Gast war.

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit diskutierten die Abgeordneten über eine mögliche Kooperation zwischen dem Förderverein und der Gemeinde, um genau dieses Zentrum zu verwirklichen. Bürgermeister Volker Becker will dazu derzeit keine Stellung beziehen.

Fördermittel akquirieren

„Hintergrund des Tagesordnungspunkts sind mögliche Förderanträge über das Dorferneuerungs- und das Leaderprogramm“, hatte Fördervereinsvorsitzender Helmut Walter der WLZ im Vorfeld der Sitzung erläutert. Nur so könne der Ausbau zum Kultur- und Begegnungszentrum zügiger voran gehen (WLZ, 14. November).

Es ist kein Geheimnis, dass öffentliche Projektträger wie die Gemeinde höhere Fördersätze bekommen als private Antragsteller, zu denen der Förderverein gehört.

Die Finanzierung des Informationszentrums, das direkt am Diemelsteig liegt, beschäftigt sowohl die Vereinsmitglieder als auch Leader-Regionalmanager Bernd Wecker vom Büro Bioline (Dalwigksthal) seit langem. Wecker: „Schon die Veranstaltungen in den improvisierten Räumlichkeiten begeistern viele. Mit einem Informationszentrum könnten die Flechtdorfer aber den Wert des Klosters verdeutlichen und um Sponsoren werben.“ Ziel müsse sein, das Projekte auf möglichst breite Füße zu stellen.

Den Wert der Gebäude, in denen einst Benediktinermönche lebten und arbeiteten, stellt Römer noch einmal klar: „Romanische Klosterkirchen gibt es viele in Deutschland. Die klösterlichen Wohngebäude aus dem 12. Jahrhundert, die in großem Umfang erhalten sind, sind allerdings ein Alleinstellungsmerkmal. In ganz Norddeutschland gibt es nichts und bundesweit kaum Vergleichbares.“ Das Kloster stehe daher zu Recht auf der Liste der nationalen Denkmäler.

Für Römer gehört das Kloster zusammen mit dem Residenzschloss, dem Kloster Haina, der Kilianskirche und der Frankenberger Liebfrauenkirche zu den kulturellen Attraktionen in Waldeck-Frankenberg und ist daher „langfristig eines der ganz großen Kulturprojekte im Kreis“.

Kloster als Anlaufstelle

Als Leiter der Stabsstelle Ländlicher Raum schreibt Römer dem Kloster aber nicht nur große kulturelle Bedeutung zu. Für ihn ist der Ausbau zum Kultur- und Begegnungszentrum ein Baustein der Regionalentwicklung – und zwar in mehrfacher Hinsicht:

- Wer dem demografischen Wandel begegnen wolle, müsse nicht nur an Arbeitsplätze und Leerstände denken, sondern auch an kulturelle Angebote, erläutert Römer. Den (neuen) Bürgern müsse die Region etwas bieten: „Das Kloster kann und muss in diesem Bereich ein Leuchtturm werden. Es macht unsere Region zu etwas Besonderem.“

- „Ein derartiges ehrenamtliches Engagement brauchen wir künftig überall.“ Die Fördervereinsmitglieder setzen sich aus seiner Sicht für „allgemein bedeutsame Anliegen“ ein.

- „Wir wollen unsere Dörfer stärken und Anlaufpunkte schaffen. Auch ein Kloster kann diese Funktion im Dorf erfüllen.“ Schon heute biete der Förderverein viele Veranstaltungen für jedermann. Die Mitglieder laden beispielsweise zum Weihnachtsmarkt und zu Konzerten ein.

- Ein Kultur- und Begegnungszentrum fördere zugleich den Tourismus. Es locke zwar nicht täglich ganze Busse voller Touristen, aber meist gut betuchte Bildungstouristen, ist Römer überzeugt. Fremdenverkehrsprojekte bringen wiederum Wertschöpfung in die Region.

Römer weist des Weiteren darauf hin, dass die denkmalgeschützten Gebäude ohnehin nicht abgerissen werden könnten. „Sie sind da, also können wir auch etwas daraus machen. Mehr noch: Wir dürfen uns freuen, dass wir Waldeck-Frankenberger das Kloster haben.“

Landrat signalisiert Hilfe

„Der Förderverein verdient alle Unterstützung“, fasst der Historiker zusammen. Landrat Dr. Reinhard Kubat habe bereits signalisiert, das Projekt weiterhin im Rahmen der Möglichkeiten unterstützen zu wollen. „Ich würde begrüßen, dass nun auch die Gemeinde das Kloster mehr zu ihrer Sache macht, denn nur mit einem Informationszentrum kann der Verein seine Arbeit vernünftig fortsetzen und immer mehr Menschen vor Augen führen, was für ein Kleinod das Kloster Flechtdorf ist.“

Weitere Informationen: www.kloster-flechtdorf.de.

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