Korbach

Der große Umzug im Einzelhandel

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- Korbach (jk/lb). Handel ist Wandel, heißt ein altes Sprichwort. 2012 dürfte für Korbachs Geschäftswelt einen gehörigen Wandel bringen.

„H&M“ bis „New Yorker“, „Corvita“ bis „KiK“ – die Korbacher Einzelhandelslandschaft bietet derzeit eine Menge Gesprächsstoff. Wer kommt, wer geht? Das sind die spannenden Fragen. Dabei deutet sich für 2012 mit etlichen Umzügen fast eine „Reise nach Jerusalem“ an.Zum Nikolaustag meldete der Essener Immobilienmakler Brockhoff & Partner, der Modeladen „Gina Laura“ ziehe im November 2012 in die Bahnhofstraße 5.

Die Modemarke gehört zur Oldenburger Gruppe „Buddelei“ mit rund 300 Filialen in Deutschland und Österreich. „Buddelei“ wiederum zählt ab 1. Januar 2012 zur Textilgruppe „Ulla Popken“ (Rastede bei Oldenburg) mit derzeit rund 400 Filialen, die vor allem Mode für Mollige anbieten. Von den aus Essen verkündeten Umzugsplänen bei „Gina Laura“ wusste der Korbacher Vermieter in der Professor-Bier-Straße bislang nichts. Vielleicht aber will die Popken-Kette dort ja Kleidung für größere Größen künftig verkaufen. Doch dazu war in der Firmenzentrale von „Buddelei“ gestern keine abschließende Antwort zu bekommen.

Klarer sind da die Auskünfte aus der Tchibo-Zentrale in Hamburg. Die Filiale des großen Kaffeerösters sitzt in der Bahnhofstraße 5 – und soll im Herbst 2012 in Korbach komplett geschlossen werden, wie Tchibo-Sprecher Andreas Engelmann auf WLZ-Nachfrage bestätigt: „Tchibo hat sich leider entschlossen, den Standort nicht weiterzubetreiben.“ Über Kaffee hinaus vertreibt Tchibo seit Jahren unterschiedlichste Produkte – von Haushaltswaren über Radios bis Textilien. Zum neuen Filialkonzept sollen deshalb beispielsweise auch Umkleidekabinen gehören, erläutert Engelmann. Welche Faktoren genau zum geplanten Rückzug von Tchibo in Korbach führen, das lässt Engelmann offen.

Derweil wird gegenüber in der Bahnhofstraße der Leerstand neben „Fielmann“ offenbar Anfang 2012 beseitigt. Nach WLZ-Informationen soll dort mit „Apollo“ just ein weiterer Optik-Laden eröffnen. Neue Mieter deuten sich ebenso im Woolworth-Komplex in der Bahnhofstraße an. Rund 2300 Quadratmeter Einzelhandelsfläche stehen in der nur zeitweise noch genutzten zweiten Woolworth-Etage und den früheren Greko-Räumen leer. Dazu kommen weitere Flächen wie der ehemalige „Kartoffelkeller“. Mieter in Sicht bei GrekoDie Suche nach Mietinteressenten führt hier die Berliner Firma Acrest für „Cerberus Capital Management“. Der US-Finanzinvestor hatte 2007 über seine europäische Tochter Promontoria Holding im holländischen Baarn die Erbbaurechtsverträge mit den Korbacher Grundeigentümern von Woolworth übernommen. Mittlerweile sei es gelungen, ein Konzept zu entwickeln, das vier „hochwertige neue Mieter auf einer Großfläche“ vorsehe, erklärt Matthias Schmitz von Acrest auf WLZ-Nachfrage. Dafür habe er aktuell sechs Interessenten aus den Bereichen Textil und Drogerie an der Hand. Schmitz erwartet, dass im ersten Halbjahr 2012 die Mietverträge unterschrieben werden. Die Verhandlungen seien aber schwierig.

Der Vermögensverwalter macht dabei keinen Hehl daraus, dass dem Investor die im Erbbaurechtsvertrag festgelegten Zahlungen an die Korbacher Grundeigentümer zu hoch seien: „Der Korridor der Rentabilität ist hier aufgrund der besonderen Situation schmaler als bei anderen Objekten.“ Auf die Frage, ob Woolworth auch Teil des neuen Konzepts sei, erklärte Schmitz: Darauf könne er keine Antwort geben. Für die ehemaligen Greko-Räume hat nach WLZ-Informationen etwa der Mode-Discounter KiK sein Interesse bekundet. Der Apfel fiele nicht weit vom Stamm, denn im Sommer 2010 übernahm eine gemeinsame Holding von Tengelmann und der KiK-Gruppe auch das Gros der deutschen Woolworth-Filialen.

Mehr lesen Sie in der WLZ vom Donnerstag, 8. Dezember

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