Waldeckisches Kammerorchester wird heute 125 Jahre alt · Ausstellung in Sparkasse Bahnhofstraße

„Große Welt der sinfonischen Musik“

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Korbach - 1887 war in der Weltgeschichte kein besonders ereignisreiches Jahr. In Korbach allerdings markierte die Zeit vor 125 Jahren einen wichtigen Punkt. Unter anderem entstand der Vorläufer des Waldeckischen Kammerorchesters.

Kaiser Wilhelm I. legt den Grundstein für den Nord-Ostsee-Kanal. Reichskanzler Otto von Bismarck lässt den Reichstag auflösen, damit neue Wahlen stattfinden können. Und in Korbach treffen sich zwölf Männer, die das Interesse an der Musik vereint. Sie legen am 11. April 1887 den Grundstein für das Waldeckische Kammerorchester.

Zur selben Zeit habe der erste Kindergarten in der gerade einmal 3000 Einwohner zählenden Stadt eröffnet, zeichnete Vereinsvorsitzende Petra Bodien-Chang ein Bild der damaligen Ära. Und die erste Ausgabe der „Corbacher Zeitung“ erschien.

„Seitdem hatten wir eine sehr wechselvolle Zeit“, blickte gestern Dirigent Rainer W. Böttcher im Rahmen der Vernissage für die Jubiläumsausstellung zurück. In der Korbacher Zweigstelle der Sparkasse in der Fußgängerzone eröffneten er und weitere Mitglieder den geschichtlichen Rückblick auf die Vereinsgeschichte.

Auf mehreren Tafeln verweisen alte Plakate auf die Musikauswahl aus einer vergangenen Zeit. Neben den Hinweisen auf das öffentliche Wirken des Orchesters bekommen auch die aktuellen Mitglieder - insgesamt 40 an der Zahl - Gelegenheit, sich und ihre Motivation vorzustellen. „Alle kommen aus einer unterschiedlichen Profession. Aber alle eint dieses eine Hobby“, so Böttcher in seiner kurzen Ansprache.

Zur Zeit der Gründung sei die Livemusik die einzige Möglichkeit gewesen, Musik gemeinsam zu genießen. Seitdem seien die Mitglieder immer weiter in „die große Welt der sinfonischen Musik“ eingedrungen. Während zu Beginn vor allem Märsche und Polkamusik die tragende Säule des Repertoires bildeten, kamen allmählich auch klassische Stücke dazu. Eine kleine Auswahl davon präsentierte das Salonorchester „Cappuccino“, eine Untergruppe des großen Geburtstagskindes, zur gestrigen Eröffnung.

„Ihnen ist es gelungen, dass die Kunst der Musik in diesem Verein nie verlorenging“, lobte der „Gastgeber“ der Ausstellung, Korbachs Sparkassendirektor Martin Dörflinger. Mitgebracht hatte er 250 Euro für die Musiker. Mit dem Geld wird die eigens komponierte Jubiläumshymne finanziert. Die Vereinsmitglieder hatten einen Kasseler Musiker beauftragt, dem Orchester ein Lied auf den 125 Jahre jungen Leib zu schreiben.

Die heutige Ausrichtung des Kammerorchesters, wie es sich inzwischen nennt, zeigte sich allmählich nach Ende des Zweiten Weltkrieges. Während in den Jahren bis 1945 keine Musik mehr präsentiert wurde, professionalisierte sich der Verein in den folgenden Jahren immer weiter. 40 Jahre tonangebend war Musiklehrer Hans Hermann Thiele, der der gestrigen Veranstaltung ebenfalls beiwohnte. Seit 2005 hält Böttcher den Taktstock. Die 40 aktiven Musiker aus der Streicher- und Bläsersektion kommen aus dem gesamten Landkreis und sogar darüber hinaus.

Die Ausstellung ist bis 20. April von 9 bis 18 Uhr (samstags 9 bis 13 Uhr) zu sehen. Vom 14. bis 25. Mai kommt sie in die Bad Arolser Sparkassenfiliale.

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