Zum Beginn der Grünen Woche

Mahnfeuer und Besuch mit Kuh: Bauern machen auf ihre Sorgen aufmerksam

Mit Bauern ließ sich im „Loch“ diskutieren, während die Kühe Streicheleinheiten genossen.
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Mit Bauern ließ sich im „Loch“ diskutieren, während die Kühe Streicheleinheiten genossen.

Korbach/Diemelsee. Zum Beginn der Grünen Woche machen Landwirte deutschlandweit auf ihre Anliegen aufmerksam - in Korbach und Diemelsee suchten sie auf kreative Weise Kontakt.

In der Kreisstadt wollten die Bauern weniger demonstrieren als vielmehr über ihre Arbeit informieren. Im „Loch“ verteilten sie Tragetaschen mit kleinen Geschenken: eine Primel und eine Tüte Naturdünger. Ein kleiner Streichelzoo war auch dabei: Zwei Kühe waren nicht nur Hingucker, sondern durften auch angefasst werden. Kinder nutzten die Gelegenheit, die Tiere hautnah zu erleben und diese genossen es offenbar.

Die Bäuerinnen und Bauern hoben sich in ihren grünen Westen vom Rest der Menschen ab und informierten in Gesprächen über ihre Arbeit, ihre Anliegen und Probleme. Preisverfall, Düngeverordnung und Umweltauflagen sind die aktuellen Themen. Es wurde durchaus kontrovers, aber friedlich diskutiert.

Dazu gibt es die Einladung des Kreisbauernverbandes, landwirtschaftliche Betriebe zu besichtigen: „Kommen Sie ruhig mal näher“, heißt es in dem entsprechenden Flyer. Interessierte könnten sich über modernes Agrarmanagement, „nachhaltigen Ackerbau und fürsorgliche Tierhaltung“ informieren. Auf Anfragen freut sich der Kreisbauernverband, unter E-Mail info@kbv-waldeck.de werden sie entgegengenommen und beantwortet.

Am Rande der Aktion gab es noch die Einladung zur Typisierung für einen an Leukämie erkrankten Landwirt.

Bei Mahnfeuer in Diemelsee konstruktive Gespräche geführt

Die Verschärfung der Düngeverordnung, das Insektenschutzpaket und das Mercosur-Handelsabkommen stehen in der Kritik. In Diemelsee trafen sich gut 60 Bauern und Interessierte zu einem „Mahnfeuer“ im Feld.

Kommunalpolitiker waren eingeladen, mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Carsten Becker, regionaler Ansprechpartner der Bauern-Initiative„Land schafft Verbindung“ machte deutlich, dass die Landwirte nicht mehr billige Rohstofflieferanten der Lebensmittelindustrie sein möchten. Höhere Anforderungen an Umwelt und Tierwohl müssten sich in den Preisen für landwirtschaftliche Produkte niederschlagen. 

Ins Gespräch kommen wollten Landwirte und Politiker beim Mahnfeuer.

Dafür habe die Politik in ihrer bisherigen Ausrichtung kein Ohr. Ein Beleg dafür sei das neue Agrarpaket, ergänzte Stephanie Wetekam, Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes. Mit der Umsetzung der neuen Düngeverordnung müssten unter anderem neue Gülle- und Silolagerstätten errichtet und andere Ausbringtechniken angeschafft werden. Diese Investitionen seien für viele nicht zu stemmen und auch nicht zielführend. Viele neue Auflagen brächten gut 30 Prozent der Betriebe an die Grenzen ihrer Existenz.

Bauern wollen Nachbesserungen bei Nitrat, Insektenschutz und Billigimporten 

Die letzte Verschärfung der Düngeverordnung 2017 habe Verbesserungen gebracht, sei aber nicht nachvollziehbar ausgewertet werden. Ein hoher Nitratgehalt auf verschiedenen Flächen habe oft andere Ursachen und werde einseitig den Landwirten in die Schuhe geschoben. Hier müssten auch die Kläranlagen in die Pflicht genommen werden. Die Verteilung der Messstellen müsse ebenfalls überprüft werden. 

In dem Insektenschutzpaket, beispielsweise dem Verbot von Pflanzenschutzmitteln in Schutzgebieten, sehen sie eine „Zwangsökologisierung“, die am Markt nur mit Verlusten umsetzbar sei. Ökologie und Ökonomie müssten ausgewogen sein. 

Das Handelsabkommen mit den Mercosur-Staaten Südamerikas gefährde durch billige Importwaren die Versorgung mit sicheren, hochwertigen und geprüften Lebensmitteln aus der Region. 

Dr. Beate Schultze (CDU), stellvertretende Parlamentsvorsitzende in Diemelsee, setzt auf Unterstützung der Landwirte: „Wir leben in einer von der Landwirtschaft geprägten Region, sie ist wichtig für alle, und viele andere Betriebe hängen daran.“ 

Auch Horst Wilke (FWG) sieht in der Landwirtschaft im Einklang mit dem Tourismus ein Rückgrat der Gemeinde. Deshalb gehe die Landwirtschaft auch alle an. Auf „Gülletourismus“ möchte er allerdings verzichten. In entspannter Runde am Lagerfeuer, mit Gegrilltem und Getränken im Schatten der Trecker gab es anschließend viele konstruktive Gespräche in gegenseitigem Verständnis.

Von Hans Peter Osterhold

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