Korbach

Gymnasiasten müssen zahlen

- Korbach (lb). Gymnasiasten bekommen ihr Busticket nur noch bis zur 9. Klasse gesponsert, Realschüler ein Jahr länger. Eine Ungerechtigkeit, sagen Eltern von der Alten Landesschule. Zu Recht, sagt das Kultusministerium.

„Meine Busfahrkarte selber bezahlen, nur weil ich auf dem Gymnasium bin? Das ist ungerecht“, sagt die 15-jährige Janina Werth, die derzeit die neunte Klasse der Alten Landesschule (ALS) besucht. Die Kosten von 355 Euro für die Busfahrt von Eppe nach Korbach muss sie ab dem kommenden Schuljahr selber tragen, denn mit dem verkürzten achtjährigen Gymnasium (G 8) beginnt die Oberstufe schon ab der zehnten Klasse – ein Jahr früher als bisher. Der Landkreis sponsert die Tickets aber nur für die Sekundarstufe I. Der gleichaltrige Lukas Knierim bekommt hingegen seine 620 Euro teure Busfahrkarte auch in der zehnten Klasse bezahlt – weil er die Realschule besucht. Er fährt jeden Tag von Eppe zur Mittelpunktschule nach Goddelsheim. Auch ein Hauptschüler, der nach dem Abschluss in der neunten Klasse zur Berufsfachschule wechselt, bekommt noch ein Jahr die Fahrkarte erstattet. „Wir halten das für eine nicht vertretbare Ungleichbehandlung der Schüler der verschiedenen Schularten“, sagt Astrid Köhler, Vorsitzende des Elternbeirats der Alten Landesschule in Korbach. Die Gymnasiasten hätten zum Zeitpunkt des Wechsels an die Oberstufe noch nicht mal einen Realschulabschluss. „Den bekommen sie erst nach Abschluss des zehnten Schuljahrs, so wie Realschüler auch“, so Köhler. Mehr als 300 Unterschriften hat der Elternbeirat der Schule bereits gegen diese Regelung gesammelt. Eine gemeinsame Protestak-tion der Gymnasien im Landkreis soll im Frühjahr über die Bühne gehen. Rund 300 Waldeck-Frankenberger Zehntklässler müssen nach Angaben der Kreisverwaltung nach den Sommerferien ihre Jahreskarten selbst bezahlen – so will es das Kultusministerium. In Paragraf 161 des hessischen Schulgesetzes ist geregelt, dass der Schulträger, in diesem Fall der Landkreis, für die Schülerbeförderung zahlen muss – und zwar nur für Schüler in der Grundstufe und der Mittelstufe. Eine freiwillige Kostenübernahme für Gymnasiasten in der zehnten Klasse sei nicht geplant, teilt die Kreisverwaltung auf Anfrage der WLZ-FZ mit. Bei durchschnittlich 600 Euro pro Ticket liegt die Ersparnis für den Kreis ab dem nächsten Schuljahr so bei knapp 200 000 Euro.Das Kultusministerium zäumt indes das Pferd von hinten auf: In einem Brief an Eltern der Alten Landesschule stellt eine Sachbearbeiterin klar, dass das Ministerium in der Regelung keine wirkliche Ungleichbehandlung sieht. Vielmehr müssten die G 8-Oberstufenschüler drei Jahre ihre Beförderungskosten selbst bezahlen, also genau so lange wie G 9-Oberstufenschüler: Alle würden demnach in gleicher Weise unterstützt, nämlich bis zum Ende der Mittelstufe in ihrem jeweiligen Bildungsgang. Astrid Köhler kann die Argumentation nicht nachvollziehen. So werde in Deutschland auf der einen Seite eine geringe Quote an Abiturienten und Studenten bemängelt, auf der anderen Seite werde an Gymnasiasten gespart. „Die Eltern der Alten Landesschule Korbach fordern, dass für die G 8-Jahrgänge die Kosten der Fahrkarten auch in der Jahrgangsstufe 10 übernommen werden“, erklärt sie.(lb/ef, jw, nic)

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