Korbach

„Haben Riesensprung gemacht“

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- Korbach (tk). Ein Aufsteller mit dem Wetterbericht für die nächsten Tage steht auf der Theke. In der Lobby gibt es eine Zeitungsauswahl und ein Internet-Terminal. Es riecht nach frischem Kaffee, nicht nach Bohnerwachs.

Wer den Wandel einer Jugendherberge von der einfachen Unterkunft zur hotelähnlichen Gastronomie nachvollziehen möchte, sollte am besten die Korbacher Dependance des Deutschen Jugendherbergswerks (DJH) besuchen. Im großzügig angelegten Foyer muss der Besucher schon genau hinschauen, um die Unterschiede zwischen Hotel und Herberge zu bemerken. Ein kleiner Unterschied ist blau, trägt eine weiße Mütze und wartet mit anderen Schlümpfen, Colafläschchen und Fruchtgummis darauf, in einem kleinem Tütchen zu landen.

Süßigkeiten im Einzelverkauf sind aber längst nicht alles, was der Service zu bieten hat. „Unseren Gästen servieren wir auch einen Begrüßungscocktail, selbstverständlich alkoholfrei, in eigens dafür gestalteten Gläsern.“ Das klingt nicht nach Herbergsmutter, sondern nach einer zuvorkommenden Gastgeberin. Rebekka Rieth-Figge leitet seit 2004 den Betrieb. Die gelernte Industrie-Kauffrau, die nach einem Fernstudium der Erziehungswissenschaften die Stelle bekam, gestaltete den grundlegenden Umbau des Hauses maßgeblich mit. Im August vergangenen Jahres begann das neue Herbergszeitalter in dem ehemaligen Hospital in der Enser Straße.

Die Investition von rund 1,3 Millionen Euro, zum größten Teil durch das Land, aber auch von der Stadt und der Hospitalstiftung Korbach finanziert, bildet die Grundlage für eine Erfolgsgeschichte, wie sie die gebürtige Goldhäuserin schildert: „Wir haben einen Riesensprung gemacht, schreiben kräftige schwarze Zahlen.“ Waren 10 000 bis 12 000 Übernachtungen im Jahr früher guter Durchschnitt, peilt das Korbacher Haus in diesem Jahr 21 000 Übernachtungen an. Damit steuert der mit 129 Betten bei Weitem größte Beherbergungsbetrieb den Löwenanteil zur Korbacher Gästestatistik bei. „Bisher verzeichneten wir etwa 50 000 Übernachtungen pro Jahr. Das wird sich nun dank der Jugendherberge deutlich erhöhen“, freut sich Claus Günther vom Stadtmarketing. Von dieser „wahnsinnigen Entwicklung“ profitierten touristische Anbieter vom Bonhage-Museum bis zum Goldbergwerk, wie auch der Einzelhandel und die Gastronomie.

Nicht als Gewinner fühlen sich allerdings manche Anwohner des beliebten, weil zentrumsnahen DJH-Hauses. Trotz entsprechender Hinweise an Fenstern und Türen sowie stetiger Kontrolle des Zapfenstreichs um 22 Uhr kommt es, vor allem in lauen Sommernächten, zu nutzungstypischen Geräuschen. „Das lässt sich, bei allem Bemühen, nun mal nicht immer vermeiden, wenn mehrere Schulklassen im Haus sind“, räumt Rebekka Rieth-Figge ein. Abzustellen waren hingegen die Probleme mit den verrückt spielenden Brandmeldern, die für mehrere falsche „Deo-Alarme“ sorgten, wie die Leiterin die Malheure nennt.

Mehr lesen Sie in der WLZ vom Freitag, 22. Juli

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