Ebenerdige Park-Variante an der Kalkmauer bietet weniger Stellplätze für Autos

Händler in Sorge um Parkplätze

+
Kein Hingucker und sanierungsbedürftig: Das Parkdeck an der Kalkmauer soll einem ebenerdigen Parkplatz weichen.

Korbach - Es gibt wohl nur einen Grund, das Parkdeck an der Kalkmauer zu vermissen: Es bietet Platz für 141 Autos. Korbachs Kaufleute bangen nun um ausreichend Parkplätze für ihre Kunden.

Daran gibt es nichts zu rütteln: Das in den 70er-Jahren gebaute Parkdeck bröckelt. Und schön ist die Beton-Zweckarchitektur auch nicht. Die Stadtverordneten haben sich deshalb im Februar für den Neubau eines ebenerdigen Parkplatzes an gleicher Stelle entschieden (wir berichteten). Für diese Variante müsste mit knapp 1,1 Millionen Euro Baukosten gerechnet werden. Ebenerdig könnten nach ersten Plänen an der Kalkmauer maximal 100 Abstellflächen markiert werden. Bisher passen 141 Autos ins Parkdeck.

Derzeit arbeitet das städtische Bauamt an konkreten Entwürfen. Im Juli sollen die Ergebnisse vorliegen, erläuterte Bauamtsleiter Stefan Bublak gestern der WLZ. In der letzten Sitzung vor der Sommerpause entscheidet dann die Stadtverordnetenversammlung, welches Konzept schließlich umgesetzt werden soll. „Wir wollen in diesem Jahr die Planung abschließen, das gesamte Projekt im Jahr 2015“, steckt Bublak den Zeitplan ab. Länger warten kann die Stadt auch nicht: maximal zwei Jahre geben Gutachter dem sanierungsbedürftigen Parkdeck, bis es abgerissen oder grundlegend erneuert werden muss.

Einerseits Hoffen auf einen aufgewerteten Parkplatz, anderseits Bangen um ausreichend Platz für automobile Kunden: Korbachs Kaufleute betrachten das Vorhaben an der Kalkmauer mit gewisser Skepsis. Hanse-Vorsitzender Jürgen Tent begrüßt es prinzipiell, dass wieder Bewegung in die Stadtentwicklung kommt. Das Parkdeck sei sanierungsbedürftig, die Parkplätze eng und schwer zu befahren.

„Das Bauamt muss aber alles ausloten, damit so wenig Parkplätze wegfallen wie möglich“, so Tent. Er schlägt deshalb vor, auch an das bisherige Parkdeck angrenzende Gelände einzubinden. So könnten beispielsweise Betonblumenkübel zugunsten von Stellplätzen entfernt werden. Die Kaufmannsgilde wird sich bei einer internen Veranstaltung am 18. März mit dem Thema Parkdeck beschäftigen.

„Jeder verlorene Parkplatz ist problematisch“, sagt auch Rainer Ueberson, Geschäftsführer des Modehauses Manhenke. Die Erreichbarkeit sei für den rund ums Berndorfer Tor angesiedelten mittelständischen Einzelhandel von großer Bedeutung. „Der Vorteil der Fußgängerzone, dass an allen Seiten - oben, in der Mitte und unten - Parkplätze sind, sollte nicht aufgegeben werden“, appelliert Ueberson. Der bereits vorhandene, aber nur von wenigen Autofahrern benutzte Parkplatz „Hinter dem Kloster“ müsse außerdem in die Planung integriert werden.

Ein Neubau an der Kalkmauer bietet aber auch Chancen auf ganz anderem Gebiet: Der alte Verlauf der Stadtmauer wäre an dieser Stelle wieder herstellbar. Just das Parkdeck aus Beton hat den Wall in den vergangenen fast 40 Jahren als Bollwerk der Moderne unterbrochen.

Der Schutzwall mit seinen steinernen Wurzeln aus dem 11. Jahrhundert ist ein herausragendes Merkmal, mit dem sich die Kreisstadt künftig in Szene setzen will. Der doppelte Mauerring um Korbachs historischen Kern soll zum Erlebnispfad gemacht werden. Dr. Marc Müllenhoff, bei der Wirtschaftsförderung „Korbach goldrichtig“ für den Tourismus zuständig, wird das Projekt heute bei einer Bürgerversammlung vorstellen.

Turm, Spalte und Touristen

Die aktuellen Pläne für die Korbacher Spalte und den Kalkturm sind Thema einer Bürgerversammlung heute Abend um 19 Uhr im großen Saal des Bürgerhauses. Die Stadt informiert außerdem über ein neues touristisches Konzept für die Korbacher Altstadt. Kalkturm und das Umfeld der Korbacher Spalte sollen in diesem Jahr zum „Geofoyer“ ausgebaut werden. Die Stadt plant außerdem, den doppelten Mauerring um Korbachs historischen Kern zum Erlebnispfad zu machen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare