Kreis-Gesundheitsamt stellt geringe Keimbelastung in den Duschen fest

Hallenbad wieder geschlossen

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Korbach - Nur einen Monat nach der Neueröffnung muss das Korbacher Hallenbad wieder schließen: Das Gesundheitsamt hat eine geringe Belastung mit einem Keim im Trinkwasser festgestellt.

Voraussichtlich bis einschließlich kommenden Mittwoch, 18. April, bleibt das Bad geschlossen, teilte EWF-Geschäftsführer Stefan Schaller gestern mit. Bei einer Probenentnahme zur Wiederinbetriebnahme des Bades hatte das Gesundheitsamt den Keim Pseudomonas aeruginosa (siehe Hintergrund) in den Duschen festgestellt.

Belastet ist nur das Wasser für Duschen, Handwaschbecken und Toiletten. Das Badewasser in den Becken sei nicht betroffen, eine Gesundheitsgefahr für die Badegäste habe nicht bestanden, sagte Gesundheitsamt-Mitarbeiter Detlef Möbus. Dafür sei die Zahl der Keime zu gering. Der Grenzwert für Trinkwasser liegt bei null Keimen, im Duschwasser des Korbacher Bades wurden aktuell als Höchstwert 24 Keime pro 100 Milligramm Wasser festgestellt. Das Robert-Koch-Institut warnt schon vor geringen Konzentrationen.

Eine thermische Desinfektion, bei der die Trinkwasseranlage mit heißem Wasser durchspült wurde, und ein Austausch der Duschköpfe habe keinen Erfolg gezeigt, so Schaller. Deshalb sollen die Rohre jetzt mit Wasserstoffperoxid desinfiziert werden. Nach einer Ruhephase nimmt das Gesundheitsamt erneut Proben. Die gesamte Prozedur wird mehrere Tage in Anspruch nehmen. „Um das Problem in Ruhe in Angriff zu nehmen, haben wir uns für eine Komplettschließung entschlossen“, sagte Friedhelm Schmidt, der den Umbau als Projektleiter begleitet hatte.

Die Ursache für die Keimbelastung ist noch unklar. Erst bei der vor Kurzem abgeschlossenen Sanierung war die Installation komplett erneuert worden. „Eine Baustelle ist kein steriler Ort, da besteht die Möglichkeit der Kontamination. Wir müssen jetzt genauer hinschauen und die Ursache lokalisieren“, sagte Möbus. Grundsätzlich sei die Belastung mit Pseudomonas aeruginosa nichts Ungewöhnliches: „Wir stellen das immer wieder in Trinkwasser fest. Häufig ist der Keim hinter Dichtungen zu finden“, so der Gesundheitsamt-Mitarbeiter.

EWF-Chef Schaller rechnet mit Kosten zwischen 7000 und 8000 Euro durch die Desinfektionsmaßnahmen. Ob Badbetreiber EWF oder Stadt die Rechnung übernehmen, ist noch unklar. Möglicherweise können auch die Installationsbetriebe in Regress genommen werden.

Völlig überrascht zeigte sich Bürgermeister Klaus Friedrich von den neusten Entwicklungen im Korbacher Hallenbad. Es sei äußerst bedauerlich, dass das neu sanierte Bad nun möglicherweise eine Woche nicht für den Badbetrieb zur Verfügung stehe. Er habe aber vollstes Verständnis für diese Maßnahme, weil die Gesundheit der Badbesucher an erster Stelle stehe. Nun sei der Betreiber des Bades gefordert, die Ursachen zu ergründen und dauerhaft abzustellen.

Pseudomonas

Pseudomonas aeruginosa ist ein weit verbreiteter Boden- und Wasserkeim. Man findet ihn überall dort, wo genügend Feuchtigkeit vorhanden ist, beispielsweise an Waschbecken, Toiletten, Spülmaschinen sowie im Badewasser und selten im Trinkwasser. Mit etwa zehn Prozent aller Krankenhausinfektionen gehört Pseudomonas ?aeruginosa zu den in Deutschland am häufigsten auftretenden Krankenhauskeimen. Im Trinkwasser gelten selbst geringe Konzentrationen von Pseudomonas aeruginosa als gesundheitlich bedenklich, weil sie unter ungünstigen Umständen schwere entzündliche Erkrankungen in verschiedensten Organen auslösen können. (Quellen: Robert-Koch-Institut, Wikipedia)

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